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Smart Farming Wenn der Roboter Glyphosat entbehrlich macht

Drohnen, Wetter-Apps, autonome Traktoren – moderne Landwirte setzen voll auf Automation und Digitalisierung. Im Agrarsektor hat sich eine lebendige Start-up-Szene etabliert
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Wenn der Roboter Glyphosat entbehrlich macht
Roboter für den Pflanzenschutz

Ein Traktor zieht den Prototyp einer Roboters, der im Vergleich zu herkömmlichen Spritzsystemen bis zu 70Prozent weniger Pflanzenschutzmittel einsetzt. Ein Beispiel dafür, wie Automation und Digitalisierung in der Landwirtschaft dem Umweltschutz dient. (Foto: dpa)

München Viel ist in den vergangenen Monaten über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat gestritten worden. Arnaud de La Fourchardière ist überzeugt davon, dass er für viele Anwendungen eine Alternative für die „Post-Glyphosat“-Ära gefunden hat: Der Franzose hat mit seinem Start-up Vitirover einen autonomen, solargetriebenen Mähroboter entwickelt, der zum Beispiel in Weinbergen oder an Bahngleisen das Unkraut beseitigen soll. Chateau Lafite Rothschild ist bereits Kunde.

Als Start-up im Landwirtschaftsbereich werde man gerade im schicken Paris noch ein wenig schief angesehen, berichtet der Unternehmer. Doch hat sich im Agro-Sektor weltweit eine lebendige Start-up-Szene etabliert. Landwirte gelten zwar als konservativ. Doch bei der Digitalisierung war die Agrarwirtschaft früh dabei.

Autonom fahrende Traktoren, Fütterungsautomaten, der Einsatz von Drohnen, das Internet der Dinge und Wetter-Apps gehören heute in vielen Betrieben zum Alltag. Laut einer Studie von Bitkom und Bauernverband nutzen 52 Prozent der Landwirte digitale Lösungen.

Giganten auf dem Acker
Claas Axion 960
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Der Bauer von heute arbeitet mit Bildschirm. Das zeigen etliche Neuheiten auf der diesjährigen Landmaschinenmesse Agritechnica in Hannover. Auch das überarbeitete Spitzenmodell des Landmaschinenherstellers Claas hat nicht nur 445 PS, sondern auch einen Touchscreen im Führerhaus.

(Foto: )
Deutz Serie 7
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Der traditionsreiche Traktorenhersteller Deutz hat seiner Spitzenserie einen neuen 6,1-Liter-Motor verpasst. Damit ziehen die grünen Riesen auch schweres Gerät.

(Foto: )
Fendt Vario MT
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Der erste Raupenschlepper von Fendt erleichtert in seinen drei Varianten die Feldarbeit enorm und leistet zwischen 380 und 431 PS.

(Foto: PR)
Case IH Quadtrac 540
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Satte 613 PS bringt der Quadtrac 540 CVX auf den Acker - und das mit einem stufenlosen Getriebe von ZF. Der Hersteller bietet mit dem 500 CVX und dem 470 CVX auch zwei weniger leistungsfähige Modelle aus der Baureihe.

(Foto: PR)
Case IH Puma CVX
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Eine adaptive Lenkung macht auch den mächtigen Puma des amerikanischen Traktorenherstellers leichter manövrierfähig.

Valtra T-Serie
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Der finnische Traktorenhersteller hat seine T-Serie erweitert. Die neueste Generation bekommt eine Multitouch-Armlehne und einen 9-Zoll-Bildschirm, mit denen die Feldarbeit leichter werden soll.

(Foto: )
Holmer Terra Variant 435
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Der Mercedes-Dieselmotor dieses neuen leichten Trucks des Herstellers Holmer erfüllt zwar die neusten Abgasvorschriften. Stinken dürfte dieser Feldarbeiter aber trotzdem. Das Modell ist zum Gülletransport gedacht.

(Foto: PR)

Und so setzt auch der genossenschaftliche Baywa-Konzern stark auf das Thema und fördert Start-ups im Agrarbereich. In diesem Jahr bewarben sich 252 junge Firmen für das Förderprojekt „Acceleration Programm“ des Münchener Milliardenkonzerns. Am Donnerstag präsentierten 15 Finalisten in München ihre Ideen. Sechs von ihnen werden dann unterstützt und bekommen unter anderem Zugang zum BayWa-Netzwerk und können vom Agro Innovation Lab von Baywa und österreichischer RWA Raiffeisen Waren Austria AG  betreut ihre Projekte weiterentwickeln.

Natürlich will die Baywa auch selbst vom Start-up-Engagement profitieren. „Wir wollen in Europa die erste Adresse für Innovationen  aus dem Agrarbereich sein“, sagte Baywa-Vorstandschef Klaus Lutz dem Handelsblatt. Der Konzern bekommt früh Einblick in die neuesten technologischen Entwicklungen – und hat sich an zwei Start-ups, die beim Wettbewerb teilgenommen haben, finanziell beteiligt. Die Verhandlungen über weitere Investments laufen.

Investoren entdecken den Agrar-Sektor

Weltweit entdecken Investoren gerade Smart Farming und andere Agrar-Sektoren für sich. „Es gibt zunehmend Interessenten, die in Agrotech investieren wollen“, sagt Jaume Galada. Der Spanier hat mit seinem Start-up Ubikwa Systems die Technologie Insylo entwickelt, mit der sich die Silos auf einem Bauernhof per Handy fernüberwachen lassen. Der Landwirt spare so Zeit, weil er nicht mehr selbst regelmäßig den Silostand kontrollieren müsse, das übernimmt ein 3D-Sensor. Zudem werde dank eines Alarms auf dem Handy die rechtzeitige Nachbestellung zum Beispiel von Futtermitteln garantiert. Galada wirbt vor allem um die Gunst der Futtermittelhersteller, die ein Interesse daran haben, dass die Landwirte rechtzeitig bei ihnen nachbestellen.

An Pferdeliebhaber wendet sich die Digital-Firma Cabasus. Das von IT-Experten und leidenschaftlichen Reitern gegründete Unternehmen hat sogenannte Wearables für Pferde entwickelt. Sportler kennen ja bereits zum Beispiel Fitness-Uhren, die sportliche Aktivitäten, aber auch Herzfrequenz und Schlafqualität aufzeichnen. Cabasus hat nun einen Tracker für Pferde entwickelt, der die Bewegungsaktivitäten des Tiers ebenso aufzeichnet wie zum Beispiel die Herzfrequenz und die Körpertemperatur.

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz sollen aus Bewegungsmustern Hinweise auf zum Beispiel drohende Koliken oder Lahmheit gewinnen werden. Der Sensor wird am Huf befestigt. Eine App zeichnet die Aktivitäten auf, schlägt Präventivmaßnahmen vor und kann als digitales Stalltagebuch genutzt werden. Einen ähnlichen Fitnesstracker für Hunde hat das Kölner Start-up Furryfit entwickelt.

Der Markt sei riesig, sagt Gründer Cristiano Estrada, allein in den USA gebe es zehn Millionen Reitpferde, in Deutschland eine Million. Reiter hätten immer Angst, dass ihre Pferde krank werden, wenn sie zum Beispiel in Urlaub fahren. „Die Tiere sind wie ein Baby für sie.“ Daher stoße die Fernüberwachung auf großes Interesse. Das internationale Team von Cabasus - die Gründer lernten sich der deutschen Hochschule WHU kennen, - will die Idee nun weltweit ausrollen. Das Geschäft sei gut skalierbar, ist Estrada überzeugt.

Strohverpackung statt Styropor

Schon einen Schritt weiter ist die Landpack GmbH, die sich ebenfalls bei der Baywa präsentierte. Das Start-up hat ökologische Isolierverpackungen aus Stroh entwickelt, die insbesondere für Lebensmittel-Versender eine Alternative zu Styropor sind. Das 2013 gegründete Start-up hat schon eine eigene Fabrik in der Nähe von München aufgebaut und namhafte Kunden gewonnen – von Käfer über Frosta bis Oetker. „Das Interesse ist bei Investoren wie Kunden groß“, berichtet Mitgründerin Patricia Eschenlohr. Gerade entwickelt die Firma weitere Einsatzmöglichkeiten zum Beispiel für die Pharmaindustrie.

Ganz soweit ist das ägyptische Start-up AbuErdan noch nicht. Die Firma hat ein cloud- und blockchainbasiertes Geflügelmanagement-System entwickelt, mit dem die Herkunft von Hühnern und Eiern entlang der gesamten Wertschöpfungskette dokumentiert werden kann. Mit einem Klick sieht der Nutzer zum Beispiel, womit ein Huhn wann gefüttert wurde und welche Küken von ihm abstammen. Der Bedarf sei bei den Hühnerfarmen und anderen Kunden aus Effizienz- und Kontrollgründen groß, sagt Gründer Islam Khalil. „Die Industrie ist bereit dafür.“

Er und sein Team sind ein Spinn-off einer Datenanalyse-Firma, die sich vor einigen Jahren ein Feld suchte, auf dem sich ihre Technologien einsetzen lassen. Nach langer Analyse entschied man sich für Hühner. „Wir mussten das alle erst lernen“, sagt der Unternehmer.

Bei der Baywa haben sie diese Start-ups aus aller Welt genau unter die Lupe genommen. „Eine Innovation ist aus unserer Sicht dann richtungsweisend, wenn sie entweder erhebliche Effizienzverbesserungen in der Landwirtschaft ermöglicht, Ressourcen schon oder das Leben und die Arbeit von Landwirten generell erleichtert“, sagt Vorstandschef Lutz.

Arnaud de la Fourchardière ist zuversichtlich, dass all das auf seine Firma Vitirover zutrifft. Er möchte im kommenden Jahr mindestens 200 seiner Mähroboter herstellen lassen, wenn sich genug Investoren finden auch 2000. Die Firma bietet dann im Verbund mit einer Leasingfirma die Mähleistung an. Die Roboter werden nicht verkauft, sondern sie werden zum Einsatz zum Beispiel in die Weinanbaugebiete entsandt.

Eine der Maschinen kann zwei Hektar bearbeiten – und soll dabei mit bis zu 12.000 Hindernissen pro Hektar zurechtkommen. Mit den recht einfachen Mährobotern, die für Gärten entwickelt wurden, haben seine autonom fahrenden, GPS-gesteuerten Maschinen daher nichts zu tun, ist der Unternehmer überzeugt. „Wir haben eine industrielle Lösung entwickelt.“

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