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„The Spark“ Platz 3: Quantum Systems – Ein Computer mit Flügeln

Quantum Systems hat zwei Drohnen entwickelt, die einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Drohnen haben.
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Die Drohnen des Zweitplatzierten kombinieren die Vorzüge von Hubschraubern und Flugzeugen – sie können senkrecht starten und landen, und in der Luft in den Flugmodus umschalten.
Drohne von Quantum Systems

Die Drohnen des Zweitplatzierten kombinieren die Vorzüge von Hubschraubern und Flugzeugen – sie können senkrecht starten und landen, und in der Luft in den Flugmodus umschalten.

München
Wo strahlt der Boden noch? Forscher der Hochschule München fuhren kürzlich in die Sperrzone von Tschernobyl, um den radioaktiven Abfall auf einer Karte zu verzeichnen – auch 32 Jahre nach der Explosion des Atomkraftwerks sind viele Lagerstätten noch unbekannt. Im Gepäck hatten sie eine Drohne des Start-ups Quantum Systems: In 45 Minuten vermaß sie mehrere Quadratkilometer mit Lasern und Strahlenmessgeräten.

Es ist nur eines von vielen Projekten. Aber es macht deutlich, womit sich die Fluggeräte Tron und Trinity auszeichnen: Sie vereinen die Vorzüge von Hubschraubern und Flugzeugen. „Unsere Drohnen können senkrecht starten und landen – sie brauchen daher keine freie Fläche, um die Luft zu kommen“, sagt Mitgründer Armin Busse. Sind sie in der Luft, schalten sie in den Flugmodus – und gleiten schnell und sparsam dahin.

Das klingt einfach, ist aber schwer umzusetzen. „Damit Tragflächensysteme fliegen, brauchen sie eine gewisse Geschwindigkeit“, sagt Busse, der vor seinem betriebswirtschaftlichen Abschluss bereits Maschinenbau studiert hat. Wenn die Strömung abreiße, gelte dasselbe wie bei jedem anderen Fluggerät: „Runter kommen sie alle!“

Quantum Systems hat deswegen einen Autopiloten entwickelt, der den Übergang steuert: Die Propeller schwenken aus der Horizontalen in die Flugrichtung und beschleunigen dabei die Drohne. „Diese Technologie ist der Kern unseres geistigen Eigentums“, sagt Busse. „Man sieht nur die äußere Hülle, aber der Computer im Inneren der Drohne ist die Hauptentwicklung.“

Das Interesse am Thema kommt nicht von ungefähr: Die Gründer Florian Seibel, Tobias Kloss und Michael Kriegel lernten sich kennen, als sie an der Universität der Bundeswehr am Lehrstuhl für Flugsystemdynamik arbeiteten. Busse studierte ebenfalls an der Hochschule. Der fünfte Mitgründer, Michael Wohlfahrt, ein promovierter Physiker, war einst Lehrer von Seidel und begeisterte ihn für die Luftfahrt.

Die Modelle fliegen mit diesem Prinzip bis zu achtmal weiter als herkömmliche Drohnen und können mehr Gewicht laden. Damit eignen sie sich für die Überwachung großer Flächen und langer Strecken, vom Sperrgebiet in Tschernobyl über Bahngleise bis hin zu Wäldern. Es ist ein Wachstumsmarkt. Bis 2020 sind nach Schätzung des Analysehauses Gartner 2,1 Millionen Drohnen im kommerziellen Einsatz, der Umsatz wächst auf 11,2 Milliarden Dollar. Die Konkurrenz ist aber groß, Konzerne wie Start-ups forschen an Drohnen.

Quantum Systems hat eine nicht bezifferte Finanzierung von einem bayerischen IT-Systemhaus erhalten. Nun bereitet Busse eine weitere Finanzierungsrunde vor, die 15 Millionen Euro einbringen soll – für neue Projekte.

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