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Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Klimagipfel in Paris Kein Weltuntergang? Ketzerisches zur Klimakonferenz

Alle jubeln über die erfolgreiche Weltklimakonferenz. Doch es ist maßloser erdgeschichtlicher und menschheitsgeschichtlicher Irr- und Wahnsinn zu glauben, der Mensch könne Klimawandel verhindern. Aus zwei Gründen.
51 Kommentare
Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.
Professor Tacheles

Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt für das Handelsblatt Gastbeiträge als Professor Tacheles.

Der Weltuntergang wird verhindert! Das ist jedenfalls die weltweit einhellig verkündete Heilsbotschaft nach der so erfolgreichen Pariser Weltklimakonferenz. Die Freude ist angebracht. Nicht nur unsere Bundesumweltministerin jubelt. US-Präsident Obama verkündet gar, dass nun das Klimaproblem „gelöst“ sei. Alle Teilnehmer feiern. Fast ist man zu sagen geneigt: Die ganze Menschheit jubelt.

Muss ich mich schämen oder tadeln, dass ich angesichts des einhelligen Jubels nicht mitjubele? Gewiss, das Ziel, die weitere Erderwärmung nicht nur zu bremsen, sondern zu verringern, ist höchst lobenswert. Damit kann zum Beispiel auch verhindert werden, dass so manches niedrige, am Meer gelegene Gebiet einstweilen keinen Untergang befürchten muss. Das ist zwar weniger als die Verhinderung des Weltuntergangs, aber immerhin großartig. Eindrucksvoll war auch die Konferenzleitung durch den französischen Außenminister Fabius. Wann hat man je die Regierung von Präsident Hollande oder auch nur einen ihrer Minister so souverän, effizient, pragmatisch und politisch erfolgreich erlebt? Hut ab, also „Chapeau“, monsieur le ministre.“

Aus zwei Gründen kann ich nicht mitjubeln, so sehr ich mich mitfreue. Erstens machen mich Jubelorgien skeptisch. Besonders dann, wenn sie eine Person für den Quasi-Messias oder ein politisches Ereignis als Weltrettung oder, umgekehrt, Weltuntergang feiern oder eben beklagen.

Zweitens schauen die meisten Akteure sowie die jubelnden Massen nur aufs Heute und Morgen. Wer jedoch das Gestern vergisst, kann auch das Heute und Morgen nicht richtig einschätzen.

Himmelhoch jauchzend ist meistens so falsch wie zu Tode betrübt. Ich erinnere mich noch an das Jahr 2008. Deutsche und andere in der Welt feierten Barack Obama fast wie einen Messias. Inzwischen ist der Messias von damals ein „Mensch wie du und ich“. Er ist zwar ungemein sympathisch, auch intelligent, aber seine Bilanz ist kaum ansehnlicher als die vieler seiner Vorgänger. In seiner Außenpolitik gilt „mal zick, ´mal zack“. Wenn Obama ein Problem für „gelöst“ hält, ist, wie beim Atomabkommen mit dem Iran, Skepsis angebracht.

Nicht persönlich, sondern grundsätzlich ist meine Skepsis gegenüber dem Pariser Klimaabkommen. Die in diese Vereinbarung gesetzten Hoffnungen sind ganz und gar unrealistisch.

Man muss kein Klimaforscher und kann, wie ich, Historiker oder sonst was sein, um zu wissen: Klimawandel ist eine Konstante der Erdgeschichte. Er hat nie aufgehört, er ist im Gange, und er wird sich fortsetzen. Mit und ohne menschliches Zutun.

Maßlos unbescheiden

Selbstverständlich kann man menschenbedingte Klimaschäden verhindern. Man soll, ja, man muss. Insofern ist das Paris Abkommen sinnvoll. Wer jedoch erwartet, damit wären „die“ Klimaprobleme gelöst, irrt.
Es ist vermessener, maßloser erdgeschichtlicher und menschheitsgeschichtlicher Irr- und Wahnsinn zu glauben, der Mensch könne Klimawandel verhindern. Soll die Erdgeschichte in unserem und unserer Kinder oder Kindeskinder Dasein nur deshalb enden, weil wir da sind? Das ist absurd. Doch diese unausgesprochene Annahme schwingt unbestreitbar mit, wenn Obama & Co,. das Klimaproblem nun für „gelöst“ halten. Wie jedermann bemüht auch Bundesministerin Hendricks die inflationäre Vokabel „historisch“.

Wirklich historisch ist der ständige Wandel des Klimas. Gletscher entstanden, und Gletscher vergehen beziehungsweise schmelzen. Grönland („Greenland“), war mal grün (green), und nun kommt dort das Grün allmählich zurück. Im August 2007 haben sich Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD, damals Umweltminister) diese Veränderung angeschaut. Ihr Urteil gilt als Dogma: Folge des menschenbedingten Klimawandels. Wirklich? Vielleicht teilweise. Aber ausschließlich? Wie wurde das grüne Grönland weiß? Um das Jahr 1.000 war es noch weitgehend grün, und das Vieh der Wikinger weidete dort.

Weltweite Demonstrationen für den Umweltschutz
Demonstrant in Jakarta
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Bei mehreren Tausend Veranstaltungen weltweit haben Demonstranten mehr Umweltschutz und den Abschluss eines Vertrags beim Pariser UN-Klimagipfel gefordert.

Menschenkette in Paris
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Trotz eines Verbots bildeten Demonstranten am Sonntag sogar in Paris, wo nach den Terroranschlägen vom 13. November Ausnahmezustand herrscht, Menschenketten.

Schuhe statt Menschen
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Offiziell erlaubt war eine Aktion auf dem Platz der Republik im Zentrum von Paris. Die Bürgerbewegung Avaaz stellte dort Tausende alte Schuhe auf. Sie sollten Hunderttausende Demonstranten symbolisieren, die wegen des Kundgebungsverbots nicht kommen konnten.

Zusammenstöße mit der Polizei
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Einige Dutzend Demonstranten haben in Paris die Polizei attackiert. Die Sicherheitsbeamten setzten Tränengas ein.

Angriffe auf Behörden
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Mehrere Dutzend Vermummte warfen Flaschen und andere Wurfgeschosse auf Polizisten. Nach Angaben eines Behördensprechers wurden 100 Menschen vorübergehend festgenommen. Niemand sei ernsthaft verletzt worden.

Ausnahmezustand in Paris
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In Frankreich herrscht seit der islamistischen Terrorserie, der am 13. November 130 Menschen zum Opfer gefallen waren, der Ausnahmezustand. Öffentliche Kundgebungen sind verboten.

Proteste in Sydney
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Noch vor den Parisern gingen Zigtausende Australier auf die Straße, um gegen eine weitere Aufheizung der Erdatmosphäre demonstrieren. Alleine in Sydney protestierten mehr als 45.000 Menschen.

In der Natur, im Kosmos, ist es wie bei den Menschen, und wir Menschen sind nur ein Teil des Kosmos. „Generationen kommen, und Generationen (ver)gehen, doch die Welt besteht ewig,“ sagt Prediger Salomonis (1, 4).
Man muss nicht religiös sein, um zu wissen: Nichts ist so beständig wie der ständige Wandel. Es ist manchmal durchaus vorteilhaft, sich biblischer Weisheiten zu erinnern. Man wird dann bezüglich menschlicher Macht und Ohnmacht maßvoll(er), bescheidener. Der Jubel in, von und um Paris ist maßlos unbescheiden. Er missachtet Grundgegebenheiten des Kosmos, denn letztlich macht sich der machtlose Mensch zum Maß aller Dinge – und damit lächerlich.

Allerdings beinhalten die biblischen Weisheiten nicht alle Weisheit oder alles Wissen. Dass die Welt „ewig“ besteht, ist ein frommer Wunsch.
Für ein „Wort zum Sonntag“ beziehungsweise zum Sabbat bin ich nicht kirchen- oder synagogennah genug und außerdem ungeeignet. Stattdessen sei in diesem Zusammenhang ein großartiges Buch empfohlen, das nicht nur zur Weihnachtszeit viele Leser finden sollte. Josef Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends (Frankfurt am Main 2007). Wer dieses Buch liest, kann auch das Pariser Abkommen, den Jubel und die Skepsis besser verstehen.
Der Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn ist u.a. Autor der Bücher „Zum Weltfrieden“ (dtv 2015) und „Wem gehört das Heilige Land?“ (Piper, 12. Auflage 2015)

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51 Kommentare zu "Klimagipfel in Paris: Kein Weltuntergang? Ketzerisches zur Klimakonferenz"

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  • @ Fritz Iversen

    In dem von Ihnen "Null-Argument-Glosse" genannten Beitrag von Herrn Wolffsohn habe ich allerdings mehr Argumente gefunden als in Ihrer seltsam anmutenden Aneinanderreihung von polemischen Ausfällen und Beleidigungen.

    Sie haben nur Recht mit Ihrem ersten Satz: "Hier sucht man das Argument und findet es nicht." Ja, genauso könnte man (wenn auch anders von Ihnen gemeint) die hilflose aber penetrante Drohung mit der angeblichen "Klimakatastrophe" verstehen.

  • Das war das Beste, was ich auf Handelsbaltt seit langem gelesen habe. Ich würde mir diese Qualität im redaktionellen Teil wünschen.

  • Einige Sachen weiß ich genau. In den letzten 17 Jahren ist es nicht wärmer geworden. Zu allem Überfluß ist jetzt auch noch der Meerespiegel weltweit gesunken. Wenn wir noch mehr Menschen auf diesem Planeten werden wollen, brauchen wir auch mehr Sauerstoff. Das funktioniert bestens mit mehr Pflanzenwachstum durch höhere Kohlendioxidgehalte in der Luft. 400 Bäume pro Erdenbürger sind da bestimmt nicht zuviel. Da müssen die Meere eigentlich auch noch etwas dazu
    beitragen. Das funktioniert gut, wenn die etwas an Temperatur zulegen.

  • Hier sucht man das Argument und findet es nicht. Es grenzt an offensivem Irrationalismus.
    Ad 1) Paraphrase: "Euphorie ist stets verdächtig, enttäuscht zu werden." Eine Generalbeliebigkeit, die auf der Unterstellung fußt, es gäbe eine übertriebene Zuversicht. Nein. Es gibt eine gewisse Freude, dass die Konferenz einen Konsens hergestellt hat. Als Paradigma war diese Konferenz hoch spannend und ein überraschend klarer Ausdruck globaler Kooperativität. Demgegenüber ist die Warnung vor Euphorie banal. Einerseits Nullargument, andererseits bedarf es dieser Euphoriebremse überhaupt nicht. Jedem ist sowieso klar: Jetzt beginnt "plain old fashioned work".
    ad 2) Paraphrase: "Unerforschlich ist der Willen von Wolken, Himmel und Kosmos." Gewiss. Das Ölindustrie-Argument - da wäre jetzt niemand drauf gekommen. Was tut es zur Sache? Nichts. Es geht - so oder so - um die Umgestaltung der globalen Energieinfrastruktur. Man muss ja nicht einmal sich davon etwas gegen die Erderwärmung versprechen, um diese gemeinsame Investitionsabsicht der gegenwärtigen Regierungen freudig zu begrüßen. Die Schäden an Umwelt, Gesundheit und Politik (!) sind auch so groß genug, um die Umstellung auf dezentrale und weniger rohstoffabhängige Methoden zu fordern.
    Was mich an dieser Null-Argument-Glosse frappiert, ist mal wieder, wie sich allüberall eine Art Stimmungsmacherei einschleicht. Auf Facebook klingt das alles brutaler, aber im Kern gibt es auch in besten bürgerlichen Zeitungen diese gewisse Tendenz, Überzeugungen zu verbreiten und dabei die Mühen des sachlichen Argumentierens zu umgehen. Gerade gestern eine andere Glosse eines namhaften Journalisten hier bei HB gelesen, der die gleichen sublimen Ausfallerscheinungen zeigte. Was ist nur dem Bürgertum los, dass es sich partout beim Nachdenken nicht mehr richtig bemühen will? Ich finde das, ehrlich, zunehmend bedrückend, wie immer öfter Geist durch Agenda ersetzt wird. Hätte man sich nicht substanzieller äußern können?! Und ob.

  • Was für eine Neuigkeit dass es Eiszeiten und dann auch wieder wärmere Zeiten gab! Hätte ich nicht gedacht. Aber dass der aktuelle Klimawandel im Vergleich zum natürlichen historischen Wandel rasend schnell geht, hat der Autor nicht gemerkt? Die Erkenntnis über den historischen Wandel hilft bei der Bewältigung der drohenden Klimakatastrophe herzlich wenig.

  • Zitat: "Ja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Keiner weiß es genau."
    Sorry, ich muss mal nachfragen: Gibt es jetzt Ihrer Meinung nach ein menschenverursachtes Problem oder nicht?
    "Keiner weiß es genau" hört sich für mich nach Wahrscheinlichkeiten an. Kann sein, muss nicht. Dann bewerten einige Menschen die Sachverhalte eben anderes als andere. Das hat aber dann nichts mit Idieologie oder Idiotie zu schaffen. So denke ich auch nicht über Andersdenkende hier oder im Freundeskreis.

    Die Frage, die ich mir stelle ist eher: Würde ich russisches Roulette spielen? wenn ich gewinne, bekomme ich so viel Geld wie ich will und werde 200 Jahre alt. Der andere Fall folgt dem bekannten Spielprinzip.
    Ich sage halt nein, anderen sagen vielleicht ja.

  • @Anderson

    Gedämmt wird dann nur noch um die Arbeitsplätze in der Dämm-Material-Industrie zu sichern - quasi wegen unserer Rente.

    Es handelt sich einfach um ökologisch-ökonomisch schlaue Kerle.
    LOL

  • @Herr Michael Rensler

    Ja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Keiner weiß es genau.
    Aufgrund dieser gegebenen Unsicherheit so viel Geld zu verpulvern, können nur Ideologen oder andere die auch mit "I" beginnen.

  • Wer sich von Politikern einreden läßt, der Mensch könne das Wetter (fälschlicherweise ständig als "Klima" bezeichnet) beeinflussen, ist selbst schuld. Der läßt sich dann von denselben Leuten auch einreden, der Euro sei eine ganz tolle Sache. Von anderen Themen will ich hier erst gar nicht anfangen.

    Die Politik und ihre Lobby haben die Macht. Sie bestimmen, was wir zu denken haben. MIt CO2 haben sie einen künstlichen Bösewicht erschaffen, sogar Glühbirnen sind mit dieser Begründung verboten worden. Rußpartikel aus Dieselmotoren wurden hingegen staatlich gefördert, obwohl sie für die Gesundheit des Menschen weitaus schädlicher sind.

    Schlimm, wie viele auf jeden offiziellen Schwindel (hier: die Klimakatastrophe) reinfallen.

  • Man kann viel mit "den Wandel gab es schon immer" argumentieren. Die Wahrheit ist doch den Einfluss des Menschen auf das Klima können wir gar nicht einschätzen. Fällen wir morgen jeden Baum und ebnen jedes Gebirge ein dann ändert sich das Klima sofort.
    Vielleicht hatte die Natur gar nicht vor Grönland wieder zu ergrünen oder Gletscher zu schmelzen, derzeit passiert aber beides.

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