Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Köpfe der künstlichen Intelligenz (4) Investor Fabian Westerheide fordert mehr Tempo bei der KI-Initiative

Der Investor ist einer der bekanntesten Köpfe der deutschen Tech-Szene. Mit der Politik der Bundesregierung geht er hart ins Gericht.
Kommentieren
Privat liest er Science-Fiction, beruflich investiert er in künstliche Intelligenz. Quelle: picture alliance / Jan Haas
Fabian Westerheide

Privat liest er Science-Fiction, beruflich investiert er in künstliche Intelligenz.

(Foto: picture alliance / Jan Haas)

DüsseldorfWenn es um Politik geht, redet Fabian Westerheide noch schneller als sonst. „Ich finde gut, dass sich die Bundesregierung mit künstlicher Intelligenz beschäftigt und das Thema auf der Agenda ist“, sagt er, noch in normalem Tempo. Dann legt er los. Die Initiative: „fünf Jahre zu spät“. Die Prozesse: „viel zu langsam und bürokratisch“. Das Budget: „viel zu klein“.

„Wir haben das Geld, aber wir stecken es lieber in die Rente statt in die Zukunft“, sagt der Investor. „Unser Staat verwaltet den Status quo.“ Und wenn sich das nicht ändere, werde Europa bald zu einem „Freilichtmuseum für Amerikaner und Chinesen“.

Die harte Kritik kommt von berufener Stelle: Westerheide, 31, ist einer der bekanntesten Köpfe in der deutschen Szene. Er investiert mit seinem Fonds Asgard Capital in Start-ups, die künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Er organisiert die Fachkonferenz „Rise of AI“, bei der sich jedes Jahr Hunderte KI-Experten treffen.

Mit seiner Kritik am Standort Deutschland hält er sich nicht zurück. An klugen Köpfen mangelt es in Deutschland und Europa nicht, meint Westerheide, aber an Kapital. Das sei jedoch entscheidend, um konkurrenzfähige Firmen aufzubauen: „Künstliche Intelligenz ist teurer als E-Commerce.“

Die Forschung an der Technologie sei aufwendig, die Entwicklung eines Prototyps langwierig. So manch gute Idee, für die Gründer in den USA oder China Millionensummen erhalten, scheitere deswegen.

Dabei geht es um viel. „Die Welt wird von denen erobert, die die besten künstlichen Intelligenzen machen“, ist Westerheide überzeugt. Ob IT, Handel oder Industrie: Keine Branche wird ohne die Zukunftstechnologie auskommen. An diesem Notstand will er selbst etwas ändern. Mit seiner Firma hat er den „Asgard Singularity Fund“ aufgelegt, der in europäische Start-ups investiert, bei denen KI im Mittelpunkt steht.

Bisher haben Westerheide und seine Familie einen einstelligen Millionenbetrag investiert. Sein Vater, Dirk Westerheide, Unternehmer und Präsident des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie, beteiligt sich ebenso wie seine Mutter und seine Schwester. Nun öffnet er den Fonds für andere Investoren. Bis zu 100 Millionen Euro will er einsammeln.

Gegengewicht zu den USA

Er hofft einerseits auf wirtschaftlichen Erfolg. Im Vergleich zu den USA seien viele Start-ups in Europa niedrig bewertet, der Einstieg lohne sich: „Man kann hier eine sehr gute Rendite erwirtschaften.“ Andererseits verspricht er gesellschaftlichen Nutzen. Jedes erfolgreiche Start-up helfe, hier einen Digitalmarkt aufzubauen – und damit ein Gegengewicht zu China und den USA.

Das Geschäft lernte Westerheide bei Point Nine Capital, einem großen Risikokapitalgeber in Deutschland. Als Mitglied des Gründungsteams half der BWLer, die Marke aufzubauen, und begleitete zahlreiche Investments. „Ich habe mir in der Zeit 3000 bis 4000 Teams angeguckt“, sagt er. Eine gute Schule, um Unternehmen zu beurteilen.

Künstliche Intelligenz fasziniert Westerheide schon lange, so liest und schaut er schon seit Jugendtagen Sciencefiction-Geschichten. Sein Unternehmen hat er daher nach einem außerirdischen Volk in der Serie „Stargate“ benannt: Die Asgard sind technologisch hoch entwickelt.

2015 stellte er fest, dass es die großen Fortschritte in der Forschung erlaubten, privates und berufliches Interesse zu kombinieren. Zuvor hatte Google das Start-up Deepmind für rund 500 Millionen Dollar übernommen, das aufs maschinelle Lernen spezialisiert ist. „Da wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war.“

Damit auch die deutsche Gründerszene auf den richtigen Weg kommt, fordert Westerheide vor allem mehr Kapital. Das müsse der Staat nicht selbst aufbringen: „Die Bundesregierung kann Anreize schaffen.“ Etwa, indem sie Pensionskassen und Versicherungen ermöglicht, einen Teil des Kapitals in Start-ups zu investieren. „Geld ist der Hebel.“

Künstliche Intelligenz zählt zu den zentralen Zukunftsthemen: In einer Serie stellen wir die Vordenker dieser technologischen Revolution vor.

Startseite

Mehr zu: Köpfe der künstlichen Intelligenz (4) - Investor Fabian Westerheide fordert mehr Tempo bei der KI-Initiative

0 Kommentare zu "Köpfe der künstlichen Intelligenz (4): Investor Fabian Westerheide fordert mehr Tempo bei der KI-Initiative"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%