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Immer auf Standby Eine Generation sucht Wege aus dem Stress

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Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt immer mehr

Denn praktisch haben die mobilen Arbeitsmittel vor allem die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit aufgeweicht. "Eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben gibt es für die meisten Berufstätigen nicht mehr", sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Immer mehr Unternehmen gehen zu sogenannter Vertrauensarbeitszeit über. Dabei zählt auch ohne Homeoffice nur das Ergebnis und nicht die Anwesenheit im Büro. Das klingt sinnvoll, geht aber oft zulasten der Mitarbeiter. "Das ist eine elegante Form, um Mehrleistung zu generieren", sagt Antje-Kathrin Uhl, Anwältin für Arbeitsrecht der Kanzlei CMS Hasche Sigle. "Es hat sich schleichend eingebürgert, dass Mitarbeiter auch nach Büroschluss erreichbar sind." Da werden aus 40 Stunden schnell 48 Stunden - meist ohne Überstundenausgleich.

"Die rechtlichen Vorschriften und die betriebliche Praxis klaffen weit auseinander", sagt Uhl. Arbeitszeitgesetze und Überstundenregelungen stammen aus einer Zeit vor Internet und Smartphone.

Die Folge: Diese sogenannten Smartphones sind mitverantwortlich dafür, dass die Zahl der Krankschreibungen wegen Überlastung seit Jahren wächst. Vor allem gibt es mehr Krankschreibungen aus psychischen Gründen. Immer häufiger diagnostizieren die Ärzte Burn-out nicht nur bei Älteren, die das Tempo überfordert. Alle kann es treffen.

Dabei ist es nicht nur der Druck des Arbeitgebers, der Mitarbeiter ständig auf ihren Blackberry schielen lässt. Die drahtlose Verbindung zur Welt macht manchen Nutzer süchtig. Fachleute haben eine neue Krankheit ausgerufen: Nomophobie. Abgeleitet ist sie von "no mobile phone", was auf englisch "ohne Handy" heißt. Sie beschreibt Leute, die in Panik geraten, wenn sie ihr Handy nicht dabei haben.

Die kleinen Helferlein verführen zur Selbstausbeutung. Erste Unternehmen steuern nun gegen und versuchen, ihre Mitarbeiter zu schützen. Auch die Deutsche Telekom - ausgerechnet der Konzern, der davon profitiert, dass seine Kunden kaum noch von ihrem Handy lassen können und neben Telefonminuten auch immer mehr Datenpakete für Emails und mobiles Internet buchen.

Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger - selbst ein ausgemachter Workaholic - will die Arbeitszufriedenheit steigern und hat sich dazu auch die Handy-Kultur im eigenen Haus vorgenommen. "Das Unternehmen kann und soll nicht komplett über die Zeit der Menschen verfügen", hat angekündigt.

Die Telekom hat sich daher in einer Selbstverpflichtung auf Grundsätze zum Umgang mit dem Diensthandy verordnet. "Außerhalb der Arbeitszeit wird grundsätzlich nicht erwartet, dass mobile Arbeitsmittel dienstlich benutzt werden", heißt es dort. Das gelte - außer in Krisensituationen - auch für Anrufe und das Lesen von Emails während des Urlaubs.

Handy-Auszeiten wie von Intel-Manager Schwaderer sind also ausdrücklich erwünscht.

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