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Sylvera Mit KI gegen Greenwashing: Start-up überwacht Klimaschutzprojekte

Einen Baum pflanzen und damit CO2 kompensieren – darauf setzen derzeit viele Unternehmen. Wie nachhaltig das ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Das Start-up Sylvera will das ändern.
13.05.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
Damit Aufforstungsprojekte wirken, müssen sie vor allem langfristig sein. Quelle: dpa
Eine Person pflanzt einen Baumsetzling in Mexiko

Damit Aufforstungsprojekte wirken, müssen sie vor allem langfristig sein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Bäume pflanzen und zum Weltenretter werden? Das schreiben sich immer mehr Unternehmen auf die Fahne. Rewe, Bitburger, Eckes-Granini oder dm, sie alle investieren in Aufforstungsprojekte.

Der Grundgedanke dahinter ist einfach: Bäume ziehen CO2 aus der Atmosphäre und binden es. Doch so simpel, wie es klingt, ist das Ganze nicht. Und nicht alle Aufforstungsprojekte halten, was sie versprechen. Jungpflanzen sterben ab, es gibt Überschwemmungen, Dürren, Feuer – oder der Faktor Mensch kommt dazwischen und fällt die Bäume wieder. Prüfmechanismen gibt es nur wenige, und die haben Schwachstellen.

Hier setzt das Start-up Sylvera an: Mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) kombiniert es Satelliten- und Klimadaten, um Klimaschutzprojekte zu bewerten. Investoren sind von dem Impact-Start-up überzeugt. 

Jüngst hat Sylvera in einer Finanzierungsrunde 7,8 Millionen US-Dollar eingesammelt, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Unter den Geldgebern sind etwa Index Ventures, Revent und Seedcamp. Mit dem Produkt könnte Sylvera neues Vertrauen in einer Branche schaffen, die zuletzt viel Vertrauen verloren hat. Und den Markt für CO2-Kompensationen ein Stückchen transparenter machen.

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    Aufforstungsprojekte fürs Klima

    Dass wir, um den Klimawandel noch zu stoppen, CO2 aus der Atmosphäre ziehen müssen, darüber sind sich Experten mittlerweile einig. Neben Techniken zur CO2-Abscheidung und -speicherung – etwa unter dem Meer in Norwegen oder in Steinen in Island – gibt es auch naturbasierte Lösungen. So haben beispielsweise Moore, aber auch Bäume naturgemäß eine große CO2-Speicherkapazität.

    Aufforstung als natürliche Klimalösung könne dabei helfen, die Pariser Klimaziele zu erreichen, sagt Sabine Fuss vom Mercartor Research Institute on Global Commons and Climate Change. Doch wie nachhaltig solche Aufforstungsprojekte sind, ist oft nicht transparent.

    Bisher gibt es nicht den einen Leitstandard für gute Aufforstungsprojekte. Zwar können sich Betreiber ihre Projekte zertifizieren lassen. Doch ob die Projekte überhaupt überwacht werden, dann meistens von den Initiatoren selbst – ein Risiko für Fehleinschätzungen, sagt Fuss.

    So steht etwa eine Plantage der Stiftung Plant for the Planet in Mexiko nach einem Hurrikan seit Monaten unter Wasser. Ob die Bäume das überleben, ist fraglich. Die Stiftung adressierte das Problem erst öffentlich, nachdem die Wochenzeitung die „Zeit“ berichtete – davor hieß es, die Lage sei unter Kontrolle.

    Genaue Daten über die Aufforstungsprojekte zu bekommen ist schwierig, auch weil es nur begrenzte Kapazitäten zur Feldüberwachung der Projekte vor Ort gibt, sagt Fuss. Dafür analysieren Menschen vor Ort die Baumbestände. 

    Sie messen ihre Höhe, den Durchmesser und bestimmen die Baumart. In dicht bewachsenen Wäldern kommt das System an seine Grenzen, außerdem ist die manuelle Erfassung fehleranfällig.

    Mit Sylvera will Mitgründer und COO Samuel Gill das verändern. Denn damit könnten die Projekte auch regelmäßiger überprüft werden als bisher – und genauer. Dazu kombiniert das Start-up mithilfe von Künstlicher Intelligenz etwa Satellitendaten mit Klimadaten. Außerdem modelliert Sylvera gleichzeitig die Zukunftsaussichten des Projekts, indem es beispielsweise Bevölkerungsdaten, Veränderungen in der Infrastruktur oder auch den Rechtsstaatlichkeitsindex mit einbezieht. So hat das Start-up eine Datenbasis, mit deren Hilfe sich beurteilen lässt, wie hoch das Risiko ist, dass das Projekt zeitnah scheitert, sei es durch etwaige Unwetter oder die Bevölkerung.

    Drohnenmessung und Maschinelles Lernen

    Melvin Lippe vom Thünen-Institut für internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie kennt sich mit Wald-Datenanalyse aus. Dabei sei vor allem die Qualität der Satellitenbilder entscheidend. Um von einer Satellitenaufnahme dann auf die Biomasse und die Speicherkapazität der Bäume zu kommen, braucht es eine Kombination von Daten aus der Feldmessung. Die könnten durch Drohnen genauer analysiert werden.

    Bisher sind auch Sylveras Daten noch nicht genau genug. Mit der 7,8 Millionen Euro schweren Finanzierung will Gill das ändern. Mithilfe von Drohnen und Leichtflugzeugen, die sie mit ihren Satellitendaten kalibrieren, wollen sie ein 3D-Modell erstellen. Um ganz konkrete Aussagen zu treffen, müssen auch ein paar Bäume ihr Leben lassen, „da wollen wir welche suchen, die aber eh gefällt worden wären“. 

    Die Bäume werden dann so gescannt, dass Sylvera genau herausfinden kann, wie viel CO2 in dem Baum gespeichert ist. Mithilfe dieser Datenbasis kann die Künstliche Intelligenz lernen und die CO2-Speicherfähigkeit mithilfe der Satellitendaten ziemlich genau berechnen. „Die Welt hat keine Ahnung davon, wie viel CO2 in ihren Wäldern steckt, das ist verrückt“, glaubt Sam.

    Bisher gibt es die Daten von Sylvera für Unternehmenskunden, die sich mit Abo durch die Daten klicken können, Projekt pro Projekt. Doch in Zukunft soll das Ganze auch auf den Emissionshandelsbörsen angeboten werden. Durch die Bewertung der Projekte will Gill ein Standard-Rating-System einführen. Sein Ziel: damit das Greenwashing bekämpfen. Denn wenn die Projektbewertungen öffentlich einsehbar sind, können das auch die Kunden der Unternehmen sehen. „Dann wird klar, wer wirklich was ändern will und für wen das alles nur eine Marketingkampagne ist“, sagt Sam.

    Lippe vom Thünen-Institut jedenfalls begrüßt Initiativen wie Sylvera. Sie könnten Treiber für die formale Bewertung von Klimaschutzprojekten werden. Um wirklich Vertrauen zu schaffen, müsste sich das Start-up seiner Ansicht nach aber zertifizieren und den Methodenansatz durch unabhängige Gutachter prüfen lassen.

    Mehr: Der Paris-Effekt: Wie der Klimavertrag die Weltwirtschaft umgestaltet

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