Gleichberechtigung in Dax-Konzernen Vorstände bleiben Männerdomänen

Das durchschnittliche Vorstandsmitglied eines börsennotierten Unternehmens heißt laut einer Studie Thomas, ist 53 Jahre alt und kommt aus Westdeutschland. Doch um weiterhin erfolgreich zu sein, müssen Konzerne umdenken.
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Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax, sind laut einer Studie nur 46 Frauen. Quelle: dpa - picture-alliance
Männerdomäne Vorstand

Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax, sind laut einer Studie nur 46 Frauen.

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BerlinBörsennotierte Unternehmen in Deutschland kommen mit der ausgeglichenen Besetzung ihrer Vorstände kaum voran. Unter den insgesamt 676 Vorstandsmitgliedern der 160 Unternehmen in den Indizes der Frankfurter Börse, Dax, MDax, SDax sowie TecDax, sind nur 46 Frauen. Das zeigt eine neue Studie der gemeinnützigen Allbright-Stiftung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ein Umdenken lasse sich bislang noch nicht feststellen, heißt es darin. „Geht es so weiter, haben wir erst in 45 Jahren ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in deutschen Vorständen.“

„Die Unternehmen rekrutieren, als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken“, sagte die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, Wiebke Ankersen. Seit März vergangenen Jahres waren laut Studie knapp 90 Prozent der Neuanstellungen in Chefetagen männlich. Bei zwei Dritteln handelte es sich um Deutsche und 64 Prozent der seit diesem Zeitpunkt eingestellten Vorstände sind in Westdeutschland ausgebildet worden. Laut dem Papier gibt es mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen.

Wenn Top-Manager hinschmeißen
Wolfgang Bernhard
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Der 56-jährige Ex-Lkw-Vorstand wollte seinen noch bis 2018 währenden Vertrag nicht wie angedacht verlängern. Der Konzern stellt ihn nun mit sofortiger Wirkung frei. Wolfgang Bernhard scheide auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus, teilte das Unternehmen mit. Im Umfeld des Konzerns sorgt die Entscheidung für Überraschung. Selbst Aufsichtsräte wussten nichts von Bernhards Plänen.

Lastwagen-Sparte
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Bernhard war einst der Überflieger im Daimler-Konzern. Mit 42 Jahren wurde er Vorstandsmitglied des US-Autobauers Chrysler, mit dem Daimler Ende der 90er Jahre zusammengegangen war. Nach einem Streit mit dem damaligen Vorstandschef Jürgen Schrempp übernahm er einen Vorstandsposten bei Volkswagen, um 2009 zu Daimler zurückzukehren. 2013 musste er nach Zwist mit dem Betriebsrat in die Lastwagen-Sparte wechseln – gegen seinen Willen. Obwohl Bernhard mit Verve über die Modernisierung des Lkw-Wesens referieren konnte, heißt es im Umfeld des Konzerns, der Bereich sei nie seine „heiße Liebe“ gewesen.

René Obermann
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Vorstände, die hinschmeißen, um sich ganz anderen Aufgaben zu widmen oder einfach nur Zeit zu gewinnen, gab es zuletzt einige. Ende 2013 gab Telekom-Chef René Obermann seinen Posten in dem Dax-Konzern auf, um zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo zu gehen.

Jim Hagemann Snabe
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SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe wollte 2014 nicht weitermachen, um mehr Zeit mit der Familie zu haben. Es war allerdings ein kurzer Rückzug, inzwischen ist er Aufsichtsratschef bei Siemens.

Jörg Asmussen
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Der frühere EZB-Direktor Jörg Asmussen sagte nach seinem Rückzug nach Berlin vor drei Jahren: „Vorneweg ging es um die beiden Töchter“. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales war er bis Ende 2015 als beamteter Staatssekretär für Fragen der Alterssicherung zuständig. Inzwischen arbeitet Asmussen erneut in der freien Wirtschaft: Seit Herbst 2016 berät er als Managing Director Regierungen und Unternehmen bei der amerikanischen Investmentbank Lazard.

Gerd Häusler
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Dem Ex-BayernLB-Chef wurde es schlicht zu viel: „Die zeitliche Belastung für einen Chef bei einer Bank, die wegen staatlicher Milliardenhilfen mit den Brüsseler Wettbewerbsbehörden um ihre Zukunft kämpft und noch Altlasten hat, geht weit über das normale Maß hinaus“, sagte er nach der Ankündigung seines Rücktritts im Interview mit „Der Welt“.

Generation Y
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„Das Gen der Generation Y schwappt schon rüber“, sagt Andreas Knodel, Karrierecoach für Manager bei der Personalberatung Kienbaum. Soziale Absicherung spiele auf dem Niveau keine Rolle. Stattdessen andere Faktoren – nicht immer steht nur das Privatleben dahinter. „Der Druck erhöht sich in den Management-Etagen, die Zyklen werden schneller“, so Knodel. „Das kann sehr zermürbend sein.“ Hinzu komme das enge Korsett in großen Konzernen. Häufig sei dann auch ein besonderes Ereignis ein Auslöser.

„Je höher es in der Hierarchie geht, umso seltener sind konkrete Ausschreibungen oder Bewerbungsverfahren die Regel“, sagte Ankersen zu möglichen Ursachen. Sachliche Kriterien fielen deshalb weg. Stattdessen würden die Vorstände „nach Bauchgefühl“ rekrutiert. Die Unternehmen gingen auf Nummer sicher und orientierten sich an dem, was schon in der Vergangenheit funktioniert habe.

Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Eine gesetzliche Frauenquote gilt nur für Aufsichtsräte. Und dort sind die deutschen Unternehmen laut der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf einem guten Weg. „Alle Quoten-pflichtigen Unternehmen, die 2016 den Aufsichtsrat gewählt haben, haben die Quote erfüllt“, sagte ein Sprecher.

Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigen das. Demnach lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 106 Unternehmen, die seit Anfang vergangenen Jahres zur Quote verpflichtetet sind, bei rund 27 Prozent. Anders sieht es bei den Vorständen aus. Bei denselben 106 Unternehmen lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte 2016 nur bei 6,5 Prozent, so das DIW.

„Ein gutes Team ist möglichst vielfältig aufgestellt, um Selbstkritik, Innovationsfähigkeit und Profitabilität zu gewährleisten“, sagte Allbright-Geschäftsführerin Ankersen. Beispiele wie VW oder die Deutsche Bank zeigten, wohin das immer gleiche und homogene Rekrutierungsprinzip führten. „In Zukunft wird das nicht mehr funktionieren. Die Wirtschaft braucht flexible und breit aufgestellte Führungsstrukturen.“

„Immerhin werden die Frauen sichtbarer, da einige nun an der Spitze von Unternehmen stehen“, stellt die Studie fest. Aktuell gebe es mit RTL, der Hamburger Hafen und Logistik AG und dem Biotech-Unternehmen Medigene drei Konzerne, deren Vorstandschefs weiblich sind.

  • dpa
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