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Köpfe der künstlichen Intelligenz (10) Jana Koehlers Forschungszentrum liefert neue Ideen für KI „Made in Germany“

Die Informatikerin leitet künftig das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Ziel: Den Innovationsstandort Deutschland in der Weltspitze halten.
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Die Informatikerin übernimmt im Februar das Amt vom langjährigen DFKI-Chef Wolfgang Wahlster.
Jana Koehler

Die Informatikerin übernimmt im Februar das Amt vom langjährigen DFKI-Chef Wolfgang Wahlster.

DüsseldorfVerliert Deutschland den Anschluss? Jana Koehler kann diese Sorge nicht verstehen. Natürlich sehen die USA und China Künstliche Intelligenz als Thema von strategischer Bedeutung, natürlich investieren Google und Baidu Milliardenbeträge in die Technologie. Aber: „Deutschland gehört zu den Top drei der innovativsten Länder weltweit, und seine breit aufgestellte Industrie kann zahlreiche Weltmarktführer aufweisen“, sagt die 55-jährige Forscherin.

Den Standort verteidigen, das gehört für Koehler bald zum Job. Zum 1. Februar 2019 verlässt sie ihren Lehrstuhl an der Universität Luzern und übernimmt die Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das ist hierzulande mit seinen mehr als 900 Mitarbeitern die führende Institution für smarte Maschinen – und soll dafür sorgen, dass aus Ideen Produkte „made in Germany“ werden.

Algorithmen für Aufzüge

Um den Posten zu bekommen, musste Koehler einen Bewerbungsprozess durchmachen, der mehr als ein Jahr dauerte. Das DFKI ist eine Kooperation von Wirtschaft und Staat, daher wollen viele Akteure über Personalien mitentscheiden. Hinzu kam ein Berufungsverfahren an der Uni Saarbrücken, denn die Stelle ist mit einer Professur verknüpft. Im Oktober wurde die Entscheidung publik gemacht, nun bereitet die Informatikerin ihren Umzug vom Zürichsee nach Saarbrücken vor.

Es ist eine Rückkehr: In den 1990er Jahren promovierte Koehler am DFKI über Planungsalgorithmen – etwa für Maschinen, die sich selber steuern. „Diese Technologie ermöglicht zum Beispiel Mittelständlern in der Industrie 4.0, die kundenindividuelle Fertigung umzusetzen“, sagt sie. Dieses Forschungsgebiet bestehe seit Jahrzehnten, werde aber mit den Fortschritten der Technologie für die Praxis tauglich.

Koehlers Forschung hat sich in der Praxis bewährt. In den Aufzügen eines großen Herstellers beispielsweise kommt seit 20 Jahren ein Algorithmus zum Einsatz, der die Fahrten effizient plant – die Informatikerin hat an der Entwicklung mitgewirkt. Ähnliche Technologien ziehen nun in immer mehr Fabriken ein. „Ich habe Lösungen mitentwickelt, die Millionen von Kunden nutzen“, sagt Koehler.

Am DFKI wird sie weniger Zeit haben, selbst zu forschen. In ihrer neuen Aufgabe muss sie sich als Wissenschaftsmanagerin beweisen: Das Zentrum soll den Transfer von der Forschung in die Anwendung fördern, von wissenschaftlichen Grundlagen zur Produktentwicklung – inklusive Patenten und Industriestandards. Auch in diesen Bereichen ist die Informatikerin sehr erfahren.

Die Diskussionen über den Standort Deutschland wird Koehler in ihrer neuen Rolle öfter führen müssen. Fundamentale Kritik ist nicht zu erwarten. „Die Politik war vor 30 Jahren bereit, in KI zu investieren“, lobt sie mit Blick auf die Einrichtung des DFKI. Deswegen sei Deutschland „vorne dabei“ in Forschung und Entwicklung. „Viele Firmen haben KI-Know-how, das ist ein riesiger Wettbewerbsvorteil.“

Verbesserungsbedarf sieht sie dennoch – vor allem beim Wissenstransfer. „Wenn es darum geht, Produkte in den virtuellen Markt zu bringen, sind die Amerikaner besser als wir.“ In der realen Welt, zum Beispiel im Maschinenbau, seien Deutschland und Europa aber vorne dabei – mit Anwendungen, die Tausende von Arbeitsplätzen sichern. Das geschehe aber „unbemerkt von der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel im Navi des Autos“, wie Koehler bedauert. Ihr Wunsch: „Es wäre schön, wenn die Deutschen etwas entspannter wären und die Dinge weniger negativ sähen.“

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