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Sprachassistenten Wie Alexa und ihre Kollegen das Einkaufen verändern werden

Jeden sechsten Euro geben Verbraucher künftig via Sprachassistent aus, sagen Experten voraus. Doch häufig vertrauen Nutzer dem Algorithmus nicht genügend – noch.
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Wie Alexa und ihre Kollegen das Einkaufen verändern werden Quelle: AP
Amazon Echo

Sprachassistenten werden immer wichtiger.

(Foto: AP)

BerlinNur wenige Deutsche kaufen bisher per Sprachassistent ein, doch in den nächsten drei Jahren soll sich das gewaltig ändern: 16 Prozent des Konsums in Deutschland statt wie bisher zwei Prozent sollen dann per Sprachbefehl über Alexa, Siri, Google Assistant oder andere getätigt werden, sei es via Smartphone oder smartem Lautsprecher. Das hat das Beratungsunternehmen Capgemini ermittelt.

Statt also in einem physischen Geschäft einzukaufen oder online zu shoppen, wird der Prognose zufolge in Zukunft jeder sechste Euro via Sprachassistent ausgegeben. Heute ist es gerade mal jeder fünfzigste Euro.

Nicht nur die Händler müssen daher umdenken, auch Verbraucher müssen etwas beachten: Wenn sie beim Kauf eines Produkts keine spezifischen Angaben machen, verlassen sie sich ganz auf die Auswahl des Assistenten. Schon beim Onlineshopping schauen sich nur wenige Nutzer mehr als die erste Ergebnisseite einer Suche an, für viele sind sogar nur die ersten drei Ergebnisse entscheidend.

„Ein Sprachassistent verschärft diesen Auswahlprozess“, sagt Eva Stüber vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. „Statt aus verschiedenen Vorschlägen wählen zu können, wird gleich der erste genommen.“ Der Algorithmus entscheidet also noch stärker darüber, was wir wo einkaufen.

Wenn Einkäufe per Sprachassistenz getätigt werden, sind es daher vor allem Lebensmittel, wie eine Umfrage des Wirtschaftsprüfers PwC unter 1000 US-Amerikanern zeigt. „Ich würde einfache Dinge einkaufen wie Hundefutter, Toilettenpapier, Pizza“, zitiert PwC eine Umfrage-Teilnehmerin. „Aber ‚Kannst du mir einen Pullover kaufen?‘ wäre mir zu riskant.“

Trotzdem: Während heute nur drei Prozent der befragten US-Amerikaner Kleidung mit einem Sprachassistenten gekauft haben, erwägen 22 Prozent, es in Zukunft zu tun. Sogar ganze Reisen, die der Umfrage zufolge heute niemand via Alexa und Co. bucht, könnten sich ganze 26 Prozent vorstellen, per Sprachbefehl zu ordern.

Sagen wir also bald einfach „Buch‘ mir eine Reise auf die Malediven“ und vertrauen dem Algorithmus, dass er schon die richtigen Entscheidungen trifft? Durchwühlen bald künstliche Intelligenzen die Suchmaschinen und Preisvergleichsportale statt menschlicher Nutzer? Bringen wir den Sprachassistenten wirklich so viel Vertrauen entgegen?

Viele Nutzer vertrauen den Algorithmen nicht genug

Capgemini hat für ihre Studie die Teilnehmer befragt, ob sie sich eine Pizza bestellen würden und die Sorte, Bestellung und Bezahlung ganz der künstlichen Intelligenz überlassen würden. 41 Prozent derjenigen, die Sprachassistenten nutzen, sahen das skeptisch. Bei jenen, die nicht auf Siri, Alexa, Google und Co. zugreifen, waren es sogar 74 Prozent.

Sowohl der PwC- als auch Capgemini-Umfrage zufolge ist mangelndes Vertrauen der größte Hinderungsgrund, einen Sprachassistenten zu nutzen. Beim Thema Einkaufen spielt zudem eine Skepsis gegenüber den großen Konzernen hinter den Assistenten eine Rolle.

37 Prozent sagen der Capgemini-Umfrage zufolge „Ich vertraue Google/Siri/Amazon nicht, eine Entscheidung in meinem Interesse zu fällen“. Das ist der meistgenannte Grund dafür, fürs Shoppen auf die künstliche Intelligenz zu verzichten. Nutzer fühlen: Dort kollidiert das Profitinteresse der Konzerne mit ihren eigenen Vorlieben.

Was also, wenn hinter einer künstlichen Intelligenz kein großes Unternehmen steckt und so die beste Entscheidung für den Nutzer trifft? Roland-Berger-Chef Charles-Édouard Bouée sieht genau dort den Punkt, woran Google, Amazon und Co. scheitern werden: Eine „tragbare“ künstliche Intelligenz, die das Nutzerinteresse und nicht ein Konzerninteresse in den Mittelpunkt stellt, werde die gesamte Digitalbranche umkrempeln.

Eva Stüber von der IFH Köln ist davon nicht überzeugt: „Die Vorstellung einer neutralen künstlichen Intelligenz ist reichlich naiv, gerade wenn man sich die Marktmacht der heutigen Konzerne anschaut.“ In den USA dominiert Amazon mit seiner Hausmarke schon jetzt ein Drittel des Onlinemarktes für Batterien. „Wenn nun noch mehr Menschen über Alexa Batterien bestellen, kann sich diese Macht noch vergrößern.“

Für das Beratungsunternehmen Capgemini ist der Siegeszug der Sprachassistenten gewiss: 64 Prozent der befragten Deutschen gaben gegenüber Capgemini an, dass sie die Technologie bereits genutzt haben. Für die Umfrageteilnehmer sind Siri und Co. nicht nur bequemer und schneller als Smartphones oder Computer, sondern sie vermitteln auch ein Gefühl der persönlichen Ansprache. Und einer freundlichen Stimme vertraut man doch eher als einem anonymen Algorithmus.

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