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Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

China kann auch anders Vorreiter statt Klimakiller

China will Europa und den USA vormachen, wie Emissionshandel geht - mit einem radikalen Ansatz. Und das Land will im Kampf gegen den Klimawandel in keinem Fall in die gleiche Falle tappen wie die Europäische Union.
Versinken im Smog: In den Großstädten Chinas gehört die Luftverpestung zum Alltag.
Alltag in China

Versinken im Smog: In den Großstädten Chinas gehört die Luftverpestung zum Alltag.

Peking Chinas Präsident Xi Jinping hat den Ort für seine große Ankündigung genau gewählt. Ausgerechnet beim Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Washington stieß Staatschef Xi mit einem ambitionierten System zum Handel von Emissionsrechten vor. Ab 2017 soll das System in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt landesweit umgesetzt werden. Gerade der weltgrößte Klimasünder kann mit einem ambitionierten Programm aufwarten, während der als Klimapräsident angetretene Obama den Emissionshandel trotz eines Pilotprojektes in Kalifornien nicht landesweit etablieren konnte. Pekings System könnte auch das strauchelnde Handelsprojekt in Europa weit hinter sich lassen.

Im Kern des chinesischen Systems steckt ein revolutionärer Ansatz: Das Eigentum an natürlichen Ressourcen soll grundsätzlich von dem Recht gelöst werden, sie auch zu nutzen. Die Rechte sollen hingegen mit einem Marktsystem verkauft werden, und so zum ökonomischen Treiber für Umweltschutz werden.

Wang Wenqiang ist einer der Architekten des Programms. Der schlaksige Han-Chinese mit Brille hat über lange Zeit mit seiner Firma SinoCarbon Innovation & Investment die Regierung zum Emissionshandelssystem beraten. „Viele der grundsätzlichen Ideen für das chinesische Programm stammen aus Europa und den USA“, räumt er im Gespräch mit dem Handelsblatt ein.

Das Prinzip ist einfach: Wenn eine Firma Treibhausgase in die Luft schleudert, muss sie dafür mit Emissionszertifikaten zahlen, die auf den Energiebörsen gehandelt werden. Aber China will in keinem Fall in die gleiche Falle tappen wie die Europäische Union. Nachfrage und Angebot sollen besser gesteuert werden. Und das System soll langfristig nicht auf Luft beschränkt bleiben, sondern könnte etwa auch auf Wasser und Boden erweitert werden. Vielleicht lässt sich in einigen Jahren auch das chinesische mit dem europäischen System verknüpfen, wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) meint.

Die größten Stromfresser und wie man sie ausschaltet
Staubsaugen
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Seit September 2014 müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Die Geräte dürfen nur noch maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen.

Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile "Versuchsparcours" an, auf denen man die Staubsaugermodelle testen kann.

(Foto: dpa)
EU-Vorschriften für stromfressende Kaffeemaschinen
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Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten.

Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“

(Foto: dpa)
Was Verbraucher gegen die steigenden Stromkosten tun können
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Kaffeemaschinen sind nur ein Beispiel für den unnötigen Stromverbrauch im Haushalt. Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können.

(Foto: dapd)
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Eco-Programme beim Spülen benutzen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in "Normal"-Programmen.

Datengrundlage des Rankings: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Tipps zum Energiesparen: Eigene Recherche und Umweltbundesamt-Broschüre "Energiesparen im Haushalt", die als PDF heruntergeladen werden kann.

(Foto: dpa)
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Moderne Umwälzpumpen lohnen sich

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des Haushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden.

(Foto: dpa)
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Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und Wind

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.
Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.
Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren.

(Foto: dpa)
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Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen.

(Foto: dapd)

In Europa gilt der Handel mit CO2-Zertifikaten seit seiner Einführung 2005 als zentrale Säule im Kampf gegen den Klimawandel. Energiewirtschaft und Industrie sind zur Teilnahme an dem Handelssystem verpflichtet, nicht aber die Landwirtschaft oder der Verkehrssektor. Mit drastisch sinkenden Preisen durch ein Überangebot an Zertifikaten sind die ökonomischen Anreize für viele Unternehmen aber verschwunden, in emissionsarme Technik zu investieren. Die EU hat sich darum auf die Einführung einer Marktstabilitätsreserve geeinigt, um die Überschüsse am Markt langsam abzubauen.

China geht in die Offensive

So heizen Sie im grünen Bereich – und sparen Geld
Neue EU-Regeln
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Schon im Herbst 2015 nahm die EU den Energieverbrauch von Heizungen und Warmwasserbereitern ins Visier. Alle Geräte, die nun auf den Markt kommen, müssen energiesparender sein und die EU-Regeln einhalten. Energiefresser werden nach einer Übergangsfrist ganz verboten. Das soll Bürgern beim Stromsparen helfen und das Klima schützen. Ähnliche Auflagen gelten bereits für Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Kühlschränke.

(Foto: picture-alliance)
Was änderte sich am 26. September 2015?
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Die sogenannte Ökodesign-Richtlinie schreibt der Industrie vor, Produkte umweltgerecht zu gestalten, so dass sie wenig Strom verbrauchen. Heizungsanlagen und Warmwasserbereiter müssen von nun an im Handel ein Energie-Etikett tragen. Für eine bestimmte Leistung dürfen sie nicht mehr als eine bestimmte Energiemenge verbrauchen. Die Kennzeichnungspflicht umfasst laut Industrie Heizgeräte, Heizkessel und Warmwasserbereiter bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Wärmepumpen. Auch Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung als Verbundanlage gehören dazu. Es geht dabei nur um neue Geräte.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Was besagt das Energielabel?
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Es gibt an, wie effizient das Gerät mit Energie - etwa Gas, Strom oder Öl - umgeht. Eine Farbskala von grünem A (besonders sparsam) bis rotem G weist den Energieverbrauch aus. So werden zum Beispiel Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik in der Regel mit dem sparsamen Buchstaben A bewertet.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
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Wer seinen alten Boiler gegen einen neuen austauscht, kann laut EU-Kommission bis zu 275 Euro pro Haushalt im Jahr sparen. Neue Geräte benötigten oft nur halb so viel Energie wie alte. Da Heizungen die größten Energieverbraucher im Haushalt sind, können Verbraucher auch da sparen. Private Haushalte verwenden nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Martina Werner im Schnitt 6,4 Prozent ihres Einkommens für den wohnbezogenen Energieverbrauch - davon entfallen ungefähr zwei Drittel auf Heizungskosten. Die EU-Kommission erwartet übrigens nicht, dass die Hersteller die Kosten für neue Geräte wesentlich anheben werden.

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Aber hängen die Kosten nicht auch von der Energieart ab?
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Doch. Verbraucher dürften die Aussagekraft des Labels nicht überschätzen, mahnt das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). Denn bei Heizgeräten sind die Kosten - unabhängig vom Label - ganz verschieden - je nachdem ob Strom, Gas oder Öl gebraucht wird. Im August lagen die Kosten für einen Liter Heizöl im Schnitt gut 20 Prozent unter dem Preis für die entsprechende Energiemenge Erdgas. Zudem kommt es beim Heizen nicht nur auf das einzelne Heizgerät an, sondern auch auf andere Faktoren wie das Alter des Gebäudes oder die Verglasung der Fenster. Die EU-Kommission empfiehlt erneuerbare Energien zu nutzen wie Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Sind die EU-Regeln sinnvoll?
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Ja, sagt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Einsparung von Energie und damit CO2 sind ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und ein wichtiges Signal der Europäischen Union auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris.“ Auch Verbraucherschützer sind zufrieden: „Das reduziert Kosten und ist gut für das Klima“, sagt Monique Goyens von der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc.

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Und was hält die Industrie von dem Label?
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Die ist vorbereitet - zumal das Vorhaben lange angekündigt war und es auch für andere Hausgeräte bereits Energielabel gibt. Handwerker und Installateure hoffen auf neue Aufträge. Die EU-Vorgaben seien „klare Impulse, die helfen, den langersehnten Modernisierungsstau in deutschen Kellern aufzulösen“, schreibt der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

(Foto: dpa)

Während Europa strauchelt, geht China in die klimapolitische Offensive. Bislang hatten chinesische Diplomaten immer wieder die entwickelten Industrieländer in der Bringschuld gesehen und sich gegen verbindliche Reduktionsziele etwa von Treibhausgasen gesträubt. Jetzt könnte China vormachen, wie ein ambitioniertes System zum Handel von Emissionszertifikaten aussehen könnte.

Gleichzeitig legt China mit ambitionierteren Klimaschutzzielen nach. Der weltgrößte Energieverbraucher will seine Kohlendioxid-Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduzieren. Darüber hinaus soll der CO2-Ausstoß möglichst schon vor 2030 reduziert werden. Studien schätzen das Jahr 2025 als realistisch dafür ein.

Den Vorstoß lobt ebenfalls Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „China ist nach meinem Kenntnisstand auch das erste Schwellenland, das sich dazu bekennt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt der Peak an CO2-Emissionen überschritten sein muss und eine Reduktion von CO2 erfolgen muss. Das ist ein mutiger Schritt“, sagte sie Ende Oktober bei ihrer China-Reise. „Dass China 2017 ein Emissionshandelssystem einführen wird, ist beachtlich und wird uns sicherlich auch in Europa sehr beschäftigen.“

Chinas Vorhaben sind von entscheidender Bedeutung, weit über die Grenzen der Volksrepublik hinaus. Denn China ist der größte Klimasünder. In keinem Land der Welt wird so viel CO2 produziert wie hier. Fast ein Viertel des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen kommt aus dem Milliardenreich. Deshalb beeinflusst kein Staat der Welt die Erderwärmung so stark wie der chinesische.

Konkrete Ergebnisse frühestens 2020

Hier fließt Strom ohne Schnur
Ist mit dem Ladefrust bald Schluss?
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Was wir bei Smartphones und Notebooks noch zähneknirschend hinnehmen, weil es keine wirkliche Alternative gibt, gilt schon beim Thema E-Mobilität als ein massives Verkaufshindernis: die geringe Kapazität von Akkus. Wie alltagstauglich kann ein Auto sein, dass nur eine Reichweite von 160 Kilometern hat und bis zu acht Stunden braucht, um seine Batterien um 80 Prozent wieder zu laden? Forscher tüfteln daher fieberhaft an neuen, kabellosen Lösungen für unseren Alltag.

(Foto: dpa)
Hat die Stromtankstelle bald ausgedient?
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Doch mit dem Ladefrust ist bald Schluss, weil Handys, Tabletcomputer und E-Flitzer ihre Energie demnächst schnurlos tanken: anfangs noch in der Nähe spezieller Ladestellen, die in den Schreibtisch eingebaut oder in der Garage installiert sind. In ein paar Jahren, so heißt es in einem Bericht der Wirtschaftswoche, sollen die Batterien dann über Meter hinweg kabellos Strom bekommen. Dann lädt das Handy im Vorbeigehen, das Auto auf der Fahrt über die Autobahn.

(Foto: dpa)
Zahnbürsten laden sich schon lange kabellos
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Das physikalische Prinzip dahinter ist seit mehr als 100 Jahren bekannt: Ein elektrischer Wechselstrom in einer Spule erzeugt ein pulsierendes Magnetfeld, das in einer anderen, entfernten Spule wiederum Strom fließen lässt. Das funktioniert in jeder elektrischen Zahnbürste.

(Foto: Oral b)
Kabelsalat gehört bald der Vergangenheit an
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Spezielle Nachrüstsysteme für Smartphones sind schon länger auf dem Markt. 2015 scheint nun den Durchbruch für das schnurlose Laden zu bringen, glauben Experten. Laut Wirtschaftswoche sollen die weltweiten Umsätze mit dieser Technik in diesem Jahr 1,7 Milliarden Dollar erreichen, mehr als drei Mal so viel wie 2014.

(Foto: dpa)
Braucht kein Kabel zum Laden: Apple Watch
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Auch der Handy-Gigant Apple nutzt diese Technik und lädt seine Uhr schnurlos. Bei Samsungs Spitzen-Smartphone S6 geht das genauso und der schwedische Möbelriese Ikea bietet seit Kurzem Beistelltische und Lampen mit Ladefeldern für Handys an, während die Autobauer das System in der Mittelkonsole integrieren.

(Foto: AFP)
Drahtlos laden bei Starbucks und McDonald's
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Wie weit die neue Ladefreiheit schon in den Alltag vorgedrungen ist, zeigt ein Besuch der Starbucks-Filiale am Union Square im Herzen San Franciscos: Hier haben viele Leute ihre Handys auf Metallplatten abgelegt, auf denen sie die Geräte kostenlos laden. In vielen weiteren Filialen in den USA geht das auch schon, Europa und Asien sollen folgen. Die Fast-Food-Kette McDonald's hat schon nachgezogen, und auch die Fluggesellschaft Emirates rüstet Lounges entsprechend aus.

(Foto: Reuters)
Induktiv laden
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Sparen Sie sich das Gabelgewirr: Auch einige Handys von Samsung (S6), LG oder die Nexus-Modelle von Google lassen sich bereits kabellos wieder aufladen.

(Foto: AFP)

Wie so oft testet China das neue System zunächst mit Pilotprojekten. Sieben Vorhaben laufen. Allerdings haben die Vorhaben bisher gemischte Ergebnisse geliefert. „Die Pilotprojekte haben große Probleme, den CO2-Markt anzuschieben. Das Handelsvolumen ist die meiste Zeit sehr gering“, sagt Jost Wübbeke vom Mercator Institut für China-Studien (Merics) in Berlin. Viele Unternehmen sähen noch keinen Nutzen in dem Handel. Zudem krankte das Projekt etwa in Peking an einem entscheidenden Konstruktionsfehler: Ausgerechnet die besonders dreckigen Branchen wie Stahl und Zement genießen Ausnahmen.

Trotzdem mausert sich China mit seinen Initiativen vor der Klimakonferenz im Dezember in Paris vom einstigen Sündenbock zum klimapolitischen Vorreiter. Im Gegensatz zu Indien: Statt ein absolutes Reduktionsziel für Paris abzuliefern, schickte Premierminister Narendra Modi lediglich ein relatives Ziel gemessen an der Wirtschaftsleistung. Allerdings liegt Indien mit einem Ausstoß von jährlich 1,6 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf auf dem Niveau von China im Jahr 1980.

Pekings Klima-Offensive entwächst keiner Selbstlosigkeit. Die Volksrepublik spürt zunehmend die Auswirkungen des Klimawandels. „Chinas Regierung hat erkannt, dass sich der Klimawandel negativ auf die Landwirtschaft, und damit auch auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln auswirkt“, sagt Wübbeke. Auch deshalb habe Peking mittlerweile das internationale Zwei-Grad-Ziel anerkannt.

Ob China allerdings seine Ziele mit dem Emissionshandel erreichen kann, ist noch völlig unklar. Eindeutig scheint nur, dass es noch Jahre dauern dürfte, bis der Handel in der Volksrepublik wirklich in Gang kommt. „Konkrete Ergebnisse“, meint Wübbeke, „dürften frühestens 2020 sichtbar werden.“

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