Gesundheit Das Recht auf die zweite Meinung

Immer mehr Patienten holen sich vor Operationen zusätzlichen medizinischen Rat ein. Darauf gibt es ab 2016 für gesetzlich Versicherte einen Rechtsanspruch. Davon profitieren werden vor allem Internetportale.
Wer Bedenken bei einer Therapie hat, kann sich eine zweite Meinung einholen. Davon profitieren Internetportale. Quelle: IMAGO
Patienten können mehrere Meinungen einholen

Wer Bedenken bei einer Therapie hat, kann sich eine zweite Meinung einholen. Davon profitieren Internetportale.

(Foto: IMAGO)

FrankfurtIn Deutschland wird zu viel operiert. Darauf verweisen internationalen Statistiken etwa der OECD. Und das hat Mediziner Jan-Christoph Loh während seiner Arbeit als Chirurg Tag für Tag erlebt: Im System der Fallpauschalen verdienen deutsche Krankenhäuser eben mehr, wenn sie möglichst viele Patienten behandeln. „Fälle gleich Stelle“ war das geflügelte Wort der Klinikärzte, und die entscheidende Motivation für Loh mit seinem Schulfreund Jan Dzulko 2011 das Internetportal „Medexo“ – Medizinische Experten Online zu gründen. Es bietet Patienten die Möglichkeit, online eine zweite Arztmeinung zu einer Behandlung oder Operation einzuholen.

Dass eine Operation etwa bei Rückenbeschwerden nicht immer die erste Behandlungsoption sein muss, zeigt das seit 2010 gestartete Modellprojekt „Zweitmeinung vor Wirbelsäulen-Operationen“ der Techniker-Krankenkasse. Bei 85 Prozent der mehr als 1500 Patienten, empfahlen die Zweitmeinungs-Experten, auf die angeratene OP zu verzichten. Nun kann man Krankenkassen unterstellen, dass sie ein Interesse daran haben, hohe Operationskosten einsparen zu wollen. Aber auch das Team von Medexo kommt nach mittlerweile mehr als 1100 erstellten Zweitmeinungen zu dem Schluss, dass nur 30 Prozent der angeratenen OPS an Hüfte, Rücken, Knie, Schulter und Hand durch die Experten des Zweitmeinungsportals bestätigt wurden. In fast neun von zehn Fällen seien dann übrigens die Ärzte, die die Erstdiagnose gestellt haben, der zweiten Meinung gefolgt, hat Medexo ermittelt.

In diesen Berufen wird am meisten gequalmt
Frauen Platz 5: Gästebetreuung
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Zwei von fünf Frauen in der Gästebetreuung rauchen gerne mal eine Zigarette zwischendurch (42,1 Prozent). Die Zahlen stammen aus dem Tabakatlas 2015, einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Erwerbstätige Frauen rauchen deutlich weniger als ihre männliche Kollegen: Nur 42,7 Prozent greifen zur Zigarette (Männer: 55,8 Prozent).

Frauen Platz 4: Malerinnen und Lackiererinnen
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Minimal häufiger als Kellnerinnen greifen professionell malende Frauen zum Glimmstängel (42,6 Prozent). Generell haben Akademikerinnen eine niedrigere Raucherquote als Frauen mit geringerer Bildung. Nur jede sechzehnte Apothekerin und jede zehnte Ärztin rauchen. Zum Vergleich: Über 40 Prozent der Helferinnen in der Krankenpflege und Altenpflegerinnen qualmen am Glimmstängel.

Frauen Platz 3: Wächterinnen und Aufseherinnen
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Wer die ganze Zeit nur rumsteht und auf Dinge aufpasst, der ist froh, wenn er – oder besser gesagt sie – sich ab und zu eine Zigarette anzünden kann. 47 Prozent der Wächterinnen und Aufseherinnen rauchen.

Frauen Platz 2: Berufskraftfahrerinnen
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Jede zweite Berufskraftfahrerin raucht (49,4 Prozent). Damit liegt sie deutlich vor Berufen wie Ingenieurin (acht Prozent), Gymnasiallehrerin (10,8) oder Maschinenführerin (40,5).

Frauen Platz 1: Werk-, Personenschützerinnen und Detektivinnen
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Bei der rauchenden Personenschützerin oder Detektivin bleibt sicher nichts im Nebel. Zumindest im übertragenen Sinn. 50,5 Prozent greifen zur Zigarette. Das Bild zeigt Angela Merkel mit einer Personenschützerin.

Platz 5 Männer: Hotel- und Gaststättenkaufleute
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Mehr als die Hälfte, 52,9 Prozent aller Wirte und Hoteliers konsumieren die Glimmstängel. Auf den unteren Plätzen folgen Gästebetreuer (52,2 Prozent), Tiefbauberufe (52,1), Bauhilfsarbeiter (51,5) sowie Maler und Lackierer (51,3).

Männer Platz 4: Transportgeräteführer
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Ein Transportgeräteführer steuert zum Beispiel Stapler, Kräne oder Aufzüge. Ob 53,8 Prozent der Kranführer nur in der Pause oft rauchen oder auch in der Kabine am Glimmstängel ziehen, wurde übrigens nicht erfasst.

Heute holen sich etwa 50 Patienten pro Monat eine zweite medizinische Einschätzung über Medexo ein. 80 Prozent der Anfragen betreffen dabei orthopädische Diagnosen und Eingriffe. Das liegt auch daran, dass Medexo sich 2012 mit dem Zweitmeinungsportal „Vorsicht Operation“ zusammengetan hat, das von Kniechirurg Hans Pässler zusammen mit anderen auf den Bewegungsapparat spezialisierten Chirurgen ins Leben gerufen wurden. Begutachtet werden die Patientenfälle von mittlerweile mehr als 80 Experten. Die Kosten für eine einfache Zweimeinung in Höhe von 300 Euro übernimmt dabei in vielen Fällen die gesetzliche Krankenkasse: Einige sind bereits offizieller Kooperationspartner von Medexo. In Fällen werden die Kosten oft auf Nachfrage erstattet, meint Loh.

Corinna Schäfer, Leiterin der Abteilung Patienteninformation beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin, empfiehlt jedem Patienten, sich vor dem Einholen einer zweiten Meinung darüber klar zu werden, was er damit erreichen will. „Wer sich an ein Portal wendet, dessen Angebot auf der Annahme basiert, dass zu viel behandelt wird, muss auch in seinem Fall mit einer entsprechenden Empfehlung rechnen.“

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