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Soziale Netzwerke Wie Unternehmen einen Shitstorm überleben

Immer mehr Unternehmen sind in sozialen Netzwerken aktiv. Bei einigen Mitarbeitern herrschen jedoch Bedenken vor. Was der Auftritt bei Facebook, Twitter und Co. bringt – und wie man einen Shitstorm überlebt.
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38 Prozent der Unternehmen sind in sozialen Netzen wie Facebook oder Twitter aktiv, hat eine Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) ergeben. Quelle: dpa
Social Media

38 Prozent der Unternehmen sind in sozialen Netzen wie Facebook oder Twitter aktiv, hat eine Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) ergeben.

(Foto: dpa)

DüsseldorfManchmal fühlt sich Klaus Eck wie ein Therapeut. Etwa, als der Social-Media-Experte dem Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens gegenübersitzt. Eigentlich wollten sie zum Start der Firmen-Facebook-Seite nur noch Details durchgehen. Doch dem Mann auf der anderen Seite des Tisches war unbehaglich. Geduldig versucht Eck herauszufinden, wo das Problem liegt. Es ist die Tatsache, dass der Mitarbeiter mit seinem eigenen Namen auf Facebook auftreten soll.

Solche Bedenken hört Eck häufig, wenn er Unternehmen beim Einstieg in die Social-Media-Welt berät: „Viele Menschen haben Angst, für ihr Unternehmen persönlich auf Facebook sichtbar zu werden.“ Ähnliche Erfahrungen hat Pia Kleine Wieskamp gemacht: „Manche wollen nur anonym als Social-Media-Team auftauchen“, sagt die Kommunikationsexpertin und Inhaberin der Agentur Point-PR in München.

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...ist nicht immer leicht. Um Im Internet-Dschungel den Überblickt zu behalten, gibt Alugha-Gründer Bernd Korz, Experte für multilinguale Videos hilfreiche Tipps.

(Foto: Reuters)
Download
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Für den Eigengebrauch ist es laut Korz erlaubt, Videos und Tonspuren von Videoplattformen anzuschauen. Ein erneutes Wiederhochladen und Veröffentlichen ist rechtlich allerdings nicht gestattet. Eine Ausnahme bildet der Download bei sogenannten „offensichtlich rechtswidrigen Quellen“, die Downloads grundsätzlich verbieten. Beispiele hierfür sind Plattformen, die aktuelle Kinofilme zum Download anbieten. Auch bei YouTube tauchen mittlerweile immer öfter Videofilme auf, dessen Upload nicht rechtmäßig ist. Hier sollte unbedingt Vorsicht geboten sein, diese herunterzuladen – der Nutzer macht sich sonst strafbar.

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Fremdes Material
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Vor allem kleine Videoproduzenten greifen anfangs auf bereits im Internet vorhandenes Material wie Schnittbilder kleiner Videoszenen oder Hintergrundmusik zurück. „Solange das Fremdmaterial vorerst für den ersten Rohentwurf gedacht ist und keine Veröffentlichung des Videos geplant ist, bewegt man sich auf der rechtlich sicheren Seite“, urteilt der Experte Bernd Korz. Kritisch würde es allerdings ab dem Zeitpunkt, wenn das Werk publiziert werden soll. Insbesondere dann, wenn die im Video verwendete Musik Gema-pflichtige Musik ist. Korz: „Alles was in diese Kategorie fällt, kann und wird von der Gema abgemahnt, da diese einen Urheberrechtsverstoß darstellen.“ Nutzer sollten daher am besten schon im Vorfeld auf potenzielle Gema-Musik verzichten oder sich mit dem Rechteinhaber in Verbindung setzen, um eine Genehmigung einzuholen.

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Gebäude
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Und ein Videodreh in privaten Räumlichkeiten oder auf einem Privatgrundstück? Auch das bedarf immer einer Genehmigung. Nur solange nicht in die Räume von einem öffentlichen Gelände gefilmt wird, ist das in Deutschland erlaubt. Vor allem Aufnahmen von Städten, Sehenswürdigkeiten oder ähnlichem sind unproblematisch. Finger weg heißt es aber bei militärischem Sperrgebiet – das ist grundsätzlich verboten.

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Inhaltsrechte bei Videos
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Wenn Menschen gefilmt oder fotografiert werden, dann gilt das „Recht am eigenen Bild“, das im allgemeinen Persönlichkeitsrecht verankert ist. Dieses Grundgesetz sichert, dass niemand ungefragt oder gegen seinen Willen Bildmaterial von sich findet. Vor allem dann, wenn das Gesicht zu sehen ist, braucht man als Produzent die schriftliche Einverständniserklärung für die Bildnutzung. Hierbei gibt es jedoch laut Korz auch Ausnahmen, wie beispielsweise der Wanderer, der als Teil einer Landschaft gefilmt oder fotografiert wird. Der Experte rät: „Da eine Abgrenzung nicht immer einfach ist, empfiehlt es sich auf Statisten oder Schauspieler zurückzugreifen, von denen man vorab die Genehmigung erhalten hat.“

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Let's Play Videos
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Let's Play bezeichnet das Vorführen und Kommentieren des Spielens eines Computerspiels. Rechtlich gesehen verstoßen diese Videos klar gegen das Urhebergesetz, da die Player beim Spielehersteller nachfragen müssten, wenn er das Spiel öffentlich wiedergeben möchte, insbesondere dann, wenn er dieses bei Youtube als Werbeeinnahme nutzt. Allerdings stehen viele Spielehersteller Let's Play offen gegenüber, da sie kostenlos Werbung erhalten. Um auf der sicheren Seite zu sein, ist es jedoch ratsam, vorab die Genehmigung bei dem jeweiligen Hersteller einzuholen, da dieser sonst eine Teilhabe an den Werbeeinnahmen, Unterlassung oder Offline-Stellung des Videos verlangen kann. Korz warnt: „Im schlimmsten Fall können sogar Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden.“

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Marken und Designs
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Vorsichtig sollten Nutzer auch sein, wenn in Videos geschützte Produkte, Designs und Markennamen verwendet werden. Hier gibt es ein enormes Konfliktpotential, denn die Markenrechtsinhaber wollen in der Regel kontrollieren, wie ihre Marke in der Öffentlichkeit erscheint. Anders ist es, wenn das Unternehmen einem seine Produkte für Reviews oder Testvideos zur Verfügung stellt – dann darf man diese natürlich verwenden und auf seinem Kanal veröffentlichen. Verträge oder Vereinbarungen regeln im Vorfeld, wie die genaue Verwendung aussehen darf und soll. Erscheinen Marken jedoch nebenbei, gilt auch hier, dass dies in der Regel kein Problem darstellt. Ein längerer Verbleib auf dem Markennamen kann hingegen schon problematisch werden, wenn das Unternehmen seine Markenrechte einfordert. Kleiner Tipp vom Video-Experten: „Ein Aufkleber, der das Logo unkenntlich macht, kann hierbei schon der feine Unterschied sein, um das Unternehmen nicht auf den Plan zu rufen.“

(Foto: dpa)

Doch am Thema Social Media führt kein Weg mehr vorbei. Das regelmäßige Veröffentlichen eigener Beiträge auf Facebook, Twitter und Co., vor Kurzem noch als modischer Hype belächelt, gehört für immer mehr Unternehmen zum Tagesgeschäft. 38 Prozent sind in sozialen Netzen wie Facebook oder Twitter aktiv, hat eine Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) ergeben.

Social Media wird dabei ganz unterschiedlich definiert. Während laut BVDW kleine Unternehmen vor allem auf die Präsenz in sozialen Netzen wie Facebook setzen, bevorzugen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern eher Kundenforen, betreiben eigene Blogs oder entwickeln mobile Firmen-Apps für Smartphones.

Für einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt müssen die Mitarbeiter bereit sein, sich für ihre Firma ins virtuelle Rampenlicht zu stellen und mit den Kunden in Kontakt zu treten. Menschen mit Namen und einem Gesicht – das macht Social Media im Kern aus. Wirklich fasziniert sind die Kunden immer erst dann, wenn sie den Eindruck haben, das Unternehmen gestatte ihnen einen Blick hinter die Kulissen.

Das macht zum Beispiel der Uhrenhersteller Junghans. Das Traditionsunternehmen aus Schramberg im Schwarzwald ist eher ein Spätstarter im Social Web. Erst Ende Oktober 2014 hat Junghans parallel zum Webseiten-Redesign seine Facebook-Seite neu gestaltet und die Zahl der Postings erhöht. Die Zahl der Facebook-Freunde kletterte immerhin auf mehr als 3200. Die versorgt Junghans regelmäßig mit Hintergründen zur Uhrenproduktion, mit multimedialen Zeitreisen durch die Geschichte des Unternehmens und mit Infos rund um den 154-jährigen Firmengeburtstag Mitte April.

Gegenüber klassischer Werbung bietet Social Media zusätzliche Chancen. So helfen Kundenkommentare, die Zielgruppe besser zu verstehen. Richtig gemacht, gewinnt die Marke neue oder jüngere Kunden. Mit etwas Geschick wird so aus dem braven Hersteller von Opas Armbanduhr eine hippe Marke mit Retrocharme.

Junghans beispielsweise veröffentlicht auf Facebook Fotos aktueller High-Tech-Uhren, um Innovationen und die Technikkompetenz herauszustellen – beides Faktoren, die auch für viele andere Unternehmen bei ihren Social-Media-Aktivitäten im Vordergrund stehen: Laut BVDW-Studie wollen fast drei Viertel aller Unternehmen mit Facebook, Twitter und Co. ihre Bekanntheit ausbauen, die Kundenbindung stärken sowie das Image verbessern.

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