Bewerbungen Vorsicht, Niedlichkeitsfalle!

Oft sehen Frauen auf Bewerbungsfotos lieber naiv als kompetent aus. Damit untermauern sogar Spitzenmanagerinnen die Ungleichbehandlung im Job, statt sich dagegen zu wehren. So umgehen Sie die Niedlichkeitsfalle.
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Nett und unterwürfig: Mit diesem Eindruck schwächen Kandidatinnen ihre Verhandlungsposition.
Bewerbungsfoto

Nett und unterwürfig: Mit diesem Eindruck schwächen Kandidatinnen ihre Verhandlungsposition.

DüsseldorfBlick von unten nach oben, offene Haare, große Augen und ein breites Lächeln. Mit einem Bewerbungsfoto nach diesem Schema, denkt ein Großteil der Frauen auf Stellensuche, sichern sie sich die Aufmerksamkeit des Personalchefs. Das stimmt, aber von Vorteil ist es dennoch nicht.

Denn, Bewerberinnen, die durch unbedarftes Posieren Klischees über das eigene Geschlecht untermauern, sabotieren gleichzeitig ihre persönlichen beruflichen Ziele: Wer sich mit seinem Porträt schon beim Öffnen der Unterlagen unterwürfig und bescheiden gibt, setzt beim Personaler oder Chef diesen Eindruck fest. Beim Vorstellungsgespräch führt das von vornherein zu einer schwächeren Verhandlungsposition im Vergleich zu einer Kandidatin, die sich selbstbewusst präsentiert.

Dass Frauen von klein auf daran gewöhnt sind, sich als „süßes Mädchen“ zu inszenieren, nennt der Fotograf Alexander Vejnovic die „Niedlichkeitsfalle“. In seinem Düsseldorfer Studio bietet er spezielle Shootings für Frauen an, die Kompetenz und Selbstbewusstsein mit ihrem Bewerbungsfoto ausstrahlen wollen.

Beratung rund um Pose, Styling und Mimik ist das A&O für ein Porträt der starken Art. Denn, so sagt Vejnovic: „Den meisten Frauen ist nicht bewusst, wie sie im Foto das bescheidene, unbeholfene Mädchen mimen. Selbst Frauen in hohen Positionen gehen immer wieder den von Kindesbeinen eingeübten Verhaltensmustern auf den Leim und lächeln für Firmenaufnahmen mit nach unten geneigtem Kopf in die Kamera.“

Rechtsanwältin Cordula Schumacher: Blick und Styling strahlen Selbstbewusstsein und Kompetenz aus.
Starkes Bewerbungsfoto

Rechtsanwältin Cordula Schumacher: Blick und Styling strahlen Selbstbewusstsein und Kompetenz aus.

Was sollten Bewerberinnen also beachten, wenn es um ihr Foto geht? Vejnovic misst einem selbstbewussten Blick in die Kamera besondere Bedeutung bei - auf Augenhöhe mit dem Betrachter, aber auf keinen Fall von unten oder mit geneigtem Kopf über einem nach vorne geneigtem Rumpf. Diese Haltung strahle gleichermaßen Unterwürfigkeit und Unsicherheit aus. Selbstsicher wirkt dagegen, wer ganz gerade und aufrecht steht und in die Kamera blickt. So wie man beispielsweise sein Gegenüber ansieht, mit dem man sich gerade geschäftlich unterhält. Das Lächeln sollte nicht breit sein, eine Andeutung reicht für einen gewinnenden Eindruck vollkommen aus.

Und das Styling, wenn nicht Schönheit, sondern Qualifikation vermittelt werden soll? „Dezent“ ist hier die Maßgabe, erklärt Alexander Vejnovic: „Mit Make-up soll die Frau gepflegt aussehen, aber nicht geschminkt. Kräftige Farben auf Augen oder Lippen betonen viel zu sehr die Weiblichkeit, also ist rosa Lipgloss zum Beispiel ein Tabu.“

Was Ihr Chef sagt – und was er meint
Gesagt: „Ich setz' dich mal in CC.“
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Bedeutung: Herzlichen Glückwunsch! Du hast gerade den absoluten Mega-Jackpot geknackt. Eine weitere spannende Aufgabe, die kein anderer Idiot machen will, wartet auf dich!

Die Karriereplattform Kununu hat die nervigsten Bürofloskeln zusammengestellt.

Gesagt: „Ich setze das mal auf meine To-Do-Liste.“
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Bedeutung: To-do-Liste = ein sagenumwobenes Stück Papier, dessen Existenz in den unendlichen Weiten des Bürowahnsinns vermutet wird. Der Legende nach hat es noch kein Mensch je zu Gesicht bekommen.

Gesagt: „Das sind zwar sportliche Ziele, aber machbar.“
3 von 10

Bedeutung: Dem genauen Betrachter fällt an dieser Stelle auf, dass der Terminus „unrealistisch“ elegant durch das Wörtchen „sportlich“ ersetzt wurde. Der Kontext wird durch diesen kleinen sprachkosmetischen Eingriff allerdings merklich verändert.

Gesagt: „Da sind wir dran.“
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Bedeutung: Wir haben mit dem Thema in der Vergangenheit begonnen, haben gegenwärtig keine Ahnung, wo wir stehen und werden uns zukünftig mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr darum kümmern.

Gesagt: „Ich denke, da besteht noch etwas Optimierungsbedarf.“
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Bedeutung: Ich wusste wirklich nicht, dass ein menschliches Wesen dazu in der Lage ist, so viel Unfähigkeit gezielt in ein Projekt zu stecken. Chapeau.

Gesagt: „ASAP“
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Bedeutung: kurz für: As soon as possible. Beliebte angloamerikanische Phrase, verwendet von Vorgesetzten, die unter Zeitdruck stehen. Gängige Steigerungsstufe von schnell. Bezeichnet im übertragenen Sinn auch gerne die Vergangenheitsform von heute.

Gesagt: „Da müssen wir nochmal an den Workflow ran.“
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Bedeutung: Keiner wusste, was er zu tun hat.

Auch die Kleidung sollte nicht vom Ausdruck der Bewerberin ablenken, daher lieber ein schlichtes, helles Top unter einem Blazer als die bunte oder gerüschte Bluse. Wie wissenschaftliche Arbeiten gezeigt haben, ist weibliche Attraktivität beim Kampf um den Job sogar eher hinderlich, Männlichkeit hingegen Trumpf. Lange Haare empfiehlt der Profi daher zusammenzubinden oder über den Rücken fallen zu lassen. Schmuck wie Perlenketten oder auffällige Ohrringe weglassen, denn sie lenken ebenfalls wie tiefe oder geknöpfte Blusenausschnitte zu sehr vom Gesicht der Bewerberin ab.

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1 Kommentar zu "Bewerbungen: Vorsicht, Niedlichkeitsfalle!"

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  • Das Bild von Cordula Schumacher strahlt Arroganz und Kälte aus. Würde ich nicht einstellen. Ausser als "knallharte Saniererin", die für die künftigen Massenentlassungen zuständig sein soll. Oder als Chefeinkäuferin von VW, die Lieferanten bis zur Pleite auspressen soll.

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