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MyStromer AG E-Bike statt Dienstwagen: Ex-Automanager Luksch will Pendler zum Umstieg bewegen

Seit zwei Jahren führt Jakob Luksch den Speed-Pedelec-Hersteller MyStromer AG. Er will Autos durch E-Bikes ersetzen – und die Firma wieder profitabel machen.
22.04.2020 - 15:48 Uhr Kommentieren
„Wir wollen Autos ersetzen.“ Quelle: Stromer
Jakob Luksch

„Wir wollen Autos ersetzen.“

(Foto: Stromer)

München Heimarbeit: Wegen der Corona-Pandemie arbeitet in diesen Tagen auch Jakob Luksch häufig von zu Hause aus. Normalerweise aber setzt sich der 48-Jährige morgens auf sein Velo, um die gut 40 Kilometer ins Büro zurückzulegen.

Er komme in der Regel zügig und entspannt an, findet der Manager. Luksch nutzt ein sogenanntes Speed-Pedelec, also ein Elektrorad, das auf bis zu 45 Kilometer in der Stunde beschleunigt.

15 Jahre lang waren Sitze sein täglich Brot. Luksch arbeitete bei Autozulieferern, zuletzt für Toyota Boshoku. Seit gut zwei Jahren aber leitet der Wirtschaftsingenieur die Schweizer MyStromer AG, den eigenen Angaben zufolge führenden Hersteller von Speed-Pedelecs.

Sein Ziel: Die Pendler zum Umsteigen auf die schnellen Elektrobikes zu bewegen – und den über Jahre defizitären Hersteller aus der Nähe von Bern nachhaltig profitabel zu machen.

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Standort erkennen

    „Wir wollen Autos ersetzen“, erläutert Luksch seinen Anspruch. So seien die Velos von Stromer keine gewöhnlichen E-Bikes, sondern Fortbewegungsmittel „für längere Strecken“. 17 Kilometer legen seine Kunden jeden Tag im Schnitt auf dem Weg in die Arbeit mit ihrem rasend schnellen Rad zurück.

    Speed-Pedelecs sind eine Nische im boomenden Geschäft mit E-Bikes, allerdings eine für Berufstätige ausgesprochen interessante. Und sie liegen im Trend: Weltweit gingen vergangenes Jahr 43.000 Stück über die Ladentheken. Mehr als ein Viertel davon trägt das Stromer-Logo.

    Zum Vergleich: Die Radhändler hierzulande haben 2019 insgesamt knapp 1,4 Millionen Elektroräder verkauft, gut ein Drittel mehr als 2018. Im gleichen Zeitraum haben sie acht Prozent weniger herkömmliche Velos abgesetzt.

    Durchschnittspreis gestiegen

    „Erstmals wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mehr E-Bikes produziert als klassische Fahrräder“, sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands. Wegen der motorisierten Räder ist der Durchschnittspreis aller Modelle um 30 Prozent auf 982 Euro geklettert.

    Das Angebot an E-Bikes sei inzwischen so vielfältig, dass für jeden etwas dabei sei. „Noch vor zehn Jahren war es so, dass E-Bikes überwiegend die etwas älteren Kunden angesprochen haben – vom Design und der Ausführung her“, sagt Neuberger.

    Es ist kein Zufall, dass die MyStromer AG gerade den Autoexperten Luksch engagiert hat. Als der Manager Anfang 2018 anheuerte, steckte die Firma mit ihren heute 70 Mitarbeitern tief in den roten Zahlen. Der Radbegeisterte Thomas Binggeli hatte den Hersteller 2010 gegründet.

    Nach wenigen Jahren übernahm der Schweizer Investor Andy Rihs mit seiner Radfirma BMC die Führung. Rihs war mit seinem Hörgerätehersteller Phonak einer der größten Sponsoren des Radsports und soll Schweizer Medien zufolge 70 Millionen Franken in den Pedelec-Produzenten gesteckt haben.

    Allein der wirtschaftliche Erfolg blieb Rihs verwehrt: Über die Jahre ergatterte MyStromer zahlreiche Designpreise, ohne aber Geld zu verdienen. Seit 2017 gehört der Betrieb einer kleinen Gruppe von Schweizer Unternehmern, darunter auch Gründer Binggeli.

    Eine der ersten Entscheidungen der neuen Investoren: Sie engagierten Luksch. Der Hobbyradler hat im Management der Autozulieferer gelernt, dass jeder Cent zählt. Mit „viel Fleißarbeit“ sei es ihm schon im ersten Jahr gelungen, eine schwarze Null einzufahren, berichtet er. 2019 schließlich habe er einen kleinen Gewinn erzielt.

    E-Bikes haben ihren Preis

    Luksch ging dabei einen ungewöhnlichen Weg. Er verlegte die Montage aus Taiwan in die Schweiz. Gleichzeitig intensivierte er den Austausch mit den Lieferanten. So sei Stromer viel flexibler geworden.

    Früher hätte der Mittelständler die Ware im Spätsommer in Asien fürs nächste Jahr bestellen müssen. Nun würde vier Wochen vor der Auslieferung an die Händler produziert. Diese Richtung will Luksch weiterverfolgen. Er plant, noch mehr Teile als bisher aus Europa und nicht aus Fernost zu beziehen.

    Die Stromer-Velos haben ihren Preis: Das Einstiegsmodell ST 1 ist für 4000 Euro zu haben, die Spitzenversion ST 5 schlägt mit rund 10.000 Euro zu Buche. Zudem würden die meisten Kunden noch 2000 Euro für eine leistungsstärkere Batterie ausgeben, heißt es.

    Ein Premiumpreis, den das Unternehmen mit Services rechtfertigt: So sind die Räder mit dem Hersteller vernetzt, sie erhalten regelmäßige Softwareupdates, und sind zuverlässig gegen Diebstahl geschützt.

    Die auch bei Handys übliche SIM-Karte ist in den Rädern verbaut. Stromer wird als eine Art Porsche unter den Elektrorädern bezeichnet. Konkurrenzmodelle von Herstellern wie Haibike oder Giant sind durchaus günstiger erhältlich. Die Schweiz sowie Belgien und die Niederlande seien die stärksten Märkte, meint Luksch.

    „Deutschland ist dagegen ein schlafender Riese“, ärgert sich der Manager. Das liege vor allem daran, dass es für deutsche Pendler nicht attraktiv sei, Speed-Pedelecs zu nutzen. So habe der Gesetzgeber – mit wenigen Ausnahmen – die Bikes von Radwegen verbannt. In anderen Ländern würden die Velos auch steuerlich gefördert.

    Männerdomäne

    Vier von fünf seiner Räder würden von Männern gekauft, erzählt Luksch. Er rätselt, weshalb Frauen nicht umsteigen. Ob das Velo an sich nicht bequem genug sei oder ob sie sich von der Funktionskleidung abschrecken ließen, die es bei Regen nun einmal brauche?

    Dieses Jahr wollte Luksch ursprünglich 14.000 Räder verkaufen, 2000 mehr als 2019. Ob er sein Ziel angesichts der Coronakrise noch erreicht? Es gibt eine ermutigende Entwicklung: Einige Metropolen scheinen die Krankheit zum Anlass zu nehmen, auch über den Verkehr der Zukunft nachzudenken. So sollen in Mailand im Sommer 35 Kilometer Straße in Rad- und Fußwege umgewidmet werden.

    Womöglich wechseln in nächster Zeit auch Kunden aufs Speed-Pedelec, die bislang längere Strecken mit dem öffentlichen Nahverkehr zurücklegen. Denn an der frischen Luft ist es allemal gesünder als in Bussen und Bahnen, wenn sie nach Ende der Ausgangsbeschränkungen wieder bis auf den letzten Platz gefüllt sein sollten.

    Für den Weg zur Arbeit schwört Luksch inzwischen auf seine Stromer-Bikes. Wenn er aber in der Freizeit mit Mountainbike oder Rennrad rund um den Bieler See fährt, dann nur mit eigener Muskelkraft.

    Mehr: Schausteller fordern einen Rettungsschirm.

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