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Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Natürliche Energiequelle Strom aus Gülle und Bioabfall

Die Biogasbranche ächzt unter der EEG-Novelle, mit der die Einspeisevergütung reduziert wurde. Der Bau von Anlagen, zuvor noch ein sicheres Investment, lohnt oft nicht mehr. Hoffnung machen Anlagen für Gülle und Bioabfälle.
30.09.2015 - 16:21 Uhr
Insgesamt gibt es in Deutschland 8.000 Biogasanlagen, eine Leistung um die 500 Kilowatt ist die Regel.

Insgesamt gibt es in Deutschland 8.000 Biogasanlagen, eine Leistung um die 500 Kilowatt ist die Regel.

Köln Es ist eine ungewöhnliche Allianz, die den Energiemarkt in Rehau aufmischt: In der oberfränkischen Kleinstadt betreiben die Gerberei Südleder, der Kunststoffspezialist Rehau und das Entsorgungsunternehmen Willy Böhme gemeinsam eine Bioabfallvergärungsanlage. Ende Juli in Betrieb gegangen, soll sie jährlich bis zu 30.000 Tonnen Bioabfall in Biogas und Dünger umwandeln.

Erfahrungen mit der Technik können die beteiligten Unternehmen vorweisen. Südleder etwa betreibt seit 2012 eine Bioenergieanlage, in der Nebenprodukte aus der Lederproduktion sowie organische Reststoffe aus der Abwasseraufbereitung vergärt werden. „Wir konnten so unsere Abfallmenge halbieren“, sagt Prokuristin Beate Haaser. „Außerdem sind wir energetisch faktisch unabhängig geworden.“ Strom und Wärme erzeugen drei Blockheizkraftwerke auf dem eigenen Gelände. Auch das Nachbarunternehmen betreibt ein Blockheizkraftwerk, das mit Biogas arbeitet. Alle Anlagen zusammen haben eine lokale Energiewende ermöglicht: Obwohl in Rehau viele Industrieunternehmen ihren Sitz haben, deckt Bioenergie schon 40 Prozent des örtlichen Strombedarfs.

Erfolgsgeschichten wie diese sind in der Biogasbranche rar geworden. Wurden im Jahr 2011 noch 1270 Anlagen gebaut, rechnet der Fachverband Biogas für dieses Jahr mit nur 60 neuen Anlagen. Der Grund: Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die im August 2014 wirksam wurde, ist die üppige Einspeisevergütung teils deutlich reduziert worden. Der Bau von Anlagen, der zuvor noch als sicheres Investment gegolten hätte, lohnt oft nicht mehr. „Mittelfristig ist sogar ein Rückbau nicht auszuschließen“, warnt Verbandssprecherin Andrea Horbelt. Der Energiewende drohe damit auf lange Sicht ein wichtiger Baustein zu fehlen: „Das speicherbare Biogas kann einspringen, wenn Sonne und Wind keinen Strom liefern.“

Dennoch erscheint nach Experteneinschätzung in manchen Bereichen weiteres Wachstum möglich. Denn die EEG-Novelle zielt vor allem darauf ab, den umstrittenen Einsatz von Energiepflanzen wie Mais zu beschränken. Dagegen wird Strom aus kleinen Gülle-Anlagen mit bis zu 75 Kilowatt Leistung wie bisher vergütet. Verschont von Kürzungen bleiben auch Anlagen, die wie in Rehau mit Bioabfällen gefüttert werden. Mathias Zuber, Analyst beim Kölner Beratungsunternehmen Ecoprog, erwartet hier einen deutlichen Zubau. Seiner Prognose nach wird die Zahl der Bioabfallvergärungsanlagen, deren Leistung meist im Megawattbereich liege, in Deutschland binnen zehn Jahren von 200 auf 290 ansteigen.

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