Fachkräftemangel Wenn Kollegen Kollegen empfehlen

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Mit Prämien gegen den Fachkräftemangel

Mit Mitarbeiterempfehlungsprogrammen gekoppelt, lässt sich die Personalrekrutierung deutlich vereinfachen und beschleunigen, denn Mitarbeiter sind die besten Botschafter - und Talentscouts: „Unsere Mitarbeiter kennen die gesuchte Mischung von fachlicher Qualifikation und persönlichen Eigenschaften ja aus eigener Erfahrung“, sagt etwa Tanja Köhler. Sie ist zuständig für den Bereich Arbeitgeberattraktivität beim Personaldienstleistungsunternehmen Randstad und muss in Hochphasen mehrere Hundert Vertriebsdisponenten wie Andreas Serr jährlich einstellen. Etwa 30 Prozent kann sie dank der Initiative „Kollegen suchen Kollegen“ besetzen.

Unternehmen erhalten so Zugang zu Kandidaten, die sonst nur schwer oder gar nicht erreichbar wären. Im Durchschnitt führen von sieben Empfehlungen drei zu Einstellungen. Das hat jetzt erstmals die Uni Furtwangen mit einer Analyse von rund 150 Mitarbeiterempfehlungsprogrammen deutscher Unternehmen ermittelt, die dem Handelsblatt ebenfalls exklusiv vorliegt. „Diese Quote ist sensationell“, sagt Studienleiter und Personalmanagement-Experte Achim Trost. „Mitarbeiterempfehlungen sind treffsicherer als andere Maßnahmen zur Personalgewinnung wie der Einsatz von Headhuntern, Anzeigen in Stellenbörsen oder der Stand auf einer Bewerbermesse“, bestätigt Marcus Reif. Er ist bei Ernst & Young für Einstellungen verantwortlich. Allein im ersten Halbjahr 2011 erhielt das Wirtschaftsprüfungsunternehmen rund 40000 Bewerbungen, von denen rund 3500 auf Empfehlungen beruhten.

Im Durchschnitt erhalten deutsche Unternehmen etwa 133 Empfehlungen pro Jahr, hat Achim Trost ermittelt. Und die Höhe der Geldprämie, etwa für die Vermittlung eines Hochschulabsolventen mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, reicht von 250 bis 6000 Euro.

Sogar für Arbeitgeber wie Ernst & Young, die für Professionals mit bis zu acht Jahren Berufserfahrung bis zu 10.000 Euro Prämie spendieren, rechnet sich das Empfehlungsverfahren im Vergleich mit den klassischen Instrumenten allemal. Denn einen Akademiker anzuwerben schlägt meist fünfstellig zu Buche. Allein ein eingeschalteter Personalberater berechnet in der Regel ein Drittel des jeweiligen Jahresgehalts.

Zwar ist momentan nicht mit Prämienexzessen wie zu Zeiten der New Economy zu rechnen, als der Vorschlag eines neuen Mitarbeiters gleich einen Porsche wert war. Aber schon jetzt lässt sich manches Unternehmen durchaus Kreatives einfallen, um Personallücken zu füllen: Sportartikel-Hersteller Adidas zum Beispiel hat aktuell 400 Vakanzen zu besetzen - vom Designer über Shoppersonal bis hin zum Logistik-Profi. Pro Empfehlung fließen in Deutschland 1000 Euro, in den letzten zwei Jahren gab es darüber hinaus jeweils noch einen Motorroller zu gewinnen.

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