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Google I/O

Stephanie Cuthbertson präsentiert auf der Google Entwicklerkonferenz das neue Android-Betriebssystem.

(Foto: Reuters)

Entwicklerkonferenz Wie Google Mensch und Maschine miteinander verbinden will

Die Alphabet-Tochter unterstreicht ihre Dominanz bei Künstlicher Intelligenz. Neuerdings schreibt sich Google auch Privatsphäre auf die Fahne.
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Mountain ViewDer Typ mit der Google Glass in einer der vorderen Reihen wirkt fehl am Platz. Seit jeher trugen die Datenbrille bevorzugt mittelalte, weiße Männer, die mehr Zeit vor dem Rechner verbrachten als an der Frischluft. Der Nasencomputer mit der dauerfilmenden Video-Kamera erregte öffentliches Ärgernis und avancierte zum Symbol für Privatsphäre-Verletzungen in der digitalen Welt. Bei Google fristet das Produkt inzwischen ein Nischendasein – und bei Googles Entwicklerkonferenz IO in Mountain View dominiert Pop- statt Nerd-Kultur.

Durch die Reihen der großen Freiluftbühne brausen Laola-Wellen. Mehr als 7400 Zuschauer, darunter Entwickler, Programmierer, Journalisten und Google-Fans im Freiluftzelt schaukeln zu hämmernden Elektrobeats. Ein gut gelaunter DJ legt auf, in Jeans-Jacke, Hoodie und mit Kaugummi im Mund. Den Musiker begleitet auf der Bühne eine Künstliche Intelligenz (KI), die den jungen Japaner beim Mixen ablöst. Mit freundlicher Frauenstimme lässt die Technologie wissen, sobald sie an den Turntables die Führung übernimmt. „Jetzt bin ich dran“, säuselt sie.

So stellt sich Google die Zukunft vor: als spielerisches Mensch-Maschine-Miteinander. Intelligente Maschinen stehen für den Nutzer als Stimme aus dem Off bereit, unterstützen und übernehmen immer mehr Aufgaben – die Erlaubnis des Nutzers vorausgesetzt.

„Wir entwickeln uns von einer Firma, die dabei hilft, Antworten zu finden, zu einer Firma, die ihm dabei hilft, Dinge zu erledigen“, kündigt Google-Chef Sundar Pichai bei seiner Keynote zu der dreitägigen Konferenz an, bei der die Firma traditionell die wichtigsten neue Produkte und Strategien präsentiert.

Seit 21 Jahren organisiert Google die Informationen der Welt. Nun will es aktiv ins Leben der Nutzer eingreifen – ohne unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen beim Datenschutz selbstverständlich. „Wir glauben, dass alle Innovationen mit Sicherheit und Privatsphäre funktionieren müssen“, sagt Pichai.

Dazu stellt Google eine entscheidende Neuerung vor: Der Google Assistant läuft künftig lokal auf den Smartphones ohne die Sprachaufnahmen zur Analyse in die Cloud zu schicken. Das soll für mehr Datenschutz sorgen und die Technologie insgesamt schneller und besser machen.

Der Konzern werde die neue Funktion im Herbst mit neuen Smartphones von Googles Hausmarke „Pixel“ einführen, verspricht Google-Manager Scott Huffman. Die Demonstration auf der Bühne ist schon mal beeindruckend. Die Assistenzsoftware reagiert blitzschnell auf Befehle, selbst dann, wenn sie verschiedene Anfragen parallel erhält. Dank der neuen Funktion soll der Google Assistant Resultate zehnmal schneller ausgeben als bislang, verspricht Google. Eine Diktierfunktion, die Sprache in geschriebene Worte umwandelt, funktionierte bei der Demo auch im Flugmodus.

Er versteht künftig den Kontext der Kommunikation und Referenzen, er unterscheidet zum Beispiel, ob der Nutzer mit dem dem Ausdruck „Mom’s House“ das Zuhause seiner Mutter meint oder ein gleichnamiges Restaurant. Um die neue lokale Funktionsweise der Assistenzsoftware umzusetzen, habe das Unternehmen die nötige Softwarebasis von 100 Gigabyte auf 500 Megabyte verkleinert, erklärt Pichai.

Der Hype um die Privatsphäre

Der Google-Assistent wird schneller, schlauer – und kommt mit weniger Daten aus als bisher. Das sind neue Töne von Google. Die Tech-Riesen aus dem Silicon Valley hat ein regelrechter Privatsphäre-Hype erfasst.

Google-Chef Pichai präsentiert sich als Hüter der Privatsphäre. Vergangene Woche gab Facebook-Chef Mark Zuckerberg bereits eine ähnlich überraschende Parole aus. „Die Zukunft ist privat“, lautete das Mantra von Zuck und seinen Managern. Wie der Facebook-Chef lobt auch Pichai inzwischen allerorts die europäische Datenschutzgrundverordnung, die sein Konzern zuvor noch mit hartnäckiger Lobbyarbeit verhindern oder zumindest hatte aufweichen wollen.

Doch an der neuen Rede von mehr Privatsphäre führe kein Weg vorbei, glauben Industriebeobachter. Cambridge Analytica und die nicht enden wollenden Serie von Datenschutz- und Sicherheitsproblemen, habe eine „Krise digitaler Services erzeugt, die persönliche Informationen sammeln“, urteilt Forrester-Analyst Frank Gillett. Besonders trifft sie Google und Facebook, die massenhaft Nutzerinformationen für personalisierte Werbeanzeigen auswerten.

Großer Profiteur der Vertrauenskrise ist Apple, das zu einer Art Datenschutz-Vorreiter avancierte. Kein Wunder, verdient es sein Geld vorwiegend mit Hardware-Verkäufen, auch wenn sich bereits ein Strategiewechsel zu den Services ankündigt.

Tim Cook betont inzwischen bei jeder Gelegenheit: Privatsphäre sei ein „Menschenrecht“. Nun hält Google-Chef Pichai dagegen. „Privatsphäre und Sicherheit ist das Fundament für alles, was wir tun.“ Zu den weiteren Neuerungen der IO gehört das Versprechen, dass Nutzer künftig stärker kontrollieren können, wann und wo sie Daten von sich preisgeben.

Aktivieren sie etwa den neuen „Inkognito Mode“ für Kartendienst Google Maps, verknüpft Google die Informationen zu den Orten, die der Nutzer besucht oder nach denen er sucht, nicht mehr mit seinem Profil. Und die automatische Löschung älterer von Google gesammelter Nutzerdaten will Google nach und nach auf mehr Kategorien ausweiten. Nutzer können ihre Informationen mit einem Verfallsdatum von drei oder 18 Monaten versehen.

Einige Google-Kritiker überzeugte dies nicht. Noch während Google-Chef Pichai die neuen Thesen zur Privatsphäre präsentierte, zog ein Flugzeug mit Banner über dem Shoreline Theater seine Bahnen. „Kontrolle durch Google ist nicht Privatsphäre“, lautete die Protestbotschaft auf dem Banner. Industriebeobachter äußern sich ebenfalls skeptisch.

Google benötige für sein Geschäftsmodell nach wie vor viele Daten, argumentiert der Analyst Gillet von Forrester. Mit der neuen Funktion für den Google Assistant gingen zwar einfache Nutzerinformationen nicht mehr an den Konzern. „Aber es ist nicht klar, ob die Ergebnisse der Rechenprozesse zurück an Google gesendet werden.“

Der Computerwissenschaftler Pedro Domingos von der Universität Washington gibt zu Bedenken: Dank großer Fortschritte bei KI-Modellen sei es heute möglich, dass die KI auch mit geringerer Softwarebasis und weniger Energieverbrauch auf mobilen Geräten liefe. „Aber diese Modelle funktionieren natürlich nicht so gut wie die KI-Modelle in der Cloud.“

Nicht zuletzt sollen die neuen Datenschutzwerkzeuge Googles Dominanz bei der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz demonstrieren. Nach dem Motto: Seht her, während Konkurrenten wie Amazon ihre eigene Assistenzsoftware „noch“ in der Cloud laufen lassen, ist die Google-Technologie schon weiter.

Für Alphabet ist dies umso wichtiger, da der Suchmaschinenriese hier nach Meinung von Computerwissenschaftler Domingos bei KI unter Druck gerät. „Google ist der Anführer beim KI-Rennen, aber der Vorsprung auf Facebook und Amazon ist in den letzten Jahren bedenklich geschrumpft“, sagt er.

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