Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Data & Analytics

Kundenidentifizierung Bertelsmann-Tochter Arvato startet neue Plattform zur Geldwäsche-Prävention

Die Plattform für Banken und Unternehmen soll Kundenidentifizierungs-Prozesse vereinfachen und Geld sparen. Ähnliche Initiativen der Geldhäuser waren zuvor gescheitert.
Kommentieren
Die Bündelung von Kundendaten erlaubt eine effiziente Durchleuchtung. Quelle: DigitalVision Vectors/Getty Images [M]
"Kenne deinen Kunden"

Die Bündelung von Kundendaten erlaubt eine effiziente Durchleuchtung.

(Foto: DigitalVision Vectors/Getty Images [M])

FrankfurtDrei Buchstaben treiben derzeit viele Banker um: KYC. Die Abkürzung steht für „Know your customer“ und beschreibt den Prozess der Kundenidentifizierung, den Banken durchführen müssen, um Geldwäsche und andere kriminelle Aktivitäten zu unterbinden. Er ist mit großem Aufwand für beide Seiten verbunden.

Geht es nach der Bertelsmann-Tochter Arvato und der von ihr gegründeten BFS Finance GmbH, soll sich der Aufwand für Banken und Firmenkunden schon bald um bis zu 80 Prozent reduzieren. Der IT-Dienstleister bastelt an einer einheitlichen Plattform zur Kundenidentifizierung und will diese bald national wie international ausrollen.

Einen Namen hat die KYC-Plattform offiziell noch nicht, am 1. Juli soll die Pilotphase starten. „Wir wollen sowohl Banken als auch Unternehmen das Leben einfacher machen“, sagt BFS-Geschäftsführer Paul Haase dem Handelsblatt. „Unsere Vision ist es, ein Netzwerk zu schaffen, wo alle relevanten Stammdaten für die Bankenregulierung zusammenkommen“, so Haase.

Der Vorstoß von Arvato ist der zweite Anlauf für ein Gemeinschaftsprojekt im Bereich der Geldwäscheprävention. 2018 scheiterte nach langen Vorarbeiten ein entsprechender Plan von Deutscher Bank, Commerzbank, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und Landesbank Baden-Württemberg für eine gemeinsame Datenplattform an Unstimmigkeiten zwischen den Projektpartnern.

Dabei würde eine zentrale Erfassung solcher Kundendaten vermutlich viele Doppelarbeiten und damit Kosten reduzieren. In den Niederlanden oder Belgien existieren vergleichbare Kooperationen bereits. Denn Firmen müssen laut Geldwäschegesetz viele Fragen beantworten – etwa zum Firmensitz, zur Rechtsform, zur Geschäftsführung oder zum ultimativ wirtschaftlich Berechtigten.

Bis zu 250 Einzeldaten müssen angegeben werden. Und die Bank muss überprüfen, ob die gemeldeten Informationen auch richtig sind. All das kostet Geld – und muss bei vielen Geschäftsvorgängen sogar regelmäßig wiederholt werden.

Laut einer Schätzung des Analysehauses Lexis Nexis aus dem Jahr 2017 sind die Ausgaben zur Geldwäscheprävention durch Finanzdienstleister in Deutschland in den vergangenen Jahren um 15 bis 23 Prozent pro Jahr gestiegen. Durch die Umsetzung der fünften EU-Geldwäsche-Richtlinie in nationales Recht dürften die Anforderungen bis 2020 erneut steigen.

Schon bei diesem ersten Anlauf gewann Arvato laut eigener Aussage die Ausschreibung für die Plattform. Auf diesen Vorarbeiten konnten die Programmierer nun aufbauen. Bei möglichen Kunden ist Arvato offen: „Vom Dax-Konzern bis zur Bäckerei können sich alle Unternehmen anmelden“, sagt Haase. Der Nutzen eines internationalen Großkonzerns, der viele verschiedene Bankverbindungen pflegt, sei freilich höher.

Welche Banken an der Pilotphase teilnehmen, ist unklar. Die Commerzbank arbeitet nach eigenen Angaben „intensiv“ an Lösungen, die Kunden entlasten und Prozesse effizienter machen könnte und sieht sich dabei national wie international um. Mit Arvato stehe sie „in engem Kontakt“ und diskutiere unter anderem rechtliche und regulatorische Fragestellungen.

Die Deutsche Bank ist Finanzkreisen zufolge nicht dabei. Die LBBW sagte, sie verfolge „die Aktivitäten zu KYC mit Interesse“, die Helaba signalisierte, sie habe ein großes Interesse daran, „dass es eine Lösung gibt.“ An KYC-Lösungen arbeitet in Deutschland nicht nur Arvato, die Gütersloher sind aber wohl am weitesten vorangekommen.

„Der Markt ist attraktiv“, sagt Haase. Allein in Deutschland gebe es über eine Million registergeführte und über zwei Millionen nicht registergeführte Unternehmen, die mit Banken zusammenarbeiten. Für alle Firmenkundensegmente der Geschäftsbanken sei die Lösung valide.

Da es sich bei den Daten um sensible Informationen handelt, ist der Schutz vor Hackern ein großes Thema. So werden die Daten der Firmen in zweifacher Form gelagert – je nach Kundenwunsch. Zum einen können sie zentral in der Cloud abgelegt werden, wodurch der Kontakt zwischen Bank und Kunde sehr schnell abläuft. Unternehmen, die ihre Daten nicht Arvato überantworten wollen, können sie auch dezentral auf den eigenen Servern lagern und der Plattform nur punktuell Zugriff gestatten.

Datenqualität ist wichtig

Außerdem soll die Plattform nur Stammdaten beinhalten, etwa zur Rechtsform, zu den Organen und Anteilseignern einer Firma, aber keine bonitätsrelevanten Daten, etwa zu Umsätzen und Geschäftsplänen.

Die Lösung kommt zu einer Zeit auf den Markt, in der Behörden die Banken beim Kampf gegen Geldwäsche immer stärker in die Pflicht nehmen. Zuletzt sorgte die Verstrickung der Danske Bank in einen Geldwäscheskandal in Estland für Aufsehen. Und in Deutschland wurden Deutsche Bank und N26 von den Behörden verpflichtet, Teile ihrer Kundendaten neu zu erfassen.

Die Fälle zeigen, dass Datenqualität extrem wichtig ist – auch für Angebote wie von Arvato. Die schnellste Plattform hilft nicht, wenn die gespeicherten Daten falsch sind. „Die Daten werden niemals zu 100 Prozent richtig sein. Aber wir tun das Maximalmögliche, um die Datenqualität gemäß regulatorischer Vorgaben zu erhöhen“, verspricht Haase. Man sei in Gesprächen mit den Aufsehern.

Deren Rolle ist zentral. „Ein Knackpunkt des Vorhabens ist die nötige Zustimmung der Aufsichtsbehörden“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität. „Wenn eine Bank die Kundenidentifizierung an eine Drittplattform auslagert, ist das erlaubnispflichtig durch Bundesbank oder EZB.“

Doch was passiert, wenn eine Bank sich wegen falscher Kundendaten der Beihilfe zur Geldwäsche schuldig macht? Laut Haase ist das leicht zu beantworten: „Arvato haftet für den Prozess und einen bestmöglich, nach regulatorischen Vorgaben ermittelten Datensatz. Für eine falsche Entscheidung haftet die Bank.“

Mehr: Bertelsmann: Die Konkurrenz der Tech-Konzerne macht dem Familienunternehmen zu schaffen. Der Vorstandschef schwört seine Top-Manager auf die Herausforderung ein.

Startseite

0 Kommentare zu "Kundenidentifizierung: Bertelsmann-Tochter Arvato startet neue Plattform zur Geldwäsche-Prävention"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote