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Mobbing am Arbeitsplatz So wehren Sie sich, wenn Ihr Chef Sie mobbt

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„Wer nicht krank wird, kriegt auch nichts“

Für den Berliner Arbeitsrechtler Alexander Bredereck sind „Mobbingopfer größtenteils rechtlos“. Einen Fall nachzuweisen, sei schwierig, da Mobbing und „sozial unschönes“ Verhalten schwer voneinander zu trennen seien.

Wenn Mobbing vor Gericht landet, liegt es an dem Betroffenen, den Nachweis zu erbringen. Hinzu kommt: Bei ihnen muss eine Krankheit diagnostiziert worden sein – sonst besteht kein Anspruch auf Schmerzensgeld. „Wenn Sie nicht krank werden, kriegen Sie auch nichts“, erläutert Bredereck. Selbst im Fall des bayerischen Juristen ist noch nicht klar, ob er tatsächlich Schmerzensgeld erhält, das müssen die niedrigeren Instanzen erneut verhandeln.

Wie aber können sich Betroffene dann gegen Mobbing im Beruf wehren?

Der Münchner Mobbingexperte Dieter Schlund empfiehlt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Seine Strategie: sich an den nächst höheren Vorgesetzten wenden – oder am besten gleich an den Chef, auch wenn der verantwortlich für Mobbing ist.

„Man sollte ihn mit einem persönlichen Berater konfrontieren“, rät Schlund. Das mache den Mobbingfall öffentlich. „Der Täter wird sich hüten und seine Angriffe einstellen“, sagt Schlund.

BAuA und die Initiative neue Qualität für Arbeit (INQA) haben einen Ratgeber mit Ansprechpartnern für den Kampf gegen Mobbing zusammengestellt.

Wer die direkte Konfrontation scheut, sollte laut Schlund zumindest Betriebsrat, Vorstand oder Aufsichtsrat ins Vertrauen ziehen. Im Fall von Mobbing ist Anschwärzen nichts Anrüchiges. „Der Arbeitgeber ist verantwortlich für das Handeln seiner Erfüllungsgehilfen, sagt Schlund.

Und: Er dürfte ein Interesse daran haben, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Die AOK Bayern hat 2004 erhoben, dass Firmen pro Mobbingfall bis zu 50.000 Euro Einbußen haben.

Dies hat sich 2007 ein anderes Mobbingopfer zunutze gemacht. Ein Oberarzt aus Lünen in Westfalen war vom Chefarzt am Arbeitsplatz gemobbt worden. Er durfte nicht mehr operieren. Mit dem Verbot wurde dem Chirurg praktisch die Arbeitsgrundlage entzogen. Der Mediziner klagte auf Schmerzensgeld.

Das Bundesarbeitsgericht entschied, dass seine Ausbootung rechtswidrig war. Die Klinik als Arbeitgeber habe ihre Fürsorgepflicht gegenüber dem Oberarzt verletzt. Sie habe den Chefarzt stoppen müssen, hieß es damals in dem Urteil.

Ein Fall, der vielen Mobbingopfern Mut machen könnte.

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