Vernetztes Gesundheitssystem Deutschland – digital verschnupft

High-Tech und neue Software könnten das deutsche Gesundheitssystem – eines der teuersten der Welt – wesentlich effizienter machen. Technisch sind viele Anwendungen ausgereift. Der Nachholbedarf ist dennoch groß.
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Nur 24 Prozent der deutschen Allgemeinmediziner tauschen Daten auf elektronischem Weg aus. In der Europäischen Union sind es im Durchschnitt 36 Prozent. Quelle: dpa
Digitalisierte Praxis

Nur 24 Prozent der deutschen Allgemeinmediziner tauschen Daten auf elektronischem Weg aus. In der Europäischen Union sind es im Durchschnitt 36 Prozent.

(Foto: dpa)

DüsseldorfUnter die Aussteller in Halle 16 hatte sich auf der diesjährigen Computermesse Cebit ein junger Mann im Arztkittel gemischt. Dort stellten Start-ups aus, die beim Gründerwettbewerb Code_n in die Endrunde gekommen waren. Johannes Jacubeit ist einer von ihnen. Der 32-Jährige ist Gründer von Connected Health.

Er hat eine App und eine kleine Box entwickelt, die er „Hub“ nennt. Auf dem Telefon können mit der Software Krankendaten gespeichert und über einen kurzen Kontakt mit dem „Hub“ ins Computersystem des Arztes übertragen werden. Auf Wunsch werden auch die Daten aus anderen Gesundheits- oder Fitnesstrackern mitgesendet, etwa die Werte aus der Apple-Health-App.

Welche Technologien uns besser leben lassen
Umrisse erkennen:
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Blinde können mit einem Computerchip (73.000 Euro ohne Operation), der in die Netzhaut implantiert wird, wieder sehen. Eine Kamerabrille überträgt Bilder zum Chip, der das Signal an den Sehnerv weiterleitet. Der Akku am Gürtel liefert den Strom.

Berührungslos greifen:
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Ein Chip erfasst Nervenreize. Denkt ein Proband „Greifen“, kann er eine Prothese fernsteuern.

Magnetismus spüren:
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Werden kleine Magnete unter die Haut der Fingerkuppen implantiert (200 Euro), können Menschen elektromagnetische Felder wahrnehmen.

Besser hören:
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Ein Mikrochip im Innenohr (38.000 Euro) lässt Taube wieder hören.

Stimmung steuern:
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Hirnschrittmacher (ab 31.000 Euro) senden elektrische Impulse ins Gehirn, um epileptische Anfälle, das Zittern von Parkinson-Kranken und Depressionen zu heilen.

Lähmung überwinden:
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Mit einer vollelektronischen Orthese (60.000 Euro) können Menschen gelähmte Gliedmaßen wieder benutzen.

Natürlich gehen:
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Mikroelektronik in modernen Prothesen wie der des deutschen Athleten Markus Rehm (30.000 bis 40.000 Euro) kontrolliert und steuert innerhalb von Millisekunden die Position des Kunstbeins beim Gehen, Rennen oder Treppensteigen.

Jacubeit, der selbst Mediziner ist, will damit die Diagnose schneller und präziser machen. „Bisher basiert der Datenaustausch zwischen Arzt und Patient auf Papier und CD“, erklärt er. Ein Arzt habe etwa sechs bis acht Minuten pro Patient. Eine schnelle Übersicht zu bekommen, sei enorm hilfreich.

Immer wieder muss der Jungunternehmer in diesen Tagen Journalisten Rede und Antwort stehen. E-Health ist als Schlagwort schon seit Jahren verbreitet, doch bisher mangelt es an Anwendungen, besonders für Patienten. Laut dem „Deutschen Start-up-Monitor 2014“ des Bundesverbands Deutscher Start-ups sind von rund 880 befragten Neugründungen gerade einmal 3,1 Prozent im Bereich Bio-, Nano- und Medizintechnologie tätig.

Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen besteht deutlicher Nachholbedarf: Dem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft 2015 der EU-Kommission zufolge, tauschen nur 24 Prozent der deutschen Allgemeinmediziner Daten auf elektronischem Weg aus. In der Europäischen Union sind es im Durchschnitt 36 Prozent. Auch schicken nur 15 Prozent der Ärzte Rezepte über das Internet an Apotheken, in der EU sind es 27 Prozent.

Die Autoren des Indexes kommen zu dem Schluss: „Effizienz und Umfang der im Rahmen der Gesundheitssysteme angebotenen Dienste könnten durch eine Digitalisierung erheblich gestärkt werden.“ Genau das Richtige also für das deutsche Gesundheitssystem, das eines der teuersten der Welt ist. Laut den OECD-Gesundheitsdaten 2014 beliefen sich die Gesamtausgaben für Gesundheit in Deutschland 2012 auf 11,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Nur in vier anderen Ländern lag der Anteil höher.

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1 Kommentar zu "Vernetztes Gesundheitssystem: Deutschland – digital verschnupft"

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  • Es ist völliger Irrsinn (!), solche hochsensiblen Daten durch nur vermeintlich sichere Netzwerke/Clouds zu schicken. Das sollten sich die ganzen Vernetzungsfanatiker mal klar machen. Mir ist erst kürzlich Folgendes passiert: Meine gesetzliche Krankenversicherung schickt mir eine neue Versichertenkarte. Darauf fehlt plötzlich mein zweiter Vorname. Ein Anruf ergibt, dass niemand mir sagen kann, wer den Vornamen aus dem System entfernt hat und warum. Datensatz einfach geändert. Keine nachvollziehbare Änderungshistorie. Und das ist nur ein harmloser Fall.

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