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Künstliche Intelligenz Digitale Alchemie – Wie lernende Maschinen den Menschen überflügeln

Maschinen eignen sich Jahrtausende menschlichen Wissens selbstständig in wenigen Tagen an. Selbst Experten ist nicht immer völlig klar, wie das geht.
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Im Wettkampf mit dem weltbesten Go-Spieler Lee Sedol behielt die selbstlernende Google-Software AlphaGo klar die Oberhand. Quelle: AP
Maschine besiegt Mensch

Im Wettkampf mit dem weltbesten Go-Spieler Lee Sedol behielt die selbstlernende Google-Software AlphaGo klar die Oberhand.

(Foto: AP)

BerlinDas asiatische Brettspiel Go ist 2500 Jahre alt und komplizierter als Schach. Einige Menschen widmen ihr ganzes Leben dem Versuch, es zu meistern. Künstliche Intelligenz (KI) dagegen braucht inzwischen nicht mal eine Woche, um Go praktisch perfekt zu spielen – selbst wenn sie von Null anfängt.

Im vergangenen Jahr wurden dem Programm AlphaGo Zero nur die Regeln von Go erklärt, dann spielte es zufällig darauf los und lernte aus Erfahrung. Nach drei Tagen besiegte es die Vorgängervariante AlphaGo Lee in 100 zu 0 Spielen – die Version, die ihrerseits den weltbesten Go-Meister Lee Sedol medienwirksam geschlagen hatte.

AlphaGo Zero wurde von der Firma DeepMind mit Sitz in London entwickelt und ist ein „Deep Neural Network“ – ein dem Nervensystem nachempfundenes Netzwerk, das durch Rückkopplung immer besser wird. In diesem Fall waren es 4,9 Millionen Partien, die das Programm gegen sich selbst spielte.

„AlphaGo Zero wird sein eigener Lehrer“, schrieben die Forscher im Oktober im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Sie stellten diesen Lernweg älteren Systemen gegenüber, die unter der Aufsicht eines menschlichen Experten lernen und dabei von menschlichem Fachwissen ausgehen, wie es etwa in Go-Büchern steht.

„Schach aus einer anderen Dimension“

Diverse KI-Verfahren können dazu führen, dass die Maschinen über den Wissensstand des Menschen hinauswachsen – und zwar schnell. Auch das sieht man bei den Brettspiel-Programmen. Bei einer der Partien gegen Lee 2016 machte AlphaGo den inzwischen berühmten 37. Zug, der Experten zuerst verwunderte, dann begeisterte. Der europäische Go-Meister Fan Hui, der gegen eine noch frühere Version von AlphaGo verloren hatte, nannte ihn wunderschön. Allerdings: „Es ist kein Zug eines Menschen“, sagte er dem Technik-Magazin "Wired".

Der Chef von DeepMind, Demis Hassabis, selbst Schachspieler, spricht von ähnlichen Erfahrungen beim Spiel der Könige. Eine Schach-Variante von AlphaGo habe wertvolle Figuren wie Läufer und selbst die Dame geopfert, um eine bessere und am Ende siegreiche Stellung zu erreichen: „Es ist wie Schach aus einer anderen Dimension.“

Hassabis gehört zu den Experten, die Emmanuel Macron im März zu einem KI-Gipfel nach Paris einlud. Dem französischen Präsidenten dürfte es nicht um eine Führungsposition seines Landes bei Brettspielen gehen. Weltweit besteht die Hoffnung, dass maschinelles Lernen sich mit ähnlich spektakulären Ergebnissen auf andere Bereiche wie Bild- und Stimmerkennung übertragen lässt.

Krebsforschung und Drohnentechnik – Das sind die neusten KI-Trends

Wie realistisch das ist, zeigen die Meldungen der vergangenen Wochen. Eine Forschergruppe aus Heidelberg berichtete im Mai von einer Variante eines neuralen Netzwerks, die im Schnitt Hautkrebs besser erkennt als Ärzte. Ihr Bericht im Fachblatt „Annals of Oncology“ steht unter dem Titel „Man against machine“ – Mensch gegen Maschine.

Computerprogramme können endlos laufen

Die Vorteile der Maschinen in diesem Wettstreit gehen über ihre Lerngeschwindigkeit hinaus. Menschliche Experten gehen irgendwann in Rente, womit ihr Fachwissen verschwindet. Das Hautkrebsprogramm könnte dagegen theoretisch endlos laufen. Zudem gibt es bei der Qualität eines KI-Systems idealerweise kein Zurück mehr: AlphaGo wird nie schlechter Go spielen als jetzt, während junge menschliche Experten nicht zwangsläufig besser sind als die alten, die sie ablösen.

Mehr noch: Expertensysteme können je nach Aufbau ihr Wissen eins-zu-eins miteinander teilen. So werden die Erfahrungen, die mit einem selbstfahrenden Auto gewonnen werden, beim nächsten Software-Update an alle anderen dieses Modells weitergereicht.

Die neue Technologie bleibt jedoch nicht ohne Kritiker. Selbst den Experten ist etwa nicht immer klar, wie genau die Systeme an ihre Ergebnisse gelangen. Der KI-Forscher Ali Rahimi von Google sorgte im Dezember für Unruhe unter seinen Kollegen, als er maschinelles Lernen mit der Alchemie verglich.

Das sei zwar grundsätzlich in Ordnung, sagte er: Schließlich hätten die Alchemisten Verfahren zur Arzneimittelherstellung, Textilfärbung und Glasherstellung entdeckt. Aber heute gehe es um Systeme, die unsere Gesundheitsversorgung und unsere Teilnahme an öffentlichen Debatten regelten. „Ich will in einer Welt leben, deren Systeme auf rigorosem, verlässlichem, überprüfbarem Wissen basieren und nicht auf Alchemie“, so Rahimi.

Andere KI-Experten reagieren erbost auf solche Kritik. Rahimis Kollege Yann LeCun von Facebook etwa nannte die Darstellung eine Beleidigung und schlicht falsch. In der Geschichte der Wissenschaft seien „Artefakte des Maschinenbaus“ fast immer vor den theoretischen Einsichten gekommen: „Das ist keine Alchemie, das ist Ingenieurswesen.“

Tech-Titanen streiten um die Künstliche Intelligenz
Elon Musk
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Zuletzt hatte der SpaceX- und Tesla-Chef die Diskussion wieder angefacht. Ungewohnt für das so gern auf Selbstregulierung pochende Silicon Valley forderte Musk bei der Künstlichen Intelligenz Eingriffe durch den Gesetzgeber.

Einer der nachdrücklichsten Mahner
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Musk findet deutliche Worte: „Künstliche Intelligenz stellt ein grundlegendes Risiko für die Existenz der menschlichen Zivilisation dar, auf eine Weise wie es Autounfälle, Flugzeugabstürze, schadhafte Drogen oder schlechtes Essen nie waren“. Damit machte er sich nicht nur Freunde im Silicon Valley.

Mark Zuckerberg
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Der Facebook-Gründer gilt vielen als Grundoptimist – nicht nur in Bezug auf die Vorzüge seiner eigenen Plattform, sondern auch bei der Künstlichen Intelligenz. Die will er auch für Facebook nutzen, zum Beispiel zur Identifikation von Hasskommentaren. Er warf den Kritikern wie Musk vor, es sei von Schwarzmalern unverantwortlich, Schreckensszenarien zu entwerfen. „Ich bin wirklich optimistisch“, hielt er dagegen.

Der Streit
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Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Sein Verständnis des Themas ist begrenzt“, schrieb Musk über Zuckerberg auf Twitter. Dabei ist er mit seinen Bedenken längst nicht allein unter den sonst so Technologie-Begeisterten Vertretern aus Kalifornien.

Peter Thiel
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Musk rief zusammen mit anderen Tech-Größen 2015 „Open AI“ ins Leben – ein mit einer Milliarde Dollar ausgerüstetes Forschungsprojekt, das die Risiken und Nebenwirkungen der Künstlichen Intelligenz erforschen und für eine positive Entwicklung sorgen soll. Zu den Geldgebern gehört auch Trump-Berater und Tech-Milliardär Peter Thiel.

Reid Hoffman
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Auch der Mitgründer des Karrierenetzwerks LinkedIn gehört zu den Unterstützern von „Open AI“.

Ray Kurzweil
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Es gibt allerdings auch Optimisten. Ray Kurzweil etwa, Forscher in Diensten von Google, hofft auf die Singularität – also darauf, dass Maschinen die Menschen übertreffen und sich selbst optimieren können. Dank rasanter technischer Fortschritte könne es in zehn bis 15 Jahren so weit sein.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Künstliche Intelligenz: Digitale Alchemie – Wie lernende Maschinen den Menschen überflügeln"

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  • Was treibt denn die Menschen dazu Wesensformen zu erschaffen, die in anderen „Dimensionen“ wirken und existent werden, die uns als Menschen nie zugänglich sind. Es formt sich die nächste Evolutionsstufe in exponentiellem, explosionsartigem Tempo. Wie können wir glauben, diese Entwicklung ließe sich je von den Menschen kontrollieren.

    Das globale Netzwerk an sich ist auch ein neuronales Konstrukt mit Prozessoren und Speichern, das heute an einem Tag um jenen Wert wächst, wie vor 18 Jahren in einem Jahr. KI in diesem Netzwerk ist eines Tages so leicht zu kontrollieren, wie ausgeströmtes Gas in unserer Atmosphäre. Menschen sind noch irgendwie beseelt, bei KI kann ich mir das nicht vorstellen.

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