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Künstliche Intelligenz Arbeitgeber mahnen, keine Angst vor Algorithmen zu haben

Die Arbeitgeber fordern, Roboter als nützliche Helfer zu sehen. Bei den Gewerkschaften läuten hingegen die Alarmglocken.
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Am 28. Juni will der Bundestag eine Enquetekommission „Künstliche Intelligenz“ einsetzen. Quelle: dpa
Roboter

Am 28. Juni will der Bundestag eine Enquetekommission „Künstliche Intelligenz“ einsetzen.

(Foto: dpa)

BerlinDer Onlinehändler Amazon nutzt künstliche Intelligenz (KI) zur Prognose der Kundennachfrage und stellt Lagerkapazität und Transportlogistik darauf ein. Computer können Hautkrebs zuverlässiger diagnostizieren als Dermatologen. Anwälte lassen durch Algorithmen Dokumente recherchieren und Verträge prüfen.

Künstliche Intelligenz ist längst im Arbeitsalltag angekommen – und wird dort künftig eine noch viel wichtigere Rolle spielen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht darin eine große Chance: „Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz bieten enorme Chancen sowohl für die Unternehmen als auch für die Beschäftigten in Deutschland“, heißt es dazu in einem Positionspapier des Verbands, das dem Handelsblatt vorliegt.

Intelligente Assistenzsysteme könnten künftig Routinetätigkeiten und regelbasierte Aufgaben übernehmen und so den Beschäftigten mehr Raum für kreative, soziale und dienstleistende Tätigkeiten geben. Geringqualifizierten oder Älteren bieten sich neue Beschäftigungsperspektiven, wenn Datenbrillen ihnen die Arbeitsschritte vorgeben oder Roboter sie bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten entlasten.

KI kann aus Sicht der Arbeitgeber die Personalrekrutierung erleichtern, indem Algorithmen in kürzester Zeit große Mengen von Bewerbungen scannen und die Personaler unterstützen. Je mehr Daten die Unternehmen oder die Bundesagentur für Arbeit (BA) über die Beschäftigten haben, desto besser können sie diese bei der Weiterbildung oder beim lebenslangen Lernen unterstützen, heißt es in dem Papier.

Digitale Grundbildung in der Schule

Die BDA fordert digitale Grundbildung mit Informatik als Wahlfach an allen Schulen und mehr Anstrengungen gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel in naturwissenschaftlich-technischen Berufen. Wichtig sei aber vor allem eine Offenheit für neue Technologien, wenn Deutschland künftig mit China oder den USA mithalten wolle.

In der digitalen Welt sei die Erhebung und Verarbeitung großer Datenmengen Grundvoraussetzung für den Erfolg der Unternehmen und die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Es gelte, die Persönlichkeitsrechte von Beschäftigten zu wahren, ohne den Unternehmen die Datenerhebung durch Regulierung unnötig zu erschweren. Intelligente Assistenzsysteme etwa funktionierten nur, wenn die einzelnen Arbeitsschritte eines Beschäftigten genau erfasst würden.

Sätze wie diese lassen bei den Gewerkschaften die Alarmglocken klingeln. Denn natürlich lassen sich etwa Scanner, mit denen Amazon seine Mitarbeiter durch die Regalreihen dirigiert, auch zur Leistungskontrolle nutzen. Wird der Arbeitnehmer zum „gläsernen Beschäftigten“, wenn die Arbeitgeber künftig Datenbanken über die Belegschaft anlegen, um individuelle Talente und Entwicklungspotenziale erkennen zu können? Und gibt KI Beschäftigten wirklich mehr Zeit für kreative Tätigkeiten und Kundenkontakt, oder ist sie einfach nur ein großes Rationalisierungsinstrument?

Krebsforschung und Drohnentechnik – Das sind die neusten KI-Trends

„Durch die künstliche Intelligenz bekommen wir viel Zeit geschenkt, weil wir uns nicht mehr in Routinetätigkeiten aufreiben“, sagt Jutta Rump, Direktorin des Ludwigshafener Instituts für Beschäftigung und Employability. Wie die BDA ist sie überzeugt, dass Tätigkeiten verschwinden, aber dafür auch neue entstehen. „Das Problem ist nur, dass das wahrscheinlich nicht zeitgleich passieren wird“, sagt die Professorin.

Zentral sei die Qualifizierung, die sehr individuell auf den einzelnen Beschäftigten zugeschnitten werden müsse. Rump warnt zudem davor, Beschäftigten Routinetätigkeiten ganz abzunehmen, weil man auch nicht acht Stunden lang nur kreativ sein könne.

Chancen und Risiken der KI in der Arbeitswelt treiben auch die Politik um. Am 28. Juni will der Bundestag eine Enquetekommission „Künstliche Intelligenz“ einsetzen. Sie soll fraktionsübergreifend über das Thema beraten. KI entwickle sich rasant, sagt die Sprecherin für Arbeit und Soziales der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Tack. „Diesen Prozess wollen wir frühzeitig politisch begleiten und steuern. Dabei geht es natürlich auch um Arbeitnehmerschutz.“

Denn beim Einsatz von KI stelle sich immer die Frage: „Welche Entscheidung überlassen wir Algorithmen und autonomen Systemen – und wo ist die Entscheidungshoheit und Mitbestimmung jedes Einzelnen gefährdet?“, betont Tack.

Hoffen auf den Masterplan

Die Arbeitgeber warnen vor einer Angstdebatte: „Man muss den digitalen Wandel in Deutschland mit Mut zu Neuem gestalten. Wir brauchen für KI eine Ordnungspolitik der Chancen und keine endlosen Beschwörungen von Risiken und Gefahren“, sagt BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter.

Im Grundsatz sehen die Arbeitgeber Deutschland schon auf einem guten Weg. Der im Koalitionsvertrag vereinbarte Aufbau eines Nationalen Forschungskonsortiums für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sowie die geplante Einrichtung eines deutsch-französischen KI-Zentrums seien richtige Schritte.

Diese müssten aber im für Herbst angekündigten Masterplan konkretisiert und in eine nationale Gesamtstrategie eingebettet werden. Auch sei eine enge Kooperation auf EU-Ebene erforderlich, weil die europäischen Länder nur gemeinsam gegen China oder die USA bestehen könnten.

Der Politik das Feld überlassen wollen die Sozialpartner nicht: „In einer immer komplexer werdenden Wirtschafts- und Arbeitswelt bieten pauschale gesetzliche Regelungen keine erfolgreichen Lösungen“, heißt es in dem BDA-Papier. Mit Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen lasse sich flexibel auf künftige digitale Entwicklungen reagieren.

Das Problem ist nur, dass sich KI-Vorreiter wie Amazon bisher erfolgreich gegen Tarifverträge sperren.

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  • Die Automation/Mechanisierung ist mehr als 500 Jahre alt. Damals versuchten in Nordfrankreich die Textilarbeiter die mechanischen Webstuehle zu zerstoeren indem sie
    ihre Holzpantinen (sabots) in die Maschinen steckten - Sabotage. Seither ist immer mehr
    automatisiert worden - die Datenverarbeitung war ein enormer Schritt. Und seitdem ist
    die Zahl der Beschaeftigten stets gestiegen. Das sollten die Gewerkschaften eigentlich
    wissen.