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Industrie Autozulieferer Webasto setzt auf Elektromobilität

Der Zulieferer muss sich nach der Coronakrise neu ausrichten. Das Familienunternehmen ist zu abhängig von einem Produkt und einer Region.
19.05.2020 - 16:59 Uhr Kommentieren
Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes macht Webasto aktuell in China. Quelle: © Webasto Group
Zulieferer

Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes macht Webasto aktuell in China.

(Foto: © Webasto Group )

München Ende Januar hatte es Webasto erwischt. Über Nacht musste der Autozulieferer seine Firmenzentrale schließen, nachdem eine chinesische Mitarbeiterin das Virus in das beschauliche Stockdorf gebracht hatte. Noch lange bevor die deutsche Wirtschaft den anstehenden Shutdown erahnte, wurde Webasto-Chef Holger Engelmann Spezialist für Infektionsketten und digitale Unternehmensführung. Ein Schock für das Unternehmen und seine Beschäftigten, die sich zeitweise wie Aussätzige in der Vorortidylle vor den Toren Münchens fühlten.

Heute ist Engelmann froh, zumindest das gröbste überstanden zu haben. „Am Ende sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt der Firmenchef rückblickend. Die Ausnahmesituation, die Webasto über Wochen in den Schlagzeilen hielt, habe das Unternehmen zusammengeschweißt. Immerhin habe man sich früher als andere mit Homeoffice und Hygieneregeln befassen müssen, sagt Engelmann. Und so musste man sich auch früh mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise beschäftigen.

Die Krise trifft Webasto hart, bereits im ersten Quartal steht ein Verlust von vierzig Millionen Euro. Ein bis zwei schwierige Jahre erwartet das Unternehmen, das mit Kostensenkungen, Kurzarbeit und Einstellungsstopp gegensteuert. Kurzfristig hofft Engelmann wie die gesamte deutsche Autoindustrie auf ein Konjunkturpaket einschließlich Kaufhilfen für Neuwagen, „damit wir den Absatz wieder zum Laufen kriegen“.

Anders als die Großaktionäre von VW und BMW, Piëch und Quandt, verzichten die Webasto-Eigentümerfamilien auf Dividendenzahlungen. Die wäre aber auch nicht sonderlich hoch ausgefallen: Mit einem operativen Gewinn von 107 Millionen Euro und einer Umsatzrendite von 2,9 Prozent ist das Unternehmen weit von der Ertragskraft vergangener Jahre entfernt.

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    Webasto steht exemplarisch für die deutschen Zulieferer, die in den vergangenen Jahren von den Absatzerfolgen der deutschen Autohersteller profitierten, sich erfolgreich globalisierten und nun vor einem Strukturwandel stehen. Hatte sich das Familienunternehmen einst auf Cabriodächer und Standheizungen spezialisiert, so sind es heute zu 85 Prozent Glaspanoramadächer, die den Löwenanteil zum 3,7 Milliarden Euro schweren Gesamtumsatz beisteuern. Auch regional ist eine Unwucht eingetreten: 2020 werden erstmals 50 Prozent der Erlöse aus China kommen, gegenüber 14 Prozent aus Europa. Webasto hängt an einem Produkt und einer Region.

    Zur Zeit funktioniert das Modell: China ist aktuell der weltweit einzig funktionierende Automarkt und hat sich im fast komplett erholt. Auf der anderen Seite drücken die Autohersteller massiv auf die Kosten und in China versuchen einheimische Zulieferer den Marktführer aus Deutschland anzugreifen. Mit der Übernahme des koreanischen Joint Ventures Donghee hat sich Webasto in Asien weiter verstärkt - auf der anderen Seite aber die Gewichte weiter Richtung Fernost verschoben.

    Schwenk in die E-Mobilität

    Jetzt versucht Webasto gegenzusteuern, Engelmann selbst spricht von einem „Klumpenrisiko“. Der ehemalige Bosch-Manager Rolf Burlander übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz und soll den Aufbau des zweiten Standbeines begleiten. Seit 2017 baut das Unternehmen gezielt Kompetenz in der Elektromobilität auf und will bei der Fertigung von Batterien und Ladelösungen ein „führender Systemanbieter“ werden. Erste Aufträge für Batteriesysteme für einen europäischen Bus - und einen koreanischen Autohersteller lägen bereits vor, sagt Engelmann.

    Zudem will man sich als Spezialist für das Heizen und Kühlen von Elektroautos und Bussen etablieren. Der Umsatz soll von heute 40 Millionen Euro mittelfristig auf über eine Milliarde Euro pro Jahr steigen, langfristig will man das drei Milliarden Euro schwere Geschäft mit Dachsystemen vollständig ausbalancieren.

    Webasto investiert bereits massiv in die neuen Geschäftsfelder. Mit Ausgaben von 815 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung und einer F&E-Quote von 8,5 Prozent liegt das Unternehmen deutlich über dem Branchendurchschnitt. Elf Prozent des 22 Milliarden schweren Auftragsbestandes soll bereits aus den neuen Geschäftsfeldern stammen.

    Damit steht Webasto besser da als der Rest der Branche. Am Dienstag malte der Verband der Deutschen Automobilindustrie ein schwarzes Bild für mittelständische Zulieferer. Bei 132 befragten Firmen sollen demnach schon bis zu 12.500 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, falls die Nachfrage nicht bald anzieht. „Unter unveränderten Bedingungen werden bis Ende Juni 39 Prozent der Unternehmen Personal abbauen“, so der (VDA) in Berlin. „Bis Ende Juli werden es 65 Prozent sein.“ Derzeit liefen bereits in jedem zehnten Betrieb Stellenstreichungen. Konkrete Pläne hierzu hätten aktuell drei von fünf Zulieferern. Manche Firmen erwägen demzufolge die Kürzung von bis zu 40 Prozent ihrer Jobs. Der Verband forderte einen „schnellen und wirksamen Nachfrageimpuls am Automobilmarkt.

    Tatsächlich hat die Coronakrise den Automarkt schwer getroffen. In Europa gab es laut Branchenverband ACEA im vergangenen Monat über drei Viertel weniger Neuzulassungen als noch vor einem Jahr. In Italien, Spanien und Großbritannien tendierten die Verkäufe gegen null. Auch Frankreich verbuchte mit einem Rückgang von 88,8 Prozent einen heftigen Absturz. In den USA betrug das Minus zuletzt 47 Prozent.

    Mehr: 12.500 Arbeitsplätze in Gefahr – Viele Autozulieferer befürchten starke Jobverluste.

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