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Köpfe der künstlichen Intelligenz (3) Michael Müller-Wünsch macht Otto fit für den Kampf mit Amazon

Der Manager treibt die technologische Umwälzung des einstigen Versandhändlers voran. Das Thema künstliche Intelligenz beschäftigt ihn seit Langem.
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Der Manager ist seit 2015 Bereichsvorstand Technologie beim Onlinehändler Otto.de.
Michael Müller-Wünsch

Der Manager ist seit 2015 Bereichsvorstand Technologie beim Onlinehändler Otto.de.

HamburgSein Vorstandsbüro hat Michael Müller-Wünsch auf Teamarbeit getrimmt: ein großer Konferenztisch, eine ganze Längswand mit Filzschreiber beschreibbar und neben der Tür ein riesiges, fahrbares Display. Der Raum auf dem Otto-Campus in Hamburg ist klar ersichtlich die Wirkungsstätte eines Technikers.

MüWü, wie Müller-Wünsch intern genannt wird, treibt die technologische Umwälzung des einstigen Versandhändlers voran – als einer der führenden Köpfe der künstlichen Intelligenz in Deutschland.

Der Versender Otto.de steht vor keiner leichten Aufgabe: Er muss gegen Weltkonzerne wie Amazon bestehen. Künstliche Intelligenz soll helfen, diese Aufgabe zu bewältigen.

Die Softwareteams in Hamburg entwickeln beispielsweise Programme, die eigenständig Bildinhalte erkennen und daraus Beschreibungen für den Onlineshop ableiten: Welche Farbe hat ein Kleidungsstück, ist es ein Kleid oder eine Bluse, zeigt das Foto die Vorder- oder die Rückseite?

„Die Technologie kann hier den Kollegen Mensch unterstützen, damit er mit höherer Qualität und weniger Fehlern schneller arbeiten kann“, sagt Müller-Wünsch. Er selbst programmiert nicht mit – nutzt aber dennoch seine Kenntnis als Informatiker. „Ich weiß, wie ein neuronales Netz programmiert werden kann“, sagt der 56-Jährige.

Neulich etwa habe er zwei Projektteams zur Bilderkennung, die an verschiedenen Fragen arbeiten, zusammenfassen können – weil beide dieselbe technische Grundlage nutzen können. Seine Rolle beim Umbau der gesamten IT-Infrastruktur von Otto würdigte die Jury des Fachpreises „CIO des Jahres“ vergangenes Jahr mit dem Sonderpreis „Innovation Award“.

„MüWü ist einer der Vorreiter beim praktischen Einsatz von KI im alltäglichen Business. KI hat bei Otto das Labor verlassen und wird schon in der Praxis eingesetzt. Das stellt für ihn auch nicht allzu große Probleme dar, denn für ihn ist KI keine unerklärliche Raketenwissenschaft“, sagt Rolf Röwekamp, stellvertretender Chefredakteur des Magazins „CIO“.

Projekt mit Roland Berger

Müller-Wünsch hat sich mit dem Thema künstliche Intelligenz schon beschäftigt, als es noch kein großes Schlagwort war: in seinem Studium Anfang der 1980er-Jahre. Auf einen Informatik-Abschluss setzte er noch ein BWL-Studium auf, entwickelte als Doktorarbeit ein Projekt mit der Unternehmensberatung Roland Berger. Das Expertenwissen der Berater sollte per künstlicher Intelligenz künftig aus dem Laptop kommen – als Stütze für den Nachwuchs.

„Es war spannend für mich, mit Anfang 20 das Strategiewissen von gestandenen Roland-Berger-Leuten in KI-Systeme zu programmieren. Aber es wurde schnell klar, dass die Technik noch an ihre Grenzen stieß“, erinnert sich Müller-Wünsch. Er sah sich damals als Teil einer globalen KI-Community. „Es gab unter uns den sportlichen Wettbewerb, die coolsten Storys zu schreiben.“

Nach 15 Jahren an der Universität wechselte der Informatiker in die Wirtschaft. Nach Stationen unter anderem beim Logistiker TNT vereinheitlichte er als IT-Chef die Software-Umgebungen beim Großhändler Lekkerland, ließ sich dann von Otto-Chef Alexander Birken abwerben. „Hier habe ich einen Ort erreicht, an dem ich mein Erfahrungswissen optimal einsetzen kann“, sagt er.

Trotzdem ist es dem Manager wichtig, sich nicht als reiner Technik-Mensch zu sehen. Eigentlich habe er Sportmediziner werden wollen, erzählt er. In seiner Jugend sei er weder Computerspieler noch leidenschaftlicher Programmierer gewesen, sondern Sportler: Fußball und Tennis auf Leistungsniveau.

Eine Berufsberatung brachte den Schüler damals zur Informatik – und die Tatsache, dass er für den Vater, einen Textil-Einzelhändler, bereits ein Miniprogramm für den Tagesabschluss auf einem Texas-Instruments-Rechner programmiert hatte. Bei Otto schließt sich also ein Kreis zurück zum Einzelhandel.

Künstliche Intelligenz zählt zu den zentralen Zukunftsthemen: In einer Serie stellen wir die Vordenker dieser technologischen Revolution vor.

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