Mangelnde Soft Skills Jung-Manager stolpern meist über ihre Arroganz

Der Fachkräftemangel ist das Schreckgespenst der deutschen Wirtschaft. Hochqualifizierte Absolventen sind heiß begehrt. Doch so viel Aufmerksamkeit steigt jungen Führungskräften schnell zu Kopf. Das ist riskant.
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Selbstüberschätzung: Wenn High Potentials scheitern, liegt es oft an mangelnden Soft Skills. Quelle: WirtschaftsWoche

Selbstüberschätzung: Wenn High Potentials scheitern, liegt es oft an mangelnden Soft Skills.

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DüsseldorfHeiner Thorborg gehört zu den erfolgreichsten Headhuntern des Landes. Der Frankfurter Personalberater ist bestens vernetzt, hat zahlreiche Top-Manager in seinem Notizbuch stehen und platziert seine Kandidaten in den Führungsetagen deutscher Konzerne. Aus langjähriger Erfahrung weiß er: „Mit Überheblichkeit wird man es als Manager nicht weit bringen.“

Dennoch tappen viele High Potentials in diese Karrierefalle, wie eine neue Studie der Personalberatung Kienbaum zeigt. Fehlende Selbstkritik und Selbstüberschätzung, sprich Arroganz, sind die größten Gefahren für junge Manager. Das ergab die Umfrage unter Personalchefs bei 460 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mangelhafte Soft Skills sind demnach der Grund, weshalb so manche vielversprechende Laufbahn vorschnell in der Sackgasse endet.

Dabei waren die Rahmenbedingungen für überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen und Berufseinsteiger nie besser. Der demografische Wandel dünnt die Reihen der Bewerber aus, die Wirtschaft lechzt nach frischen Fach- und Führungskräften, kurzum: die Karrierechancen für High Potentials sehen blendend aus. „Auf dem Kandidatenmarkt sind die Besten ein stark umworbenes Gut“, sagt Kienbaum-Geschäftsführer Erik Bethkenhagen. Und die Nachfrage dürfte weiter steigen. Laut Studie wollen sich drei von vier deutschen Unternehmen auch 2012 intensiv um diese Top-Kandidaten – zumeist Wirtschafts- und Naturwissenschaftler und Ingenieure – bemühen.

Im sogenannten „War for talents“ buhlen Arbeitgeber nach Kräften um die besten Absolventen und bauen ihnen goldene Brücken. Satte Einstiegsgehälter, flexible Arbeitszeiten und weitere Vergünstigungen sind oft die Regel. Wer in Deutschland als promovierter Absolvent ins Berufsleben eintaucht, kann ein durchschnittliches Jahresgehalt von 52.200 Euro erwarten. In einigen Branchen, etwa bei Unternehmensberatungen, liegen die Summen zumeist noch deutlich darüber. Und in der Öffentlichkeit wird das Thema Fachkräftemangel immer heißer diskutiert. Die Nachwuchssorgen belasten große Konzerne genauso wie kleine Mittelständler.

Das alles schlägt sich natürlich auch im Selbstwertgefühl der High Potentials nieder. Wem würde es nicht schmeicheln, als wertvolle Kraft auf dem Arbeitsmarkt zu gelten? Doch die Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung ist schnell überschritten. „Wer ständig hört, wie gut und rar er ist, der bleibt nicht immer auf dem Teppich“, sagt Bethkenhagen.

„Sie können aus ihren Fehlern kaum noch lernen“
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17 Kommentare zu "Mangelnde Soft Skills: Jung-Manager stolpern meist über ihre Arroganz"

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  • Weniger ist mehr!

    .....sich nicht so wichtig nehmen!

    .....dann klappts auch mit der Karriere!

    Die Menschen sind satt von

    - Narzissten
    - Karriere-titis
    - Gier


  • "...wer mit diesem akademischen Hintergrund für solche Almosen morgens aufsteht, hat meiner Meinung nach aber den Schuss nicht gehoert!"
    Kein Wunder das arrogante Manager so manches startup gleich im ersten Jahr erledigen.
    Ein Einstiegsgehalt von +-50 Mille/Jahr abzulehnen, nachdem die staatsfinanzierten Hochschulen absolviert wurden, DER hat den Schuß nicht gehört, und zwar den Gewaltigsten nicht. Die Rede war von EINSTIEGSGEHALT, und nicht von dem nach dem sammeln von Berufserfahrung.
    Hochmut kommt vor dem Fall, wird sich auch bis zur neuen Erfindung eines Planeten auch nicht ändern.

  • Ein Gehalt wird in einem Wirtschaftsbetrieb nicht für die vorhandene Ausbildung, sondern nur für die Leistung für den Betrieb bezahlt. Die Ausbildung wird im öffentlichen Dienst mehr gewürdigt, wobei dort das Gehalt aber begrenzt ist.

  • Zum erfolgreichen Führen benötigt man eine gewisse Reife und das hat auch etwas mit Lebensalter zu tun.

  • Wir arbeiten als Trainer für den Bereich Führungskräfte-/Persönlichkeitsentwicklung auch für den einen oder anderen Banker, überwiegend für die Industrie.
    Meine Erfahrung ist die, dass Bankführungskräfte und die -nachwuchskräfte sich weiter entwickeln wollen, aber bitte nicht so schnell und nicht so intensiv. Diese Menschen sind "satt".
    Mein Eindruck ist dass Führungskräfte in der Industrie begieriger sind zu lernen und sich weiter zu entwickeln und darum auch mehr umsetzen.

  • Jung, dynamisch, erfolglos und hoffnungslos überbezahlt, damit sind die heutigen "High Potentials" bestens umschrieben!

  • Wer als "Frischling" für 52.200,00 EUR Jahresgehalt morgens nicht aufstehen will, soll liegenbleiben bis er verschimmelt und mit seiner Arroganz abends als Taxifahrer jobben und später als Penner den andern Pennern vorschwärmen, was er doch für ein toller Hecht war. Auf solche "Akademiker" können wir gut verzichten!

  • Den Ausdruck High-Potential find ich absolut "beschi**en". Bis vor wenigen Jahren gab es noch die Debatte um die Generation "Praktikum", da ist/war man froh wenn man mit Anfangs 30.000 überhaupt den Einstieg bekommen hat. Ein Freund von mir ist als Unternehmensberater tätig, der hat nach zwei Jahren im Beruf Anzeichen eines "Burnout-Syndroms". Man sollte sich immer überlegen ob es einem das höhere Gehalt überhaupt wert ist. Ich bin erstmal froh überhaupt einen Job zu haben der mir Spaß macht, die Kohle ist zweitrangig.

  • Na ja, es gibt ja solche und solche Unternehmer - von der Ein-Mann-Verwaltung des ererbten Vermögens bis zum Geschäftsführenden Gesellschafter eines Familien-Konzerns. Wenn Sie aber das Gehalt als wichtigen Aspekt der Wertschätzung (!) betrachten, drängt sich mir der Verdacht auf, dass Sie eher ein promovierter Theoretiker ohne Führungsverantwortung sind, der die in dem HB-Artikel genannten Symptome in der Praxis noch nicht erlebt hat.

    Junge gut ausgebildete Mitarbeiter mit sozialer Kommpetenz sehen ein hohes Gehalt nicht als Ausdruck hoher Wertschätzung. Sie sehen eher Aspekte wie aktive Einbindung in die Weiterentwicklung des Unternehmens und hohe Freiheitsgrade bei der Ausübung ihres Berufes sowie Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Aufgaben als wesentliche Bestandteile einer ihnen entgegengebrachten Wertschätzung. Hierbei spielt die Ausbildung ab einer gewissen Qualifikation keine Rolle mehr, d.h. es ist dann letztendlich unerheblich ob ein Mitarbeiter promoviert ist oder nicht. Natürlich muß ich meine Mitarbeiter auch adäquat bezahlen, da ich ja auch ständig im Wettbewerb um gut ausgebildete Mitarbeiter stehe. Ihre Aussagen zu Gehaltshöhen im internationalen Vergleich sehe ich eher als sehr pauschal und dazu geeignet an, junge Absolventen auf ein Abstellgleis zu führen.
    Beste Grüße aus Frankfurt in den kleinen Kanton

  • Selbstverstaendlich habe ich in meinem ersten Kommentar - zumindest gedanklich - die Lebenshaltungskosten nicht ausgeklammert. Diese sind - wie mein Vorredner bereits korrekterweise angemerkt hat - zum teil deutlich hoeher als in den umliegenden EU-Laendern. Damit einhergeht aber natuerlich auch eine hoehere Lebensqualitaet, die zu der hoechsten der Welt zaehlt (in der Stadt Zuerich). Um mich von dem Vorwurf der Arroganz etwas zu loesen - in meinen Augen ist die Hoehe des Gehalts ein wichtiger Aspekt der Wertschaetzung von geleisteter Arbeit. Vor dem Hintergrund, dass Bachelorabsolventen bspw. bei Grossbanken mit einem Salaer von rd. 40k EUR einsteigen, finde ich den Stand des promovierten Akademikers nicht ausreichend gewuerdigt. Auch um auf die Frage zurueck zu kommen, was ich (als das lyrische Ich) bereit bin zu leisten: nun einer Promotion geht in der Regel ein langjaehriges Studium voraus, in dem man bereit ist zum einen auf Geld zu verzichten und zum anderen gezeigt hat, dass man den Biss und das Durchhaltevermoegen hat, komplexe Sachverhalte zu analysieren und Loesungsvorschlaege und Anwendungsempfehlungen fuer die Praxis zu entwickeln.
    Und ja, die zweitere Vermutung ist richtig, ich schreibe Ihnen aus dem Fuerstentum Liechtenstein. Meine Hauptfunktion sehe ich zur Zeit der des Privatiers und Goenners sehr aehnlich - wobei ich nicht abstreiten moechte, auch unternehmerisch taetig zu sein.
    Besten Gruesse

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