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Mobilität Uber umwirbt deutsche Geschäftsreisende

Wegen Corona fehlen dem Taxi-Herausforderer die Kunden aus Übersee. Die Autos sollen nun Dax-Konzerne und deutsche Mittelständler füllen.
02.06.2020 - 15:03 Uhr Kommentieren
Uber reagiert auf die Coronakrise und nimmt neue Angebote für deutsche Unternehmen ins Programm. Quelle: obs
Uber-Auto mit Coronaschutz

Uber reagiert auf die Coronakrise und nimmt neue Angebote für deutsche Unternehmen ins Programm.

(Foto: obs)

Hamburg Keine Geschäftsreisenden aus Übersee, keine Messen, kaum Touristen – den Taxikonkurrenten Uber trifft die Coronakrise in Deutschland besonders hart. Schließlich befördert der Taxikonkurrent aus San Francisco überdurchschnittlich oft Fernreisende, die den Dienst auch in ihrer Heimat nutzen und nach der Landung am Flughafen als Erstes ihre vertraute App öffnen.

Um die Lücke zu füllen, wirbt Uber jetzt verstärkt um deutsche Konzerne und Mittelständler. Trotz eines weltweiten Sparprogramms baut Uber dafür erstmals ein deutsches Geschäftskunden-Team auf. Die Zukunft der roten Uber-E-Bikes in Berlin und München ist jedoch ungewiss.

„Wir wollen in eine neue Art Normalität zurückkehren. Dazu müssen wir uns neue Schwerpunkte geben“, sagte Deutschlandchef Christoph Weigler dem Handelsblatt. „Unser Ziel ist es, das Geschäft, das wir zumindest vorübergehend durch die ausbleibenden internationalen Geschäftsreisenden und Touristen verlieren, durch lokale Nutzer auszugleichen.“ Dazu nutzt er Angebote, die in anderen Ländern für Geschäftskunden bereits vorhanden sind und passt sie für Deutschland an.

Unternehmen können Uber in ihre Reiseabrechnungs-Software integrieren. Die Amerikaner bieten den Firmenkunden an, für einzelne Mitarbeiter Budgets oder Reisezeiten zu definieren. Damit könnten sie in Corona-Zeiten auch Angebote für Pendler machen, umwirbt Weigler die Kundengruppe.

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    Die Coronakrise hat die neuen Mobilitätsanbieter sehr getroffen. Nach starken Einbrüchen muss die Branche die Nutzer nun überzeugen, geteilte Mobilitätsangebote wieder zu nutzen. „Unser Geschäft wächst jede Woche wieder signifikant“, sagte Weigler.

    Während der strengsten Kontaktbeschränkungen sei die Nachfrage in einigen Städten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Wie die Taxis war auch Uber allerdings während der gesamten Zeit verfügbar. Inzwischen sind die Fahrzeuge mit Schutzscheiben zwischen Fahrgast und Fahrer ausgerüstet. Dennoch liege die Nachfrage noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau, sagte Weigler. Seriös sei nicht abzuschätzen, wie lange die Erholung dauere.

    Attraktive Kunden

    Geschäftsreisende sind jedoch in jedem Fall für die Taxibranche und ihre neuen Konkurrenten attraktiv, weil Mitarbeiter, deren Arbeitgeber die Rechnung zahlen, oft weniger preissensibel sind als Privatkunden. Zudem lasten sie die Wagen tagsüber aus, wenn weniger Privatkunden unterwegs sind als etwa am Abend. Der direkte Uber-Konkurrent FreeNow bietet daher schon länger ein ähnliches Business-Programm an. Europaweit sind nach Angaben des Anbieters 30.000 Unternehmen Kunden.

    „Der Anteil des Firmenkundengeschäfts ist in den vergangenen Jahren konstant gestiegen“, sagte ein FreeNow-Sprecher. Der Bereich biete weiter deutliches Wachstumspotenzial und spiele daher „strategisch eine sehr wichtige Rolle“. Auch lokale Anbieter werben um Firmen. So hat das norddeutsche Ridesharing-Projekt Moia von Volkswagen im Februar, also bereits kurz vor Beginn der Coronakrise, ein Portal freigeschaltet, über das Geschäftskunden Gutscheine für Mitarbeiter und Kunden buchen können.

    Uber sieht sich mit dem neuen Angebot auf der Erfolgsspur. „Wir konnten in den vergangenen sechs Wochen schon einige Unternehmen als Nutzer gewinnen, darunter auch Dax-Konzerne“, sagte Weigler. Ziel sei es, bis Ende 2021 jede zehnte Fahrt über Uber Business abzurechnen. „Wir wollen uns damit ein neues Standbein geben, weil sich die bisherige Normalität nicht schnell einstellen wird“, sagte der Manager.

    Zugleich musste auch Deutschland einen Beitrag zum weltweiten Sparprogramm bei Uber leisten, dem global 6.700 Stellen zum Opfer gefallen sind. In Deutschland habe sich Uber von „zehn bis 20 Mitarbeitern getrennt“, sagte Weigler. Betroffen sei der Kundendienst. Die Fahrer sind nicht bei Uber beschäftigt, sondern bei selbstständigen Chauffeurunternehmen. Viele sind derzeit in Kurzarbeit oder bekommen Corona-Liquiditätshilfen. Mit noch knapp 100 eigenen Uber-Mitarbeitern ist das Deutschlandgeschäft vergleichsweise klein. Auch wegen zahlreicher Scharmützel mit den Behörden hatte Uber dem deutschen Markt zunächst nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

    Expansion in Stadt und Land

    Trotz des Sparkurses will Weigler in Deutschland expandieren – schließlich gibt es Uber erst in acht Städten. Weitere Städte sollen ab Ende 2020 oder 2021 hinzukommen. Zudem läuft ein Versuch für den ländlichen Raum in der Münchener Umlandgemeinde Kirchheim. Das Experiment verlaufe „überraschend positiv“, sagte Weigler. Die dreimonatige Testphase sei unbegrenzt verlängert worden. Uber sieht sich hier vor allem als Ergänzung zu Bus und Bahn in Randzeiten.

    In Kürze solle ein weiteres ländliches Projekt starten, kündigte Weigler an – voraussichtlich in einer Gemeinde in Brandenburg. Dort will Uber als Zubringer zur S-Bahn fungieren. Das zeigt auch den Kooperationskurs mit den Gemeinden, den der einstige Rebell Uber seit einiger Zeit eingeschlagen hat. In der Coronakrise fuhr das Unternehmen in Hamburg nachts sogar als Teil des Angebots des Verkehrsverbunds – im Einklang mit FreeNow und Moia.

    In weiteren Städten bietet Uber Fahrten für medizinisches Personal an. In München gab es zu Coronamaßnahmen eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Taxigewerbe, das regelmäßig gegen Uber prozessiert. „Solch eine gemeinsame Veranstaltung hätte ich mir vor einigen Monaten noch nicht vorstellen können“, sagte Weigler. Dennoch sei nicht geplant, dauerhaft als Teil des öffentlichen Nahverkehrs subventioniert zu werden, bemerkte Weigler.

    Allerdings will er erreichen, dass Uber in Fahrplan-Apps integriert wird: „Wir müssen gemeinsam gegen die Gefahr angehen, dass die Leute auch nach der Corona-Zeit beim eigenen Auto bleiben.“ Die Coronakrise könnte die Bestrebungen, mehrere Anbieter auf eine Plattform zu bringen, beschleunigen.

    Die Zukunft der E-Bikes ist bislang ungewiss. Quelle: dpa
    Jump-E-Fahrräder von Uber in Berlin

    Die Zukunft der E-Bikes ist bislang ungewiss.

    (Foto: dpa)

    Jedoch unterscheiden sich die Ansätze der neuen Fahrdienstleister bei der Frage, inwieweit sie Teil des öffentlichen Nahverkehrs sein wollen, weiterhin. Während etwa der Ridesharing-Dienst Moia von VW allein finanziert wird und trotz der Krise an seinen Plänen festhält, kämpft die Viavan-Tochter Berlkönig in Berlin darum, weiterhin Geld vom Verkehrsverbund zu erhalten.

    Die Bahn-Tochter Clever Shuttle prüft nach Angaben eines Sprechers ihre Aussichten in mehreren Städten. Zusammen mit der Bahn liefen derzeit Gespräche mit Partnern vor Ort. Am Ende könnte der Teilrückzug stehen. Gesichert scheinen bislang nur die Standorte Leipzig und Düsseldorf. FreeNow streicht eine „dreistellige Zahl“ der weltweit 1.400 Stellen. Das liege auch an der beschleunigten Integration einer zugekauften französischen Tochter, erklärte das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW.

    Neue Kooperationsbereitschaft

    Noch unklar ist, wie es mit den roten Elektrorädern der Uber-Marke „Jump“ in Berlin und München weitergeht. In der Krise hat der Anbieter die Räder eingesammelt. Anfang Mai hat Uber angekündigt, beim E-Roller-Anbieter Lime einzusteigen und das Geschäft mit den Rädern an den neuen Partner abzugeben. Lime-Roller sind künftig über die Uber-App buchbar.

    Ob Uber die Räder in Deutschland einsetzen wird, sei noch nicht geklärt, sagte Weigler. Aus den USA kursieren Bilder, wie große Mengen Jump-Fahrräder verschrottet werden. In einzelnen Städten betreibt Lime die Gefährte jedoch weiter.

    Trotz der Sparmaßnahmen ist eine große Konsolidierung bei neuer Mobilität durch die Coronakrise in Deutschland bislang allerdings ausgeblieben. Konzernchef Herbert Diess hatte Moia zwar im Februar für seine hohen Kosten kritisiert, VW nutzt die Corona-Pause aber nicht für einen eleganten Ausstieg. In Hamburg hat der Kleinbus-Service sein Gebiet in der vergangenen Woche sogar noch etwas ausgebaut.

    Auch die E-Roller-Anbieter wie Tier kehren schrittweise zurück. Der Berliner Anbieter Wind baut seine Rollerflotte in Hessen aus und will in weitere Städte gehen, der niederländische Anbieter Dott startet in Düsseldorf. Der schwedische Anbieter Voi wird zudem auch über die FreeNow-App buchbar – ein Schritt, den Voi-Chef Fredrik Hjelm noch vor einigen Monaten im Gespräch mit den Handelsblatt abgelehnt hatte. Offenbar führt die Coronakrise nicht nur bei Uber zu einem Sinneswandel.

    Mehr: Corona beschleunigt die Auslese der Mobilitätsdienste

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