Gehaltsverhandlung Mit welchen Tricks Sie den Chef rumkriegen

Mehr Geld zählt bei vielen zu den Wünschen für das neue Jahr. Gehaltscoach Martin Wehrle verrät, wann der perfekte Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung ist – und welche Fallen Sie umgehen sollten.
Strategische Tipps für die nächste Gehaltserhöhung. Quelle: dpa
Den Chef überzeugen

Strategische Tipps für die nächste Gehaltserhöhung.

(Foto: dpa)

Neues Jahr, neues Glück: Sollte ich gleich am ersten Arbeitstag im neuen Jahr nach mehr Geld fragen?
Martin Wehrle: Wenn man dem Chef zu früh auf den Füßen steht, geht der Schuss nach hinten los. Zum Jahresbeginn haben Vorgesetzte übermäßig viel Arbeit auf dem Schreibtisch. Nach der Weihnachtspause muss viel nachgeholt werden, da fehlt es an der Konzentration. Darum sollte man nicht sofort zum Jahresbeginn die Initiative ergreifen.

Wann wäre denn ein guter Termin für die Gehaltsverhandlung?
Durchaus im ersten Viertel des Jahres. Normalerweise kommen die Leute erst gegen Ende des Jahres, also im Herbst, auf die Idee. Und dann ist der Gehaltsetat, den man sich wie einen Kuchen vorstellen kann, schon fast vergriffen und die Stücke werden kleiner. Wenn man den Fuß früh in die Tür stellt, sagen wir Ende Januar, Mitte Februar, oder auch noch im März, hat man bessere Aussichten.

Und dann sage ich: „Wir haben zuletzt vor einem Jahr über mein Gehalt gesprochen, Zeit für Runde zwei.“ Oder nicht?
Das ist ein ganz schlechtes Argument. Es wurde ja ein bestimmtes Gehalt für eine bestimmte Leistung festgelegt und wenn sich die Leistung über das Jahr nicht verändert hat, dann gilt das alte Gehalt. Das heißt: Wenn ich nach einem Jahr mehr will, bin ich in der Beweispflicht und muss zeigen, dass ich für dasselbe Gehalt mehr Leistung bringe.

Man kann sich das wie eine Waage vorstellen: Auf der einen Seite liegt das Gehalt, auf der anderen liegt die Leistung. Wenn ich bei der Leistung nachgelegt habe, wenn ich zusätzliche Verantwortung übernehme, wenn ich durch Ideen Geld bringe oder Geld spare, wenn ich dem Unternehmen Arbeitskräfte vermittele und somit Recruitingkosten spare, dann habe ich einen Anspruch, dass auch die Firma auf ihrer Seite nachlegt.

Wer im letzten Jahr einfach nur seinen Job gemacht hat, kann sich das Gespräch sparen?
Nein, das würde ich nicht so sehen. Denn normalerweise werden wir, wenn wir eine Tätigkeit über eine gewisse Zeit machen, routinierter, besser und effektiver. Nur fällt uns das oftmals nicht auf, weil es ein schleichender Prozess ist. Darum empfehle ich, über das Jahr hinweg ein Leistungstagebuch zu führen.

Wie sieht so ein Tagebuch aus?
Einfach aufschreiben: Was habe ich im Laufe der Woche geleistet? Was waren die Highlights meiner Arbeit und wie hat die Firma davon profitiert? Wenn ich das einigermaßen konsequent durchziehe, werde ich höchstwahrscheinlich feststellen, dass ich der Firma einen höheren Nutzen gebracht habe. Und dann kann ich das gegenüber dem Chef eben auch definieren und nachweisen.

So wird sich Ihr Gehalt 2016 entwickeln
Konsumgüterindustrie
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In der Konsumgüterindustrie haben sich die Gehälter zwischen 2014 und 2015 im Schnitt um 2,6 Prozent erhöht. Die Prognose für 2016 sieht auch nicht viel schlechter aus: Es wird wohl nochmal um 2,5 Prozent nach oben gehen.

Jedes Jahr führt die Haygroup eine Erhebung zu den geplanten Gehaltssteigerungen (PDF) durch. In diesem Jahr haben 289 Unternehmen teilgenommen. Die Datenerhebung erfolgte von Mai bis August 2015. Für die Gehaltsentwicklung 2014/15 wurden die Budgets der Unternehmen zugrunde gelegt, die Entwicklung 2016 basiert auf Budget-Prognosen.

Einzelhandel
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Im Einzelhandel sind die Löhne zwischen 2014 und 2015 um 2,3 Prozent gestiegen. Die Prognose für 2016 hält da mehr bereit: Es wird um knapp 2,7 Prozent nach oben gehen.

Arbeitnehmer in Deutschland können sich auch im kommenden Jahr über steigende Gehälter freuen. Unternehmen verschiedener Branchen rechnen derzeit mit einem Plus von 2,9 Prozent. Bei der derzeit niedrigen Inflationsrate bleiben Arbeitnehmern so real rund zwei Prozent mehr.

Industrie
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In der Industrie insgesamt stiegen die Löhne 2015/15 um 2,8 Prozent, die Haygroup-Prognose geht für 2016 von Gehaltsteigerungen um 2,9 Prozent aus.

Insgesamt liegen die Lohnsteigerungen in Deutschland im Schnitt um 0,2 Prozent über denen der Euro-Zone. Für das Gesamtjahr 2015 wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent prognostiziert.

Automobilindustrie
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Die Gehälter in der Automobilindustrie im speziellen sind 2014/15 im Schnitt um 2,8 Prozent gestiegen. Die Prognose für 2016 lässt auf Gehaltssteigerungen von 2,9 Prozent hoffen.

Transport
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Um 3,1 Prozent sind die Gehälter in der Transportbranche den Unternehmensbudgets im Schnitt gestiegen. Für 2016 sieht es noch besser aus: Die Prognosen sagen Gehaltssteigerungen um 3,3 Prozent voraus.

Hochtechnologie
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In der Hochtechnologie sind die Gehälter zwischen 2014 und 2015 im Schnitt um 2,6 Prozent gestiegen. Ähnlich wird es wohl für 2016 aussehen: Die Prognose sagt Lohnerhöhungen um 2,7 Prozent voraus.

Service
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Wer im Service arbeitet, durfte sich zwischen 2014 und 2015 der Haygroup-Studie zufolge über Gehaltserhöhungen um 2,5 Prozent freuen. Für 2016 sieht es nach etwas weniger aus: Die Prognose geht von einer Steigerung um 2,3 Prozent aus.

Dass der Projektmanager das belegen kann, ist klar. Aber was ist mit dem Buchhalter oder der Sekretärin?
Das geht in jedem Bereich, also auch bei dem Buchhalter, der eine zuverlässige Arbeit leistet und vielleicht eine Urlaubsvertretung für einen Kollegen übernimmt, die sonst immer jemand von einer Zeitarbeitsfirma gemacht hat. Grundsätzlich funktioniert es in jedem Bereich, wenn man sich bewusst macht, wie man der Firma einen größeren Nutzen bereitet. Ein Ansatz, der hier gut funktioniert ist, dass man sich einfach mal im eigenen Bereich umschaut, wo Geld ausgegeben wird, das man nicht ausgeben müsste. Wenn man da Sparquellen entdeckt - es wird teure Software verwendet, die man günstiger haben könnte, eine Abteilung hat zwei Kopierer, wo einer reichen würde - kann man einen entsprechenden Sparvorschlag einbringen. Spart das Unternehmen dadurch Geld, ist man auch berechtigt, daran teilzuhaben.

Marktwert betonen, statt nach Mitleid heischen
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