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Smart-Gadget im Test Warum die Apple Watch nicht als Sportuhr taugt

Die angesagte Digitaluhr kann sogar ein EKG erstellen. Aber wie schlägt sich die Apple Watch beim Sport? Wir haben den Härtetest gemacht.
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Sport treiben mit der Apple Watch: das ist für anspruchsvolle Gemüter keine richtige Freude. Warum das so ist, erklären wir im Test. Quelle: Nicj Jio / Unsplash
Apple Watch

Sport treiben mit der Apple Watch: das ist für anspruchsvolle Gemüter keine richtige Freude. Warum das so ist, erklären wir im Test.

(Foto: Nicj Jio / Unsplash)

BonnAls leidenschaftlicher Gadget-Freak und ambitionierte Hobby-Triathletin habe ich für das Handelsblatt schon einige Smartwatches ausführlich auf Herz und Nieren getestet. Nur die Apple Watch ist mir bislang nicht unter die Finger gekommen. Die PR-Abteilung des Silicon-Valley-Konzerns von Tim Cook hat mich offenbar nicht auf dem Zettel - noch nicht.

Zugegeben: Als Sportlerin habe ich das Hipster-Gerät aber einfach auch gar nicht ernst genommen und mich stattdessen auf die klassischen Laufuhrhersteller wie Garmin, Polar oder Suunto fokussiert. Sport ist schließlich nicht nur schönes Design zum Premium-Preis, sondern auch Wissenschaft – das Steckenpferd der etablierten Sportfirmen. Warum also auf ein anderes System umsteigen?

So langsam aber sicher kommt man auch in der Sportlerszene um Apples Smartwatch nicht mehr drum herum. Ob im Fitnessstudio, im Schwimmbad oder auf meiner Laufstrecke: Immer häufiger sehe ich trainierende Menschen mit der Apple Watch am Arm pumpen, kraulen oder rennen. Taugt das Teil also doch etwas?

Meine subjektive Trend-Beobachtung deckt sich übrigens auch mit den aktuellen Markt-Daten: So hält die 2015 eingeführte Apple Watch inzwischen einen Anteil von knapp 60 Prozent am Smartwatch-Markt. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Analysefirma IDC hervor.

Zeit also für mich, das High-Tech-Gadget doch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da ich keine Uhr für einen Test zur Verfügung gestellt bekommen habe, darf ich nun ein nagelneues Exemplar mein Eigen nennen: eine Apple Watch Series 4, die ich mir selbst für 429 Euro gekauft habe.

Keine Frage: Die stylische Digitaluhr lässt sich sehr gut im Alltag tragen und macht auch zum Business-Outfit noch einen guten Eindruck. Meine wunderschöne Nomos-Uhr, die ich mir zur Hochzeit gegönnt habe, liegt seit Wochen traurig auf meinem Nachttisch.

Aber lässt die Apple Watch auch mein Sportlerherz höher schlagen? Inzwischen habe ich die Apple Watch seit etwa einem halben Jahr im Einsatz. Ich bin damit geschwommen, geradelt und gelaufen und möchte heute zusammenfassen, warum diese Smartwatch für mich keine geeignete Sportuhr ist.

Miserable Akku-Laufzeit

Was mir als erstes am meisten auf die Nerven gegangen ist: die unglaublich geringe Akku-Laufzeit. Apple selbst gibt sie mit etwa 18 Stunden an – also nicht mal einem ganzen Tag lang. Und das auch nur, wenn ich keinen GPS-Betrieb und weder Bluetooth-Kopfhörer noch andere externe Sensoren gekoppelt habe.

Nun würde ich damit keinen Ironman absolvieren wollen (um Himmels Willen!), aber dass die Apple Watch wirklich jeden Tag an die Steckdose geklemmt werden muss, gefällt mir gar nicht. Im Gegensatz dazu hält der Akku des neuen Lauf-Boliden Vantage V des finnischen Herstellers Polar sagenhafte 40 Stunden im GPS-Betrieb durch. Und Garmins neuer Forerunner 945 macht im Smartwatch-Modus sogar erst nach zwei Wochen schlapp.

Tückische optische Pulsmessung

Auch wenn die Apple Watch inzwischen recht zuverlässig ein EKG erstellen kann (das sogar meine Ärztin für gut befunden hat), würde ich mich beim Sport niemals auf die Uhr verlassen. So gut die Sensoren auch sein mögen, aber die optische Messung der Herzfrequenz ist einfach für den Sportgebrauch noch nicht ausgereift. Das betrifft derzeit aber auch sämtliche Hersteller von Laufuhren.

Immerhin: Ich habe die Option, die Apple Watch zusätzlich mit einem externen Bluetooth-Brustgurt zu koppeln. So erhalte ich dann doch noch eine annähernd EKG-genaue Messung, die ich für meine Trainingssteuerung auch tatsächlich gebrauchen und auf die ich mich verlassen kann.

Allerdings muss ich hier nochmal tief in die Tasche greifen und mindestens 100 Euro auf den Tisch legen. Denn im Gegensatz zu anderen Smartwatch-Herstellern gibt es bei Apple den separaten Brustgurt nicht gratis dazu.

Das Gehäuse: eine zu zarte Seele

Reden wir über das empfindliche Gehäuse der Apple Watch. Es hat bei mir keine vier Wochen gedauert, bis ich die ersten kleinen Kratzer auf dem Display hatte. Zwar sind im Handel durchsichtige Schutz-Cases und diverse Klebefolien erhältlich, aber damit sieht die stylische Smartwatch doch ziemlich verunstaltet aus. Da können meine anderen Sportuhren von Garmin und Polar deutlich mehr wegstecken, ohne Macken zu bekommen.

Vermutlich, weil dort meistens extrem robustes Gorilla- oder Saphir-Glas verbaut ist. Dieses Material gilt als der „König unter den Uhrengläsern“ - nur Diamant ist härter. Leider ist es bei Apple auch nicht möglich, das Glas der Apple Watch, wenn es gebrochen ohne extrem zerkratzt ist, austauschen zu lassen – hier müsste ich dann mit knirschenden Zähnen in eine komplett neue Uhr investieren.

Auf der Bahn: Kein manuelles Training

Vielleicht legt Apple ja noch nach, aber bislang ist es mir nicht gelungen, eine individuelle Trainingseinheit auf der Uhr zu erstellen: beispielsweise 15 Minuten Einlaufen mit maximal 120 Herzfrequenz, dann fünfmal 30 Sekunden im Wettkampftempo laufen, 15 Minuten auslaufen und alles kombiniert mit akustischen Benachrichtigungen, wann was dran ist.

Einstellen kann ich lediglich eine Zeitspanne oder die Länge einer vordefinierten Strecke und muss das dann ablaufen. Pluspunkte gibt es wiederrum dafür, dass ich ein bestimmtes Tempo einstellen kann und eine Benachrichtigung erhalte, wenn ich langsamer oder schneller laufe, als ich mir vorgenommen habe. Wer also mehr Möglichkeiten haben will, muss auf kostenpflichtige Apps umsteigen, etwa „iSmoothRun“, die aktuell 5,49 Euro kostet.

Enttäuschung für Duathleten und Triathleten

Was ich als Triathletin schmerzlich bei der Apple Watch vermisse, ist die Multisportfunktion. Das brauche ich vor allem im Wettkampf, wo ich zuerst schwimme, dann radfahre und zum Schluss laufe. Bei Garmin, Polar und Co. kann ich während des Rennens mit nur einem Knopfdruck die verschiedenen Sportarten wechseln und bei Bedarf sogar noch die Wechselzeiten separat erfassen und abspeichern.

Komplizierte Verbindung zu anderen Plattformen

Da ich als Sportlerin schon lange meine Trainingsplanung- und analyse auf diversen Plattformen mache (Garmin Connect, Polar Flow und Strava), war ich zunächst enttäuscht, dass es keinen direkten Weg gibt, meine absolvierten Trainings von der Apple Watch dorthin zu übertragen.

Erst nach ein bisschen Internet-Recherche habe ich herausgefunden, dass sich mit Hilfe einer zusätzlichen App (zum Beispiel „HealthFit“), die wiederrum mit Strava kompatibel ist, die Einheiten über diesen Umweg dann doch noch übertragen lassen. Ist das nutzerfreundlich? Nicht wirklich. Hier könnten die Apple-Programmierer nochmal ordentlich nachbessern.

Fazit

Die Apple Watch Series 4 ist meiner Meinung nach eine tolle Smartwatch mit vielen interessanten Funktionen. Sie eignet sich sicherlich auch gut für Laufeinsteiger und Schreibtischtäter, die mehr Bewegung in ihren Alltag integrieren und sich motivieren lassen möchten.

Für mich als erfahrene Läuferin wird diese Uhr im Training jedoch keine Alternative zu meinen anderen Multisport-GPS-Uhren sein. Übrigens auch deswegen nicht, weil mir die Bedienung über das Touch-Display viel zu fummelig und umständlich ist, während ich trainiere. Da brauche ich doch noch die haptische Rückmeldung über Druckknöpfe am Gehäuse, wie das bei anderen Herstellern der Fall ist.

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1 Kommentar zu "Smart-Gadget im Test: Warum die Apple Watch nicht als Sportuhr taugt"

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  • Also ich sehe die Kritikpunkte nicht so:
    - Im Vergleich zum Leistungs-EKG 1 Schlag Abweichung +/-
    - Es gibt so gut wie unsichtbare Schutzfolien zum Wahnsinnspreis von € 4,95 2 Stück
    - Keine Sportuhr konnte so schnell die Position bestimmen wie die -Watch
    - Meine Akkulaufzeit beträgt wie im Bericht beschrieben > 30 Stunden

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