Arbeiten in Café, Bus und Bahn So arbeiten die digitalen Nomaden

Wer als digitaler Nomade ortsunabhängig arbeitet, muss sich besonderen Herausforderungen stellen. Eine Studie zeigt: Cafés und Züge sind beliebte Orte für viele Berufstätige. Aber sind sie auch wirklich die sinnvollsten?
Immer mehr Menschen reisen mit dem Laptop um die Welt und arbeiten von unterwegs. Quelle: Getty Images

Immer mehr Menschen reisen mit dem Laptop um die Welt und arbeiten von unterwegs.

(Foto: Getty Images)

KölnWir Journalisten haben nicht selten Mitteilungen in unserem Postfach, deren Intention allzu offensichtlich ist: „Wir sind toll und wir verkaufen was“. Dass also jemand wie Regus, ein Anbieter für flexible Bürolösungen, in seiner aktuellen Studie zu dem Ergebnis kommt, dass es sich in einer Business Lounge, die er an digitale Nomaden wie ich eine bin, vermietet, besser arbeiten lässt als im Café oder der Bahn, verwundert also nicht. „Ach was!“, sage ich dann amüsiert-erstaunt im Sinne von Loriot vor mich hin und fange an, diesen Text zu schreiben.

Warum? Weil es in der Tat, das hat Regus richtig erkannt, immer mehr Menschen gibt, die als „digitale Nomaden“, wie der Autor Sebastian Kühn es beschreibt, selbstbestimmt und ortsunabhängig arbeiten wollen. Sein neues Buch „Das Handbuch für digitale Nomaden“ ist gerade im Redline-Verlag erschienen und, das sei hier nur am Rande erwähnt, äußerst lesenswert. Immer mehr Menschen also reisen mit ihrem Laptop im Handgepäck um die Welt, eilen von Businesstermin zu Businesstermin und Arbeiten von unterwegs.

Dieses digitale Nomadentum bietet mit seinen vielen Freiheiten und der ortsunabhängigen Selbstständigkeit eine großartige Alternative zu einem Arbeitsalltag in der Konzernmatrix, stellt uns aber auch vor einige neue Herausforderungen. Blicken wir aber zunächst nochmal kurz auf die Regus-Studie. Die zeigt, dass Berufstätige zwar durchaus schnell ihre E-Mails checken können, während sie in einem Café sitzen. Allerdings, so heißt es in der Mitteilung, können sie in einer öffentlichen Arbeitsumgebung wie dieser lediglich maximal 20 Minuten am Stück arbeiten.

Von den 44.000 Befragten aus mehr als 100 Ländern gab fast die Hälfte (49 Prozent) an, dass sie sowohl in Cafés als auch in öffentlichen Verkehrsmitteln ihre E-Mails bearbeiten, während sich 41 Prozent unterwegs nicht updaten und nicht auf Nachrichten antworten. Zwei Fünftel der Befragten würden nur eine kurze Antwort während des Kaffees schreiben und sich für eine ausführlichere Rückmeldung an einen ruhigeren Arbeitsplatz zurückziehen.

Diese zehn Denkfehler kosten Sie Geld
Smartphone
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Hyperbolic Discounting

Sie hätten gerne das neueste iPhone – aber bitte sofort. Wie praktisch, dass es Handy-Flatrates gibt, bei denen Sie beim Kauf nur einen Euro bezahlen, dann aber über mehrere Jahre hinweg einen monatlichen Festpreis. Beim Kauf interessieren Sie die Monatsraten erst einmal kaum, Sie sehen nur das Angebot – und gehen begehen den Denkfehler namens „Hyperbolic Discounting“. Soll heißen: Die Bewertung von Ausgaben in Gegenwart und Zukunft ist verzerrt. Künftige Kosten werden unterschätzt, gegenwärtige überbewertet. Aber die Schuldenfalle schnappt schneller zu, als Sie meinen.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Rechnen Sie sich bei jedem Ratenkauf genau aus, wie viel Sie über den gesamten Finanzierungszeitraum bezahlen. Nüchtern nachdenken und möglichst viele Informationen einzuholen, hilft hier mehr als spontan und nach Lust und Laune zu kaufen.

Cum-Ex-Geschäfte
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Activity-Bias

Ihnen wird geraten, Aktien zu kaufen und sie dann liegen zu lassen. Das führe zu schnellem Reichtum, hat man Ihnen versprochen – nach der berühmten Börsenweisheit von André Kostolany. Doch auch hier lauert ein Denkfehler: Denn wer den Dax genau beobachtet, wird schnell feststellen, dass die Kurse immer wieder hoch und wieder runter gehen - und das nun schon seit über zwölf Jahren.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Entweder Sie sind aktiver als früher und wechseln Ihre Aktien. Oder Sie verteilen Ihr Geld vorsichtig und warten wirklich zehn Jahre – doch dann sollten Sie wirklich nur Geld anlegen, das Sie nicht für andere Zwecke benötigen. Außerdem sollte es gut auf verschiedene Aktien verteilt werden.

Mercedes-Benz Kanton (Guangzhou)
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Veblen-Effekt

Sie wollen sich ein neues Auto kaufen. Ein Kombi wäre die beste Wahl für Ihre Familie, aber ein schicker Mercedes macht natürlich mehr her. Der Preis und das Prestige ist Ihnen dabei wichtiger als die Qualität. Klare Sache: Sie sind auf den Veblen-Effekt hereingefallen. Hier führt ein hoher Preis zu einer hohen Nachfrage, da die Konsumenten mit einem Hochpreis-Produkt ein entsprechend hohes Prestige und Einkommen demonstrieren wollen.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Überlegen Sie sich genau, was Sie eigentlich kaufen wollen – und was Sie brauchen. Denn ein schickes Auto führt nicht automatisch zu mehr Ansehen.

Ministerpräsident verlegt Amtssitz in Clay-Villa
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Diderot-Effekt

Sie möchten gerne ein Sofa in Ihr Büro stellen, für den kleinen Power-Napp zwischendurch. Blau wäre schön, denken Sie, nicht zu hell und nicht zu dunkel und blau soll ja bekanntlich beruhigend wirken. Doch kaum steht das neue Sofa in Ihrem Büro, schreit es förmlich nach einem neuen Teppich. Und auch die sorgfältig ausgewählten Bilder an der Wand scheinen nun gar nicht mehr in den Raum zu passen. Kurzerhand kaufen Sie also auch neue Bilder und lassen einen neuen Teppich verlegen. Zu dem würde allerdings ein heller Schreibtisch besser passen...Stopp! Hier lauert der Diderot-Effekt. Der Kauf eines neuen Produktes tritt dabei eine fatale Kettenreaktion los, weil das neue Produkt Ihr harmonisches Gesamtbild stört und Sie instinktiv zur Korrektur zwingt.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Warten Sie nach einem Neukauf erst einmal eine Woche ab. Sie werden sehen, wie sich das neue Sofa in Ihr Büro einfügt, als wäre es schon immer da gewesen. Vermeiden Sie also hektische Kurzschlusskäufe.

Schwarz-Gelb streitet weiter über Renten
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Denominations-Effekt

Sie gehen mit einem 100-Euro-Schein in die Stadt, kaufen aber nichts. Gehen Sie aber mit zehn 10-Euro-Scheinen los, kommen Sie mit einem leeren Portemonnaie und dafür umso volleren Tüten nach Hause. Erwischt: Sie sind dem Denominations-Effekt erlegen. Gestückelt in einzelne Münzen oder kleine Banknoten, kommt Ihnen das Geld weniger vor, folglich geben Sie es bereitwilliger aus. Ein 100-Euro-Schein macht also knauseriger als kleine Scheine oder Münzgeld.

Wie Sie diesen Denkfehler vermeiden: Setzen Sie sich Ausgabe-Limits, auch wenn Sie mit kleinen Geldscheinen losziehen. Und falls Sie zu denjenigen Menschen gehören, die am Ende des Geldes immer noch zu viel Monat übrig haben, sollten Sie versuchen, ihre Geldbörse mit größeren Scheinen auszustatten.

Blauer Himmel lockt Segelboote auf den Bodensee
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Anker-Effekt

Sie wollen einen Ring für Ihre Liebste kaufen. Der Ring für 400 Euro sieht eigentlich schick aus, die Version für 450 Euro wäre aber auch nicht schlecht. Aber 50 Euro mehr? Das ist Ihnen zu teuer. Nun lächelt der Verkäufer und meint: „Wissen Sie, ich hätte da noch einen ganz anderen, besonderen Ring. Der ist Ihnen wahrscheinlich zu teuer.“ Sie werfen einen Blick auf den angepriesenen Ring, der 600 Euro kostet. Klare Sache: So viel wollen Sie nicht ausgeben. Aber die 50 Euro mehr für den zweiten Ring erscheinen Ihnen nun gar nicht mehr zu hoch. Dieser Denkfehler nennt sich „Anker-Effekt“ und ist die Geheimwaffe aller Verkäufer.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Eine einfache Möglichkeit besteht darin, weitere Personen miteinzubeziehen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass andere Personen demselben Anker ausgesetzt waren wie Sie. Somit erhalten Sie verschiedene Schätzwerte oder Entscheidungen – und eine Rückmeldung über die Höhe der möglichen Beeinflussung durch einen Anker. 

Sparschwein vor Mainzer Rathaus
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Loss-Aversion

Angenommen, Sie haben zwei Möglichkeiten. Option A: Sie finden zufällig 100 Euro auf der Straße. Option B: Sie können gerade noch verhindern, dass ein 100-Euro-Schein aus Ihrem Portemonnaie purzelt. Die meisten Menschen bevorzugen B. Dieses Prinzip nennt sich „Loss-Aversion“ (Verlustaversion), und es begegnet uns überall: Im Berufsleben wie in der Freizeit. Das Ergebnis: Wir vermeiden Situationen, die Verluste bedeuten könnten. Auch wenn sich das Risiko eigentlich lohnen würde.

So vermeiden Sie diesen Denkfehler: Manchmal lohnt es sich, ein Risiko einzugehen – anstatt nur die sichere, aber auch weniger aufregende Variante zu wählen.

Nun, hier möchte ich dagegen halten, dass es eher darauf ankommt, wie man gestrickt ist und mit welchen Mitteln man sich dazu bringt, über längere Phasen fokussiert zu arbeiten und sich nicht ablenken zu lassen. Glauben Sie mir, es gibt Tage bei uns im Großraumbüro, da wird so extrem viel geschnattert und gelacht, dass im Vergleich dazu ein Elterncafé mit einer Horde kreischender Kleinkinder im Bällebad die reinste Wohlfühloase ist. Ob nun im Büro oder im Café, meine Devise lautet „Kopfhörer sind die neue Tür“ und längst ein essentieller Bestandteil der Bürokultur.

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