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Künstliche Intelligenz beim Banken-Gipfel Wenn der Mensch den Roboter schlägt

Intelligente Algorithmen krempeln die Finanzwelt um. Doch die Veränderungen sind für die Kunden meist noch unsichtbar. Es geht auch um Ethik.
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Joanne Hannaford: Banker müssen programmieren können, glaubt die Goldman-Sachs-Technologie-Chefin. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Banken-Gipfel 2018

Joanne Hannaford: Banker müssen programmieren können, glaubt die Goldman-Sachs-Technologie-Chefin.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt„Künstliche Intelligenz? Die nutzt eigentlich noch niemand.“ Joanne Hannaford spricht Klartext. Die Technologie-Chefin von Goldman Sachs zieht als Veteranin des Wandels eine nüchterne Grenze zwischen Vision und Wirklichkeit beim Einsatz von Algorithmen in der Finanzindustrie.

Seit über 25 Jahren ist sie in der Branche. „Bei meiner ersten Bank musste ein Händler drei Formulare ausfüllen: ein pinkfarbenes für den Vorgang, ein gelbes für die IT und ein weißes für die Buchhaltung. Das Erste, was ich gemacht habe, war, das zu digitalisieren“, erzählt die Programmiererin. Seither habe sich die Entwicklung rasant beschleunigt. Ohne Menschen gehe es aber immer noch nicht.

„Algorithmen können Empfehlungen aussprechen, etwa in der Geldanlage. Aber die Entscheidung muss immer noch ein Mensch treffen“, sagt Hannaford. „Das ist auch eine ethische Frage.“ Statt von künstlicher Intelligenz (KI), unter der sie selbstbestimmt handelnde Systeme versteht, spricht sie lieber von maschinellem Lernen, also Software, die sich automatisch verbessert, und der Analyse von Big Data, also von großen Datenmengen.

Die neuen Techniken helfen Goldman, die komplexen Weltmärkte zu analysieren und zum Beispiel Arbitragegewinne zu heben. Zum Start des neuen Privatkundengeschäfts in Großbritannien wurden auch Kunden befragt: „Die möchten lieber mit Menschen als mit Chatbots sprechen, deshalb haben wir auch Call-Center.“

„Echte“ künstliche Intelligenz, die den Menschen ersetzen könnte, ist auch aus Sicht von Damian Borth noch Zukunftsmusik. Der Forscher tritt im September eine KI-Professur an der Uni St. Gallen an. Aktuell könnten die Systeme nur sehr eng gefasste Aufgabenstellungen lösen, sagt er.

Die Finanzbranche erhofft sich davon etwa eine effizientere interne Verwaltung. Für Kerem Tomak, der Big Data und Advanced Analytics bei der Commerzbank verantwortet, sind KI-Systeme schon heute eine große Hilfe bei der Betrugsprävention und im Kundenkontakt. So hat die Commerzbank 2017 mit Algorithmen betrügerische Zahlungen über mehr als 100 Millionen Euro gestoppt.

„Mit intelligenter Datenanalyse können wir herausfinden, welchen Service unsere Kunden wirklich brauchen, und diesen gezielt anbieten“, erläutert der Manager. Auch neue Produkte würden mit KI entwickelt, etwa datenbasierte Kredite, die beispielsweise die Tilgungshöhe flexibel an die tatsächliche Auslastung einer mit dem Darlehen finanzierten Maschine anpassen.

Mit einer regelrechten Revolution durch KI rechnet Tomak jedoch nicht. „Die Technologie in der Bank umzusetzen braucht Geduld, wir schauen uns nach und nach weitere Teile unserer Prozesse an.“ KI-Pionierin Hannaford von Goldman Sachs ist überzeugt, dass schon bald jeder Banker Grundkenntnisse im Programmieren braucht.

Tomak sieht zudem den Bedarf an bankeigenen Datenanalysten, doch die Geldhäuser müssten nicht alles selbst machen. „Die Technologie können sie wie andere Softwaresysteme bei Dienstleistern einkaufen.“

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