Messe-Beginn Revolution in den Fabrikhallen

In den Werkshallen von morgen steuern die Maschinen selbständig, was produziert wird. Und sie warnen, bevor ein Teil kaputtgeht. Ein Blick in die Zukunft.
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Gebaut von einem Roboter: Lego-Eisbär aus der Forschungsfabrik. Quelle: Christof Kerkmann

Gebaut von einem Roboter: Lego-Eisbär aus der Forschungsfabrik.

LemgoWenn Jürgen Jasperneite erklären will, wie er sich die Fabrik der Zukunft vorstellt, lässt er einen Eisbären aus Lego-Steinen zusammenstecken. Dreieinhalb Klötzchen hoch, anderthalb Klötzchen lang. Mit Kulleraugen, einer runden, schwarzen Nase und dreieckigen Ohren.

Jasperneite ist nicht Tierforscher, sondern Professor für industrielle Informationstechnik: Er bringt Industrie und Computer zusammen. Am Forschungsinstitut CIIT in Lemgo, nicht weit von Bielefeld entfernt, entwickelt er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und Maschinenbau-Firmen eine intelligente Produktionsanlage. Sie baut Lego-Spielzeug zusammen – und bietet nebenbei Einblicke, wie die Produktion der Zukunft aussehen könnte.

Denn die Industrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Dank der rasanten Fortschritte in der IT und Telekommunikation lassen sich Leitzentrale und Werk, Roboter und Fließbänder, Gabelstapler und Lager miteinander vernetzen. „Es geht darum, Intelligenz in die Maschinen zu bringen“, sagt Jasperneite, der an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und am Fraunhofer-Institut arbeitet. Das Ziel: Die Anlagen sollen sich selbst steuern, schneller einsatzbereit sein, Fehler erkennen – kurz: wirtschaftlicher arbeiten. Auf der Hannover Messe, die am Montag beginnt, ist die Vernetzung der Fabrik das große Thema, das Messemotto lautet „Integrated Industry – Next Steps“ – viele Experten sprechen auch von Industrie 4.0. Jasperneite und sein Team sind dabei, samt ihrer Eisbärenfabrik.

Für die deutsche Wirtschaft sind diese nächsten Schritte von großer Bedeutung. „Deutschland hat das Potenzial zum internationalen Leitmarkt und Leitanbieter in der Industrie 4.0 und den damit verknüpften Diensten“, schreibt die Deutsche Akademie der Technikwissenschaft (Acatech). Das ist eine Chance für die Maschinenbauer, die mit ihrer Hightech die Fabriken der Welt ausrüsten. Gleichzeitig könnten die neuen Technologien der Industrie mit ihren hohen Lohnkosten helfen, sich gegen die Konkurrenz aus Fernost zu wehren.

Natürlich gibt es in modernen Fabriken längst Computer. Doch die Entscheidungen treffe am Ende immer der Mensch, sagt Elektrotechniker Jasperneite: Er bestimmt die Abläufe, er überlegt sich, wie man Zeit und Geld sparen könnte. Die smarte Fabrik steuert sich dagegen selbst: Sie soll autonom entscheiden, was sie als nächstes herstellt; sie soll selbst Schäden entdecken, bevor der Roboterarm lahmt oder das Band stockt; und sie soll selbst herausfinden, wie sich Energie sparen lässt. „Die Fabrik soll sich so verhalten können, wie man es derzeit nur dem Menschen zutraut“, sagt Jasperneite.

Wie die vernetzte Fabrik funktioniert, lesen Sie auf der nächsten Seite.

„Plug and produce“
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9 Kommentare zu "Messe-Beginn: Revolution in den Fabrikhallen"

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  • R.Hegglin, volle Zustimmung !!!!

  • Das ist ja hoch interessant, was es alles für Maschinen gibt,die denn Menschen ersetzen. Einen Schönheitsfehler hat es aber, was macht man mit den Menschen die vorher die Arbeit gemacht haben?
    Vielleicht sollte man für Maschinen eine Sozialabgabe einführen, damit man die Menschen unterstützen kann, die wegen Maschinen Arbeitslos werde, oder ins Soziale abseits geraten.
    Ach ja, ich habe vergessen das der Steuerzahler und die andern Beitrags Zahler mit Freude die mehr Kosten übernehmen, wenn Firmen durch Maschinen arbeitsplätze weg Rationalisieren.

  • @ StefanBode

    Diese Frage stellen sich die Menschen erst dann, wenn es zu spät ist. Das war schon immer so und wird leider auch immer so bleiben. Aber vielleicht sind wir Menschen ja auch nur die Vorstufe - und der "höherentwickelte Mensch" soll eigentlich die Maschine sein?

  • "Recht einfach: den kann ich in einer Wüste zu Not selbst wieder ins Fahren bringen,..."
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    Bei manchen der heutigen Fahrzeuge kann man nicht mal mehr eine Glühbirne wechseln, ohne das halbe Fahrzeug zu zerlegen (ist nicht VW so ein Spezi?). Da lobe ich mir meinen alten Kompbi, da geht das notfalls noch per Tastsinn im Dunkeln.
    Spaß beiseite: Früher als Student habe ich (fast) alles selber geschraubt, vom kompletten Bremsenwechsel über Ventile justieren bis hin zum Vergasereinstellen (ergab einen prima Spritverbrauch!), heute geht das ohne teure Diagnosegeräte usw. nicht mehr, der ganzen Elektronik sei Dank: Der Werkzeugkasten ist weitgehend in Rente gegangen, die Schrauberzeiten sind vorbei. Selbst bei meinem älteren Kombi kann man ohne Spezialwerkzeug nur noch Kleinkram reparieren.

  • Warum ich hier noch einen alten Lada herumstehen habe, wenns ins Gelände geht?

    Recht einfach: den kann ich in einer Wüste zu Not selbst wieder ins Fahren bringen, während die SUV-Truppe auf den Kundendienst warten muß - inmitten einer Wüste...

  • Bei der ganzen Maschinisierung wird der Mensch vergessen. Das Wirtschaftssystem muß überdacht werden, denn aktuell werden die Menschen aus Sicht des Systems immer überflüssiger, doch wer soll die Produkte der Maschinen dann kaufen, wenn die Menschen kein Geld zum konsumieren bekommen?

  • "Können diese tollen Maschinen auch einen Drucker produzieren der länger als 2 Jahre hält, ein Auto dass mindestens 200.000 km läuft ohne Macken, eine Waschmaschine die 20 Jahre hält?"
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    Ein paar gute Stichworte.
    Drucker? Nun ja, meiner hält jetzt schon ein paar Jahre und geht auch sparsam mit der Tinte um (kaum mal Druckkopfreinigung nötig). Habe ich jetzt nur Glück gehabt? Normalerweise bekommt man Drucker, die über viele Jahre tagtäglich zuverläßig ihren Dienst tun, nicht für 39,90 vom Discounter, sondern erst für deutlich >500€ bis hin zum mittleren bis hohen 4-stelligen Bereich.
    Autos: Die extreme Hochzüchtung der Motoren ist der Standfestigkeit nicht gerade förderlich. Aber das ist der Kunde teilweise selber schuld. Wer 180 PS aus einem 1,3 Liter Motörchen will, zahlt eben mit Zuverläßigkeit und Langlebigkeit, während ein Motor mit 50...70 PS/Ltr. eine "halbe Ewigkeit" hält, ein bißchen sachverständige Pflege vorausgesetzt.
    Waschmaschine: Auch hier gilt: Immer mehr fehlerträchtige Gimmicks drin, was auf die Zuverläßigkeit geht.
    Anders ausgedrückt: Die Zuverläßigkeit und Langlebigkeit ist ungekehrt proportional zur Komplexität eines Gerätes, es sei denn, man betreibt richtig Aufwand mit selektierten Bauteilen, was dann auch entsprechend kostet.

  • Können diese tollen Maschinen auch einen Drucker produzieren der länger als 2 Jahre hält, ein Auto dass mindestens 200.000 km läuft ohne Macken, eine Waschmaschine die 20 Jahre hält? Nichts gegen die Fabrik 4.0, aber vielleicht läge ein vernünftiger Fortschritt ganz woanders.

  • Gesellschaftspolitisch hinkt das Gemeinwesen hoffnungslos der technischen Entwicklung hinterher: eine Frage der Zeit, bis ein Großteil der Konsumgüter von Maschinen erzeugt werden können, die wiederum von Maschinen gebaut werden.
    Vor diesem Hintergrund wirkt heutige Arbeits(markt)politik heillos überfordert.
    Dabei sind die technischen Entwicklungen bereits seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und Jahrtausends nicht nur vorhersehbar gewesen.

    Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Enden von Fahnenstangen technischer Entwicklungen noch längst nicht erreicht scheinen: da ist noch jede Menge Luft nach oben hin.

    Ob Technik den Menschen erziehen wird?
    Sie tut es längst.

    Solange gesellschaftspolitische Konzepte aus der Zeit der Vorindustrialisierung, das meint beide Hauptsrömungen derzeit geltender Doktrinen (entfesselter Kapitalismus vs Kommunismus vice versa), zur Wahrung eines jeweils für gültig gehaltenen status quo weiterhin gegenseitig in Anschlag gebracht werden (sollen?), solange wird gemeinwesenorientierte Politik vmtl wenig mehr als ein frommer Wunsch bleiben.
    Man kann nur auf eine Politikergeneration hoffen, die um diese Probleme nicht nur weiß, sondern diese auch öffentlich zu kommunizieren vermag, mindestens ebenso wie dass die Menschen sich von ihren eigenen Werkzeugen künftig nicht instrumentalisieren lassen (werden).

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