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Köpfe der künstlichen Intelligenz (7) Max-Planck-Forscher Schölkopf macht Amazons Algorithmen intelligent

Beim maschinellen Lernen war Deutschland lange rückständig. Jetzt feilt der Leibniz-Preisträger in Tübingen an Algorithmen für Amazon.
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Er ist einer der 100 Wissenschaftler, die Amazon derzeit unter dem Namen „Amazon Scholar“ einstellt. Quelle: Nils Bröer für Handelsblatt
Bernhard Schölkopf

Er ist einer der 100 Wissenschaftler, die Amazon derzeit unter dem Namen „Amazon Scholar“ einstellt.

(Foto: Nils Bröer für Handelsblatt)

DüsseldorfAuch diesmal ist Bernhard Schölkopf zurückgekommen. Vier Monate hat der promovierte Informatiker in Seattle verbracht, am Hauptsitz von Amazon. „Um die Firma richtig kennen zu lernen“, wie er sagt. Denn seit einiger Zeit arbeitet Schölkopf neben seiner Tätigkeit als Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Tübingen für den amerikanischen Online-Versandhändler.

Im Frühjahr erhielt Schölkopf, 50, für seine Forschung zum maschinellen Lernen den Leibniz-Preis, die angesehenste Auszeichnung für Wissenschaftler. Er gilt als Pionier dieser Disziplin der künstlichen Intelligenz. Das macht ihn auch für Amazon so interessant. Der amerikanische Konzern baut ein Forschungszentrum in Tübingen auf.

100 Wissenschaftler will Amazon in den nächsten Jahren einstellen. Schölkopf ist einer der ersten, darf sich nun „Amazon Scholar“ nennen. Einen Tag pro Woche feilt er künftig an den Algorithmen für Amazons Suchmaschinen.

Sein Aufenthalt in den USA war nicht die erste Versuchung dieser Art. „Bernhard, I like that you study math and philosophy“: Diese Worte leiteten Schölkopfs Karriere ein. Er las sie in einem Brief, den sein späterer Doktorvater verfasst hatte. Fortan pendelte Schölkopf zwischen Deutschland und New Jersey.

Dort forschte er mit hochkarätigen Kollegen wie Jan Koum, dem späteren Gründer des Messenger-Dienstes WhatsApp. Vergessen die Zeiten, als Bewerbungen des Studenten Schölkopf abgelehnt wurden mit der Begründung, er arbeite zu theoretisch.

Die Max-Planck-Gesellschaft überzeugte den Schwaben 2001 zur Rückkehr. Weil sie es schaffe, Forscher von Rang und Namen anzulocken, sagt Schölkopf. „Deutsche Universitäten tun sich damit schwer, allein schon aufgrund der hohen Lehrverpflichtungen“, sagt Schölkopf, der als Honorarprofessor nur gelegentlich unterrichtet.

In seinem Büro im vierten Stock des viergeschossigen Institutsneubaus mit Blick über die Schwäbische Alb dominiert nicht Tech, sondern Tafel und weiße Kreide. Dort brütet er mit Doktoranden und Mitarbeitern seiner Forschungsgruppe „Empirische Inferenz“ über mathematischen Formeln, oft stundenlang. Gemeinsam entwickeln sie Lernverfahren, um Strukturen und Gesetzmäßigkeiten in großen Datenmengen zu erkennen. Ihr Ziel: Algorithmen schreiben, mit deren Hilfe Computer flexibel auf neue Situationen reagieren können.

Zum Beispiel auf der Straße. Als Schölkopf 2011 das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme gründete, ließ das neben Amazon auch die Autoindustrie hellhörig werden. Mittlerweile finanziert die Hautevolee der hiesigen Konzerne und Zulieferer von BMW bis ZF Friedrichshafen Grundlagenforschung zum autonomen Fahren. Statt an eine amerikanische Elite-Universität abzuwandern, hat Schölkopf in Tübingen den Weg bereitet, kluge KI-Köpfe und Investoren aus aller Welt anziehen – mit dem Ziel, aus Forschern Gründer und Unternehmer zu machen.

Aus den USA, London und Zürich kannte Schölkopf solche „Ökosysteme“, darum beschloss er mit Kollegen: „So was brauchen wir hier auch.“ Ein eingängiger Name war schnell gefunden: Cyber Valley – in Anlehnung an das Vorbild von der US-Westküste.

Doch nicht alle Investoren sind willkommen. Im Frühjahr erfuhr Schölkopf, dass sich eine koreanische Universität mit einem Waffenhersteller einlassen wollte. Empört half er einem australischen Kollegen, einen offenen Brief zu verfassen. Ihre koreanischen Kollegen gaben klein bei.

Killerroboter hat er bereits vor Jahren geächtet, fordert mit anderen Spitzenforschern ein Europäisches Zentrum für Intelligente Systeme, schreibt Gastbeiträge. „Früher habe ich mich auf die Wissenschaft konzentriert“, sagt Schölkopf. „Wenn mir heute etwas am Herzen liegt, dann sage ich es.“

Künstliche Intelligenz zählt zu den zentralen Zukunftsthemen: In einer Serie stellen wir die Vordenker dieser technologischen Revolution vor.

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