Big Data Wie der Ochs vorm Datenberg

Die systematische Analyse von Produktionsdaten erhöht die Wettbewerbskraft der Industrie. Der Berg an Informationen ist für die Unternehmen ein kostbares Gut. Den Wissensvorsprung zu nutzen, fällt dennoch vielen schwer.
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Alles vernetzt: Die Informationsflut in der Fertigung nimmt zu. Quelle: Imago

Alles vernetzt: Die Informationsflut in der Fertigung nimmt zu.

(Foto: Imago)

HamburgIn der Fertigungshalle des Metallverarbeitungsbetriebs TMS in der Nähe von Trier läuft fast alles automatisch. Ein Lasergerät schneidet Metallstufen für eine Baumaschine zu, daneben trennt ein Gerät Halterungen für den Fassadenbau aus einem Blech. Eine dritte Maschine fertigt Antirutschgitter, die für Außentreppen benötigt werden. Die Produktionsautomaten werden laufend mit Konstruktionsdaten gefüttert, fertige Teile schicken sie selbsttätig an ein angebundenes Hochregallager.

Eine automatisierte und vernetzte Fabrik wie diese erzeugt eine regelrechte Flut an Informationen: Sensoren überwachen die Arbeitsschritte. Maschinen kommunizieren mit anderen Maschinen. Der Datenberg, der dabei anfällt, ist ein kostbares Gut: Wer die einzelnen Infohappen miteinander verknüpfen kann und daraus Schlussfolgerungen zieht, kann Prozesse effizienter und flexibler gestalten sowie aussagekräftige Prognosen treffen. Mittelständlern fällt es aber oft schwer, den Wissensvorsprung zu nutzen.

Wie Big Data Ihr Leben verändert
Stau auf der A8
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Dicht an dicht: Wenn die Autos auf der Straße stehen, lässt sich das mit moderner Technologie leicht nachvollziehen. Zum einen gibt es Sensoren am Straßenrand, zum anderen liefern die Autos und die Smartphones der Insassen inzwischen Informationen über den Verkehrsfluss. Diese Daten lassen sich in Echtzeit auswerten und mit Erfahrungswerten abgleichen – so wird klar, wo gerade ungewöhnlich viel los ist und beispielsweise eine Umleitung Sinn ergeben würde. Ein Pilotprojekt dazu lief in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Eines ist aber klar: Alle Big-Data-Technologien helfen nichts, wenn zu viele Autos auf zu kleinen Straßen unterwegs sind.

Google Books
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Fundgrube für Forscher: Google Books ist nicht nur eine riesige digitale Bibliothek. Die abertausenden eingescannten Texte lassen sich auch bestens analysieren. So kann nachvollzogen werden, welche Namen und Begriffe in welchen Epochen besonders häufig verwendet wurden – ein Einblick in die Denkweise der Menschen. Der Internet-Konzern nutzt den Fundus außerdem, um seinen Übersetzungsdienst Translate zu verbessern.

Grippe
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Schnupfen, Kopfschmerz, Müdigkeit: Das sind die typischen Symptome der Grippe. Aber wann erreicht die Krankheit eine Region? Bislang konnte man das erst feststellen, wenn es zu spät war. Der Internet-Riese Google hat ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich Grippewellen voraussagen lassen: Flu Trends. Bei der Entwicklung hielten die Datenspezialisten nicht nach bestimmten Suchbegriffen Ausschau, sondern nach Korrelationen. Wonach also suchten die Menschen in einer Region, in der sich das Virus ausbreitete? Sie filterten 45 Begriffe heraus, die auf eine unmittelbar anrollende Grippewelle hindeuten – ohne dass irgendein Arzt Proben sammeln müsste.

Twitter-Aktie kräftig im Plus
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Aufwärts oder abwärts? Die Millionen von Kurznachrichten, die jeden Tag über Twitter in die Welt gezwitschert werden, können Aufschluss über die Entwicklung der Börsen geben. Denn aus den 140 Zeichen kurzen Texten lassen sich Stimmungen ablesen – das hat ein Experiment des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) gezeigt. Je intensiver die Emotionen, desto stärker die Ausschläge. Marktreife Investitionsmodelle, die auf Tweets setzen, gibt es indes noch nicht.

Flugpreise
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Lotterie am Himmel: Die Preise von Flugtickets lassen sich für Laien kaum nachvollziehen. Auch eine frühe Buchung garantiert kein günstiges Ticket, weil die Fluggesellschaften ständig an der Schraube drehen. Das wollte sich der Informatiker Oren Etzioni nicht gefallen lassen: Er sammelte mit seiner Firma Farecast Millionen von Preisdaten, um künftige Preisbewegungen zu prognostizieren. 2008 kaufte Microsoft das Start-up, die Funktion ist jetzt in die Suchmaschine Bing integriert.

UPS
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Jeder Meter kostet Zeit und Geld. Daher wollen Logistikunternehmen ihre Fahrer auf kürzestem Wege zum Kunden lotsen. Der weltgrößte Lieferdienst UPS führt dafür in einem neuen Navigationssystem Daten von Kunden, Fahrern und Transportern zusammen. „Wir nutzen Big Data, um schlauer zu fahren“, sagte der IT-Chef David Barnes der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Hintergrund läuft ein komplexes mathematisches Modell, das auch die von den Kunden gewünschten Lieferzeiten berücksichtigt.

Indian kite maker congratulates US President Obama in Amritsar
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Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama 2012 zur Wiederwahl verhalfen: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Daten aus Registern und Sozialen Netzwerke zurück. So ließen sich die Bürger gezielt ansprechen.

Laut einer Studie der Beratungsfirma Pierre Audoin Consultants (PAC) sehen zwei Drittel der Produktionsleiter im industriellen Mittelstand die Welle an Informationen als "sehr große IT-Herausforderung". Über den Handlungsbedarf sind sich die meisten bewusst: "Das rasante Datenwachstum wird insbesondere in der Produktion zunehmend als drängendes Problem erkannt", sagt PAC-Berater Karsten Leclerque. Vor allem fertigungsnahe Prüfdaten und Qualitätskennzahlen sowie Datenmengen aus der Lager- und Transportlogistik müssten mit geeigneten IT-Lösungen bewältigt werden.

"Die Vernetzung der Produktion und der Logistik ist die Grundlage für die Verbesserung bestehender Fertigungsabläufe", sagt Klaus Bauer, Entwicklungsleiter für Basistechnologien bei dem Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf. Um diese Idee einer intelligenten Fabrik, die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 diskutiert wird, in der Praxis umzusetzen sei die Verarbeitung großer Datenmengen "von zentraler Bedeutung", meint Berater Leclerque.

In einer Fabrikhalle von Siemens in der Oberpfalz wird die Herausforderung des Phänomens Big Data deutlich: 1995 wurden hier täglich 5 000 Daten erhoben, heute sind es mehr als 50 Millionen. Alle Maschinen sind online, für die Qualitätskontrolle gibt es mehr als 1000 Sensoren, für die Logistik im Werk mehr als 1000 Scanner.

Frühwarnsystem für die Produktion
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