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UN-Klimagipfel in Paris „Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle“

Sichtlich bewegt hat Frankreichs Außenminister Fabius den Abschlusstext für das weltweite Klimaschutzabkommen vorgelegt. Der Entwurf soll für die Unterzeichner rechtlich bindend sein. Noch ist aber nichts entschieden.
Update: 12.12.2015 - 12:41 Uhr
Frankreichs Außenminister Laurent Fabius (Mitte) stellte den Entwurf für das Abkommen gemeinsam mit Präsident Francois Hollande (links) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor. Quelle: Reuters
Freude in Paris

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius (Mitte) stellte den Entwurf für das Abkommen gemeinsam mit Präsident Francois Hollande (links) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vor.

(Foto: Reuters)

ParisDie Weltgemeinschaft hat erstmals ein globales Klimaabkommen ausgehandelt, mit dem die gefährliche Überhitzung des Planeten gebremst werden soll. Frankreich präsentierte die Ergebnisse am Samstagmittag den Delegierten der Pariser UN-Klimakonferenz - in der Hoffnung, dass alle der über 190 beteiligten Staaten den Klimapakt noch am selben Tag billigen. Nun lägen die Lösungen für den Klimaschutz auf dem Tisch, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Sein Vorschlag sei ehrgeizig, ausgewogen und rechtlich bindend, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius am Samstag mit brüchiger Stimme. Der Text enthalte wichtige Fortschritte, die viele vorher für unmöglich gehalten hätten. So solle die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden, die Länder sollten sogar versuchen, 1,5 Grad zu unterschreiten – gemessen an vorindustrieller Zeit. Die Vereinbarung sei wichtig für die gesamte Welt. Sie regle auch Finanzhilfen und den Transfer von Technologie.

Die Entscheidung ist im Laufe des Tages vorgesehen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der Kompromissvorschlag die großen Streitfragen zwischen den Staatengruppen überwinden kann. „Die Welt hält den Atem an und zählt auf uns alle“, sagte Fabius. Jeder könne am Abend nach der geplanten Annahme erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Auch UN-Chef Ban sprach von einem historischen Moment. „Die ganze Welt beobachtet uns“, sagte er.

Frankreichs Präsident François Hollande rief die UN-Klimakonferenz eindringlich zur Annahme des Weltklimavertrags aufgerufen. „Es ist selten, dass es im Leben die Gelegenheit gibt, die Welt zu verändern. Sie haben diese Gelegenheit“, sagte der Staatschef. „Der 12. Dezember 2015 kann nicht nur ein historischer Tag sein, sondern ein großes Datum für die Menschheit.“ „Frankreich bittet Sie, beschwört Sie, die erste universelle Klima-Einigung anzunehmen“, sagte Hollande. „Angesichts des Klimawandels sind unsere Schicksale miteinander verknüpft.“

Der Klimapakt soll erstmals fast alle Länder der Welt am Kampf gegen die Erderwärmung beteiligen und den Klimawandel entscheidend bremsen. Er soll 2020 an die Stelle des Kyoto-Protokolls von 1997 treten, in dem sich nur Industriestaaten zum Klimaschutz verpflichtet hatten. Bis zuletzt war vor allem die Frage umstritten, wie die Klimapflichten zwischen Industriestaaten und ärmeren Ländern verteilt werden.

Mit dem Abkommen soll letztlich ein kompletter Umbau der weltweiten Energieversorgung und eine Abkehr von Kohle und Öl auf den Weg gebracht werden, um den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase zu drosseln. Es geht dabei um Investitionen in Milliardenhöhe und Finanzhilfen an die ärmsten Staaten, nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch zur Bewältigung der bereits spürbaren Folgen der Erwärmung. Das sind unter anderem Dürren, Ernteausfälle, Überschwemmungen und Sturmschäden.

Zuletzt hatten die Unterhändler am Tagungsort Le Bourget mehrere Tage und Nächte verhandelt und die Konferenz um einen Tag verlängert. Schon am Freitagabend hatten Unterhändler große Fortschritte bei der Arbeit an dem Abkommen gemeldet, so etwa der ägyptische Umweltminister Chaled Fahmi und der Regierungschef des pazifischen Inselstaates Tuvalu, Enele Sopoaga. China hielt die letzten Textfassungen für „mehr oder weniger akzeptabel“, wie der stellvertretende Delegationschef Liu Zhenmin sagte.

Wo die Gletscher schmelzen
Gletscher in Argentinien
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Seit Anfang dieses Jahrhunderts schmelzen die Gletscher der Erde mit Rekordgeschwindigkeit. Damit droht der Verlust wichtiger Trinkwasserspeicher. Welche Regionen besonders betroffen sind.

Himalaya
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Im höchsten Gebirge der Welt, schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Himalaya-Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete jedoch um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt Samjwal Bajracharya vom International Center for Integrated Mountain Developement (Icimod) in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Jedes Jahr verliert Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.

Gletschersee Tsho Rolpa im Himalaya
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Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. Auch die Stromversorgung durch Wasserkraft ist langfristig gefährdet.

(Foto: Wikipedia/Kapilkhatri19/CC BY-SA 3.0)

Anden
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Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in den Anden. Allein in Peru gibt es 2679 Gletscher, das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den letzten 40 Jahren um 42,64 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht.

Flutwellen und Erdrutsche
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Über fünfzig der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.

Alpen
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Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist in der Rekordhitze des vergangenen Sommers im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich stärker geschwunden. Doch der Glaziologe Wilfried Hagg von der Ludwig-Maximilians-Universität München will die insgesamt drei Zugspitz-Gletscher noch nicht aufgeben. Bei der aktuellen Schmelzrate werde vermutlich auch noch zur Jahrhundertmitte Gletschereis auf Deutschlands höchstem Berg zu finden sein.

Ausflügler auf Schneeferner-Gletscher
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Neben drei Zugspitzgletschern gibt es in den deutschen Alpen noch den Watzmanngletscher und den Blaueis. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen.

Bis zuletzt ging es nach seinen Angaben um die Forderung der Schwellenländer, dass reiche Länder den Großteil der Kosten übernehmen sollten. Auch Indien sprach davon, dass die Kostenübernahme der Knackpunkt sei.

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