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Umstrittene Technik CCS So wird die Kohle nicht sauber

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Lippenbekenntnisse der Kohleindustrie
Derzeit sind 13 CCS-Projekte von größerem Ausmaß weltweit in Betrieb, die gemeinsam 26 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sammeln. Das ist weniger als ein Tausendstel der weltweiten CO2-Emissionen Quelle: ap
Ein Tropfen auf den heißen Stein

Derzeit sind 13 CCS-Projekte von größerem Ausmaß weltweit in Betrieb, die gemeinsam 26 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sammeln. Das ist weniger als ein Tausendstel der weltweiten CO2-Emissionen

(Foto: ap)

Derzeit sind 13 CCS-Projekte von größerem Ausmaß weltweit in Betrieb, die gemeinsam 26 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sammeln, wie die IEA erklärt. Das ist weniger als ein Tausendstel der weltweiten CO2-Emissionen.

„Es gibt Aktivitäten auf dem Feld, aber es ist nicht das, was sich manche Organisationen erhofft hatten“, sagt Juho Lipponen von der IEA. Er fordert wie viele Anhänger von CCS mehr staatliche Unterstützung für die Technologie. Es müsse teurer werden, die Treibhausgase in die Atmosphäre zu entlassen, als sie in den Boden zu bringen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden nach Angaben der IEA zwölf Milliarden Dollar (rund elf Milliarden Euro) in größere CCS-Projekte investiert. Rund 80 Prozent des Geldes stammte aus dem privaten Sektor, meist kam es von Öl- und Gaskonzernen. Die Kohleindustrie dagegen preise zwar seit Jahren die Technologie, sei aber bisher nicht über Lippenbekenntnisse hinausgekommen, erklärt Lipponen.

Das will Benjamin Sporton, Vorsitzender des Kohleverbands WCA, so nicht stehenlassen. Die Industrie investiere in CCS-Projekte, so sei zum Beispiel gerade ein Kraftwerk in Tianjin in China im Bau. Die Technologie werde aber weiter Probleme haben, solange sie nicht genauso viel Unterstützung von staatlicher Seite bekomme wie die erneuerbaren Energien. Die erhielten jedes Jahr 100 Milliarden Dollar.

Von den tausenden Kohlekraftwerken weltweit ist bisher nur eins mit der CCS-Technologie ausgestattet: Boundary Dam in Saskatchewan in Kanada. Kemper County könnte das zweite werden.

Boundary Dam nahm die Arbeit vor einem Jahr auf mit dem Versprechen, pro Jahr eine Million Tonnen CO2 aufzunehmen. Der Betreiber SaskPower erklärte jedoch, wegen technischer Probleme seien im ersten Jahr weniger als die Hälfte erzielt worden. Das sei aber nicht ungewöhnlich in der Startphase eines Projektes von dieser Größe.

Auch in Kanada liefen die Kosten aus dem Ruder: Ursprünglich waren 1,2 Milliarden kanadische Dollar (rund 824 Millionen Euro) für das Kraftwerk geplant, doch die Rechnung stieg bis auf 1,47 Milliarden. Für Kemper County waren einmal 1,8 Milliarden Dollar vorgesehen. Das war 2006. Als die Bauarbeiten 2010 begannen, waren die Kosten schon auf 2,9 Milliarden Dollar gestiegen.

Um Steuervorteile nicht zu verlieren, begann Mississippi Power mit dem Bau, obwohl erst zehn Prozent der Entwürfe fertig waren. Doch das Unternehmen unterschätzte, wie viel Beton, Stahl, Rohre und Kabel nötig waren und wie viele Arbeiter gebraucht wurden. Damit wurde es wieder teurer. Und ein Ingenieur der zuständigen Behörde erklärte kürzlich, bis zum 30. Juni werde das Kraftwerk wohl nicht fertiggestellt werden können.

  • ap
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