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Mobilität in der Großstadt Vorfahrt für Fahrräder: Metropolen setzen in der Coronakrise auf neue Verkehrskonzepte

Wie können die Menschen an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, ohne sich in Bus und Bahnen anzustecken? Viele Städte wollen den Umstieg auf das Fahrrad erleichtern.
22.04.2020 - 15:58 Uhr Kommentieren
In der Coronakrise sind viele neue Radwege entstanden. Quelle: dpa
Radwege

In der Coronakrise sind viele neue Radwege entstanden.

(Foto: dpa)

Brüssel, Paris, Berlin Im Schritttempo schieben sich die Autoschlangen am Morgen stadteinwärts, und am Abend wieder hinaus: Tagein, tagaus geht das in normalen Zeiten so in Brüssel, der Verkehr in der belgischen Hauptstadt ist berüchtigt. Viele der 1,1 Millionen Einwohner und die meisten Pendler aus dem Umland nutzen den eigenen PKW für den Arbeitsweg, viele bekommen von ihren Arbeitgebern Dienstwagen mitsamt Tankkarte gestellt, aus steuerlichen Gründen.

Seit die belgischen Behörden in der Coronakrise weitgehende Ausgangsbeschränkungen erlassen haben, sind die Straßen hingegen wie leergefegt. Anfang Mai soll das Leben wieder ein Stück weit normalisiert werden, aber zum gewohnten Verkehrschaos wollen die Verantwortlichen möglichst nicht zurück.

Bürgermeister Philippe Close hat angekündigt, mit der Lockerung solle das Zentrum der Stadt weitgehend Fahrradfahrern und Fußgängern vorbehalten werden: Sie dürften dann nicht mehr nur Bürgersteige und Fahrradwege nutzen, sondern auch die Straßen. Autos dürften dann bis auf weiteres innerhalb des Innenstadtringes nicht schneller als 20 km/h fahren, ebenso Busse und Trams.

Die Maßnahmen sollten es den Menschen ermöglichen, auf dem Weg zur Arbeit und zum Einkaufen den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter zueinander einzuhalten, und zugleich den Verkehr beruhigen, so Close. „Unsere Botschaft ist klar: Fußgänger und Fahrradfahrer haben Vorfahrt“, sagte der Sozialist. In den vergangenen Wochen hätten viele Bürger das Fahrrad und das Spazierengehen entdeckt. Für diese wolle man nun sichere Bedingungen schaffen.

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    Verkehr unter Pandemiebedingungen

    Viele Metropolen in Europa suchen derzeit nach Wegen, wie sie die Rückkehr der Menschen an ihre Arbeitsplätze unter Pandemiebedingungen ermöglichen können. Der öffentliche Nahverkehr kann nicht wie sonst einen Großteil der Last schultern – das übliche Gedränge in Bussen und Bahnen wäre für die Ausbreitung des Virus ideal.

    Viele Bürger könnten daher aus Sicherheitsgründen auf ihr Auto umsteigen. Aber das würde wohl zu noch mehr Staus führen, denn viele Großstädte sind ohnehin schon verstopft. Die Stadtplaner setzen daher verstärkt auf das Fahrrad. Mehrere Berliner Bezirke schaffen derzeit in Rekordzeit neue Radspuren, um Menschen zum Fahrradfahren zu bewegen. Auch Paris erwägt, die Straßen teilweise in Fahrradwege zu verwandeln.

    Experten halten es für denkbar, dass aus den Notlösungen später dauerhafte werden, sollten tatsächlich viele Bürger aufs Fahrrad umsteigen: Die temporären Radspuren, die jetzt geschaffen würden, „können als Versuchsballon angesehen werden“, sagt Eike Becker, Geschäftsführer des gleichnamigen Berliner Architekturbüros. Die Coronakrise zeige, dass ein entschiedeneres Handeln als bislang möglich sei. Die Mehrheit der deutschen Städte habe „überhaupt keinen Plan, wie sie klimaneutral werden wollen“.

    In Brüssel und in Paris hatten die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren damit begonnen, nach und nach mehr Raum für Fahrräder und Fußgänger zu schaffen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat die Stadt mit zahlreichen Fahrradwegen ausgestattet. In der Coronakrise sieht die Sozialistin nun eine Chance, die Fahrradpolitik weiter voranzutreiben.

    Radwege entlang wichtiger Metroverbindungen

    Wenn die Pariser nach dem Ende der Ausgangssperre am 11. Mai wieder ihre Wohnungen verlassen dürfen, sollen sie trotzdem Abstand halten. Die Verkehrsplaner befürchten, dass viele Bürger auf ihr Auto umsteigen, was zu riesigen Staus in der Stadt führen würde.

    Der stellvertretende Bürgermeister Emmanuel Grégoire will daher die Boulevards teilweise in Radwege verwandeln: „Um zu vermeiden, dass die Leute sich in Massen in den öffentlichen Verkehrsmitteln drängen, arbeiten wir daran, provisorische Fahrradwege zu schaffen“, sagte er. Das habe den Vorteil, dass sich viel mehr Leute ohne Gesundheitsrisiko fortbewegen könnten als im Auto.

    Bisher gibt es aber noch keine konkreten Vorschläge für die neue Fahrradkultur, nur Überlegungen. Die neuen Radwege könnten demnach entlang der Metro-Linien angelegt werden, um diese zu entlasten. Sie müssten die wichtigsten Orte von Paris verbinden, entlang von Nord-Süd Achsen, und von Osten nach Westen durch die Stadtmitte entlang der Linie 1, die unter anderem Bastille, Louvre, Champs-Elysées und La Défense miteinander verbindet.

    Bei den Streiks gegen die Rentenreform Anfang des Jahres, als die öffentlichen Verkehrsmittel kaum funktionierten, waren bereits viele Pariser aufs Fahrrad umgestiegen. Aber die vorhandenen Fahrradwege reichten dafür kaum aus. Grégoire hält es daher für denkbar, dass die provisorischen Fahrradwege später in dauerhafte verwandelt werden. Frankreichs Transportministerin Elisabeth Borne hat bereits andere Städte aufgerufen, über ähnliche Konzepte nachzudenken.

    Aber natürlich gibt es auch Kritik an den Plänen, auch in Brüssel. Es sei kontraproduktiv die Bürger dazu einzuladen, sich auf den Straßen zu tummeln, kritisierte etwa der liberale Oppositionspolitiker David Weytsman. Sinnvoller sei es, strategische Achsen in der gesamten Stadt festzulegen und dort das Fließen des Verkehrs zu gewährleisten – und zwar für Autos wie Fahrräder.

    Mehr: Deutschland tastet sich zurück in die Normalität. Die Länder setzen den Öffnungskurs aber sehr unterschiedlich um. Einheitliche Regeln fehlen.

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