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Digitale Vermögensverwaltung So funktioniert der neue Robo-Advisor von Allianz und Moneyfarm

Die Allianz und das Fintech-Unternehmen Moneyfarm bringen einen neuen digitalen Vermögensverwalter auf den deutschen Markt.
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Auf Expansionskurs. Quelle: Moneyfarm
Moneyfarm-Gründer Giovanni Daprà

Auf Expansionskurs.

(Foto: Moneyfarm)

Frankfurt Kaufen oder selbst bauen? Vor dieser Entscheidung stehen alteingesessene Finanzinstitute, wenn es um den Einsatz neuer Technologien geht. Die Allianz hat sich für eine Beteiligung entschieden. Seit einem Jahr ist die Investmenttochter Allianz Asset Management größte Minderheitsaktionärin des digitalen Vermögensverwalters Moneyfarm. Wie das Handelsblatt vorab von den Unternehmen erfuhr, startet die Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) nun in Deutschland mit dem Finanz-Start-up einen neuen Robo-Advisor.

Der digitale Vermögensverwalter reiht sich ein in die Riege von aktuell rund 30 solcher Angebote in Deutschland. Per Internet klicken sich die Kunden bei ihnen durch einen Fragenkatalog und erhalten automatisch einen Anlagevorschlag. Die meisten bestücken die Portfolios mit kostengünstigen Indexfonds (ETFs), wenige nutzen gemanagte Fonds.

Bei Moneyfarm werden die Portfolios auf einer Anlagestrategie von AGI basieren. Bei einem Portfolio mit mittlerem Risiko werde diese zu 30 Prozent mit aktiv gemanagten AGI-Fonds umgesetzt. Zudem kommen aktive Fonds von Drittanbietern und ETFs zum Einsatz.

Giovanni Daprà hat Moneyfarm 2012 in Italien gegründet und drei Jahre später ein Angebot in Großbritannien gestartet. Die Unabhängigkeit seines Start-ups scheint mit dem Einstieg von AGI passé. Als Vertriebsplattform der Allianz will Daprà seinen Robo-Advisor aber nicht verstanden wissen: „Wir kombinieren unser Technologie- und Investment-Know-how“, sagt er.

„Bislang hatten wir nicht in die Expertise für aktives Management investiert, was einer der Gründe dafür war, dass wir uns auf passive Produkte konzentriert haben. Zudem waren die aktiv gemanagten Fonds, zu denen Retail-Investoren über normale Kanäle Zugang hatten, zu teuer.“ Die nun verwendeten AGI-Fonds seien für Privatanleger im Direktvertrieb nicht zugänglich und böten einen Kostenvorteil.

„Die Zusammenarbeit mit Moneyfarm ist für uns ein bedeutender Schritt“, sagt Jackie Hunt, Mitglied des Vorstands der Allianz SE. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, selbst einen Robo-Advisor aufzubauen, denn Moneyfarm ist bereits erfolgreich, hat eine gute Marke und die Chemie hat auch gestimmt“, sagt.

Konkurrenz beschleunigt das Geschäft

Auch beim deutschen Marktführer Scalable Capital ist vor zwei Jahren mit Blackrock ein Fondsanbieter eingestiegen, der rund 35 Prozent des Start-ups hält. Vereinbarungen zur Anlagestrategie gebe es jedoch nicht, sagt Gründer Erik Podzuweit. Aktuell verwalte Scalable 1,5 Milliarden Euro. Moneyfarm hat es bislang auf 700 Millionen Euro gebracht.

Beschleunigt wird der Markteintritt in Deutschland durch die Übernahme des Konkurrenten Vaamo im vergangenen November. „Die Übernahme hatte für uns mehrere Vorteile: Wir haben großartige Mitarbeiter mit viel technologischem Wissen und guten Kontakten dazugewonnen. Darüber hinaus konnten wir die Zeit bis zur Produkteinführung dank der Lizenz und der Plattform von Vaamo verkürzen“, sagt Daprà.

Die Marke Vaamo ist inzwischen verschwunden. Die Portfolios würden weitergeführt, die Kunden sollen jedoch ein Angebot für den Wechsel zum Moneyfarm-Produkt erhalten. Ausgewählte Nutzer sollen dieses ab sofort in einer sogenannten Beta-Phase testen.

Ab September soll es ab einem Mindestanlagebetrag von 5.000 Euro frei zugänglich sein. Die Kosten sollen je nach Anlagebetrag zwischen 0,6 und 1,3 Prozent pro Jahr liegen – inklusive Fondskosten und gegebenenfalls 0,1 Prozent Performance-Gebühr. Zunächst werde das gemeinsame Produkt nur in Deutschland verfügbar sein, eine Ausweitung auf Italien und Großbritannien sei aber nicht ausgeschlossen, so Daprà.

Als Besonderheit des neuen Angebots bewirbt der Gründer das „hybride Servicemodell“. „Wir bieten unseren Kunden per Telefon nicht nur technische Unterstützung, sondern beraten sie beispielsweise auch bei der Wahl der passenden Anlagestrategie und des Anlagebetrags“, erklärt er.

Geplant sei, dafür im Verlauf des ersten Jahres ein Team mit bis zu 15 Mitarbeitern aufzubauen. Zusatzkosten sollen den Kunden dadurch nicht entstehen. „Wir sind der Überzeugung, dass es wichtig ist, Anleger über eine digitale Plattform anzusprechen, die zugleich eine persönliche Beratung bietet“, sagt Jackie Hunt.

Hybride Modelle gelten unter Experten als wichtiger Erfolgsfaktor für Robo-Advisors. „Wenn die Kommunikation nur über das Internet läuft, schreckt das viele Anleger ab“, sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. „Die Anbieter benötigen mindestens einen guten Telefonservice, helfen können auch Informationsveranstaltungen, auf denen sie mit Kunden in Kontakt treten.“

Scalable Capital beispielsweise setzt schon länger auf diesen Ansatz. Das Münchner Fintech tourt in regelmäßigen Abständen durch diverse deutsche Metropolen. Dabei setzt es zum einen auf Neukundenakquise, ermöglicht aber auch persönliche Gespräche für Kunden, die mehr als 100.000 Euro investiert haben. Konkurrent Liqid ermöglicht persönliche Gespräche in Frankfurt und Berlin. Und Robin, den digitalen Vermögensverwalter der Deutschen Bank, können Kunden seit Herbst auch in Filialen des Geldhauses abschließen.

Mehr: In Deutschland buhlen rund 30 automatisierte Vermögensverwalter um Kunden. Doch längst nicht alle bekommen gute Noten.

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