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The Spark Das sind die Gewinner des Digitalpreises The Spark

Blickfeld entwickelt günstige und robuste Lidar-Sensoren – zum Beispiel fürs autonome Fahren. Damit gewinnt es den Deutschen Digitalpreis The Spark.
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Die Blickfeld-Mitarbeiter Alexander Papst (2. v. l.) und Rolf Wojtech (2. v. r.) mit McKinsey-Deutschland-Chef Cornelius Baur (r.) und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe. Quelle: Marc-Steffen Unger  für Handelsblatt
The-Spark-Gewinner

Die Blickfeld-Mitarbeiter Alexander Papst (2. v. l.) und Rolf Wojtech (2. v. r.) mit McKinsey-Deutschland-Chef Cornelius Baur (r.) und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Wenn Florian Petit wissen will, wie er und seine Kollegen vorankommen, fährt er runter in die Tiefgarage mitten in der Münchener Innenstadt. Das Start-up Blickfeld entwickelt Sensoren, die ein dreidimensionales Bild der Umgebung erstellen. „Die Maschine bekommt Augen“, beschreibt der Robotikspezialist das Ziel. Säulen und Wände, Autos und Fußgänger dienen als Anschauungsmaterial.

Blickfeld hat eine große Vision: Das Unternehmen will mit seiner Lidar-Technologie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Fahrzeuge autonom durch den Verkehr steuern können, nicht nur in Tiefgaragen, sondern auch auf der Autobahn und in der Stadt. Der Cube – so der Name des Produkts – soll dank einer neuen Konstruktion deutlich kleiner und gleichzeitig günstiger als bisher verfügbare Sensoren sein.

Damit hat Blickfeld die Jury des Deutschen Digitalpreises The Spark, den Handelsblatt und McKinsey am Donnerstagabend verliehen haben, überzeugt: Das Münchener Start-up belegt 2019 den ersten Platz. Es entwickle eine „potenzielle Zukunftstechnologie von entscheidender Bedeutung für die Automobilindustrie“, begründet das Expertengremium seine Entscheidung.

Nun gilt es, die Industrie zu überzeugen: Anfang nächsten Jahres beginnt die Massenproduktion.

Ein Lidar – kurz für „Light Detection and Ranging“ – ist ein Sensor, der das Umfeld erfasst. Das Gerät schießt Laserstrahlen in die Umgebung und misst deren Reflexionen. Die Software des Systems errechnet anhand der Laufzeiten die Positionen und Bewegungen von Objekten im Blickfeld. Kurz: Aus den vielen Punkten setzt sich ein detailliertes dreidimensionales Bild zusammen, zum Beispiel vom Verkehr auf der Straße.

Dieses Prinzip kommt schon seit Jahrzehnten zum Einsatz, zum Beispiel in der Raumfahrt. In den vergangenen Jahren ist jedoch ein Hype entstanden: Die Erfassung der Umwelt ist eine Voraussetzung, damit Autos ohne menschliches Zutun fahren können – Lidar-Technologie spielt daher in den Plänen der meisten Hersteller eine zentrale Rolle. Die Investmentbank Woodside Capital Partners erwartet, dass die Autoindustrie bis 2024 allein für die Sensoren 4,9 Milliarden Dollar ausgibt.

Es sei zwar möglich, viele Informationen mit Kameras zu erfassen, erklärt Daniel Göhring, Professor für Informatik an der Freien Universität Berlin, der auf die Wahrnehmung von Robotern spezialisiert ist. „Ein Laserscanner macht es aber leichter, Geschwindigkeiten und Distanzen zu messen.“ Das gelte insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen, in der Nacht oder bei Nebel etwa. „Als Ingenieur sage ich: Wenn ich bessere Daten bekommen kann, nehme ich sie.“

Ein Durchbruch im Massenmarkt

Heutige Lidar-Technologie hat jedoch gravierende Nachteile: Sie ist groß, teuer und überdies fehleranfällig. So müssen Unternehmen und Hochschulen, die an autonomen Autos forschen, die Sensoren in auffälligen Zylindern auf die Dächer montieren. Dabei kalkulieren sie pro Einheit mit mehreren Tausend Euro Kosten, teils deutlich mehr. Dass solche Systeme auf absehbare Zeit in Serie gehen, ist kaum denkbar.

Das wollen die Blickfeld-Gründer Florian Petit, Rolf Wojtech und Mathias Müller ändern. Die drei haben eine Kernkomponente des Lidar neu erfunden: Der Spiegel, der die Laserstrahlen lenkt, wird mit Halbleitertechnologie auf einem Siliziumchip gefertigt. „Die Fertigung ist in großen Stückzahlen sehr kosteneffizient“, erklärt Petit. Zudem benötige der Sensor keine Mechanik – er sei somit wartungs- und verschleißfrei. 34 Patente hat die Firma angemeldet.

Informatikprofessor Göhring hofft, dass Unternehmen wie Blickfeld der Durchbruch gelingt: „Wenn sich das Verfahren bewährt, ist es vielversprechend“, es ermögliche deutlich niedrigere Preise. Für den Forscher stellt sich derzeit aber noch die Frage, was genau diese Geräte leisten können und wie zuverlässig sie im Alltag sind. Testen konnte er sie in seinem Labor in Berlin-Dahlem noch nicht.

Wie viel der Cube kosten wird, will Mitgründer Petit noch nicht sagen. Bei einer Massenfertigung sei es aber möglich, die Komponente für einige Hundert Euro zu verkaufen. „Dadurch wird die Integration in Serienfahrzeuge möglich“, betont er. „Wir sprechen von Stückzahlen im Millionenbereich. Das hat langfristig extrem großes Potenzial“, beschreibt der Gründer das Geschäftsmodell.

Das Unternehmen sieht weitere Anwendungsfälle. Industriebetriebe können die Technologie beispielsweise für die Automatisierung und Logistik nutzen, Städte für die Verkehrssteuerung und Parkplatzerkennung, Sicherheitsdienstleister für die Überwachung von Gebäuden und Geländen – dafür braucht es präzise Bilder von der Umwelt.

Blickfeld hat mit einem Partner begonnen, eine Produktionslinie aufzubauen. Derzeit überprüft das Start-up noch die Qualität, ab dem ersten Quartal 2020 soll der Verkauf beginnen. „Wir sind dabei, Strukturen für den Geschäftsbetrieb und Vertrieb aufzubauen“, sagt Petit.

Zunächst wenden sich die Verkäufer an die Industrie. Parallel sprechen sie mit den Autoherstellern. Die haben allerdings Entwicklungszyklen von drei bis fünf Jahren – da ist etwas Geduld gefragt. Man sei mit etlichen Konzernen eng in Kontakt, dürfe deren Namen aber aus Gründen der Vertraulichkeit nicht nennen, erklärt der Gründer.

Ein Projekt immerhin ist öffentlich bekannt: Mit dem Zulieferer Koito arbeitet Blickfeld daran, die Sensoren in Scheinwerfer zu integrieren. Dafür muss das jetzige Produkt noch kleiner werden.

Das Geschäft ist allerdings umkämpft. Firmen wie Valeo, Robosense und Valodyne arbeiten bereits seit Jahren an Lidar-Technologie, und mehrere Risikokapitalgeber gehen große Wetten darauf ein: Start-ups haben in den vergangenen fünf Jahren 1,2 Milliarden Dollar erhalten, wie der Marktforscher CB Insights erhoben hat. Blickfeld gibt sich selbstbewusst. „Wir bieten das beste Gesamtpaket an“, sagt Blickfeld-Mitgründer Petit – der Cube sei so robust, klein und günstig wie kein Konkurrenzprodukt.

Gespräche über neue Finanzierungsrunde

„Weil der Lidar-Markt sehr umkämpft ist, spielt Geschwindigkeit eine große Rolle“, weiß der Elektrotechniker aber. Blickfeld bemüht sich daher im Moment um eine weitere Finanzierungsrunde. Bisher hat das Start-up knapp neun Millionen Euro von mehreren Investoren erhalten, nun will es einen zweistelligen Millionenbetrag einsammeln.

Das Management will das Geld investieren, um die Belegschaft in den nächsten Jahren von derzeit rund 90 Mitarbeitern zu verdoppeln und den Verkauf des Produkts zu starten. Der Cube soll bald nicht nur testweise zum Einsatz kommen, sondern überall.

Platz zwei: Brighter AI
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