Serie Ratgeber MBA – Teil 2 Wo MBA-Abschlüsse teuer, aber wertlos sind – 5 Kriterien, auf die Sie achten sollten

Unqualifizierte Dozenten, akademische Titel, die nichts gelten: Viele Business-Schools bieten MBA-Abschlüsse an – doch nicht alle halten, was sie versprechen.
Update: 13.07.2018 - 13:02 Uhr Kommentieren
Nicht alle Business-Schools unterhalten eigene Räumlichkeiten. Quelle: mauritius images
Hörsaal im Zwielicht

Nicht alle Business-Schools unterhalten eigene Räumlichkeiten.

(Foto: mauritius images)

DüsseldorfDass schlecht über seine Trump University geredet wurde, war dem frisch gewählten US-Präsidenten Donald Trump offensichtlich ein Dorn im Auge. „Absolventen betrogen“, „unseriöses Angebot“, so lauteten einige der Vorwürfe des New Yorker Generalstaatsanwalts – peinlich für den neuen ersten Mann Amerikas.

So nahm der Namenspatron und Eigentümer der Trump University kurz nach seiner Wahl viel Geld in die Hand: Mit 25 Millionen US-Dollar (umgerechnet 23 Millionen Euro) kaufte sich Trump von den Klagen frei, die gegen sein Institut erhoben worden waren.

Seither ist in diesem Fall Ruhe eingekehrt. Doch auf dem Bildungsmarkt werden fröhlich weiter Mogelpackungen angeboten, als hätte es die Causa Trump nie gegeben. Vor allem mit dem renommierten Wirtschaftsabschluss MBA schmücken sich zahlreiche Business-Schools aus aller Welt – und längst nicht alle sind seriös.

„Titelmühlen“ nennt man die Pseudo-Hochschulen, bei denen das wichtigste Auswahlkriterium für ihre Studenten der Besitz einer Kreditkarte zu sein scheint. Sie geben sich klangvolle Namen und versenden edel anmutende Hochglanzbroschüren, doch die Titel, die sie verleihen, sind das Papier nicht wert, auf das die fantasievollen Abschlussurkunden gedruckt werden.

„Bezeichnungen wie ‚Business-School‘ sind nicht geschützt“, sagt Detlev Kran, Herausgeber des Studienführers „MBA Guide“. Jeder könne mit einem solchen Namen ungeprüft an den Markt gehen. Nur die Titel „Universität“ und „Fachhochschule“ unterliegen in Deutschland einer staatlichen Aufsicht. In anderen Ländern ist die Gesetzeslage ähnlich schwammig.

Für Interessenten, die beispielsweise einen MBA machen wollen, ist es schwierig, unseriöse Anbieter zu erkennen. Allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz listet der „MBA-Guide“ 560 verschiedene Programme auf. Europaweit gibt es einige Tausend Angebote, genaue Zahlen existieren nicht.

Daher weiß auch niemand, wie viele Studiengänge sich auf dem schmalen Grat zwischen inhaltlicher Anspruchslosigkeit und Etikettenschwindel bewegen. In den USA gehen Experten von bis zu 300 Fake-Hochschulen aus, die für Preise von 20.000 Euro und mehr wertlose Studiengänge und Titel feilbieten. Ein Millionengeschäft.

Wer sichergehen will, am Ende seines Studiums tatsächlich einen respektablen Abschluss in der Tasche zu haben, sollte daher bei der Wahl der Business-School einige Kriterien beachten:

1. Staatliche Anerkennung

Nur Anbieter, die von der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) offiziell anerkannt sind, dürfen in ganz Deutschland gültige akademische Titel vergeben. Alle anderen können zwar Weiterbildungsdienstleistungen anbieten. Aber: „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist ein solcher Abschluss nichts wert“, sagt Karlheinz Schwuchow, Professor für Internationales Management an der Hochschule Bremen und zuvor Leiter zweier Business-Schools.

Mehr noch: Wer als Absolvent den Titel einer nicht anerkannten Hochschule nutzt, etwa bei Bewerbungen, im Lebenslauf oder auf der Visitenkarte, macht sich nach deutschem Recht strafbar. Nach Paragraf 132a Strafgesetzbuch wird der Missbrauch akademischer Titel mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet.

2. Akkreditierung

Die besten Business-Schools können mindestens ein Gütesiegel von einem renommierten Akkreditierer vorweisen. Dabei nehmen Professoren anderer Hochschulen, Praktiker und Studenten die Studiengänge unter die Lupe. Der Bericht ist im Internet abrufbar. International sind die renommiertesten Gütesiegel AACSB, Equis und Amba, im deutschsprachigen Raum Fibaa, Acquin und Aqas.

„Die Akkreditierungsberichte sind die einzige neutrale Quelle, die man von außen hat“, sagt MBA-Experte Kran. Allerdings beruht das Urteil stets auf dem Eindruck weniger Prüfer und taugt daher nicht als alleiniges Entscheidungskriterium.

3. Auswahl der Bewerber

Auch wenn lasche Zulassungskriterien und geringer Arbeitsaufwand für den gewünschten Titelerwerb auf den ersten Blick verlockend erscheinen: Was nicht anstrengt, ist meist auch nichts wert. Wenn eine Hochschule echte Leistungsnachweise verlangt, etwa den TOEFL-Test für Englischkenntnisse oder GMAT, den Standard-Auswahltest für MBA-Programme, spricht dies für ihre Seriosität.

Auch wenn persönliche Auswahlgespräche stattfinden, ist dies ein gutes Zeichen. Geht es allein ums Geld, ist Vorsicht geboten. „Einige Zehntausend Euro für einen Kurs ohne akademischen Wert auszugeben – das sollte man sich dreimal überlegen“, warnt Professor Schwuchow – zumal es viele Anbieter gibt, die für weniger Geld eine seriöse Dienstleistung liefern.

4. Eigene Räumlichkeiten

Business-Schools, deren angegebener Hauptsitz in Wohngebieten, Gewerbeimmobilien oder Hinterhöfen liegt, sollten Interessenten zumindest kritisch hinterfragen. Zwar gibt es auch seriöse Anbieter, die ihre Seminare in Tagungshotels oder mit anderen Hochschulen als Partner anbieten. Das Fehlen eigener Hörsäle, Professorenbüros und Lehrstühle ist jedoch zumindest ein Warnsignal, dass hinter dem Hochglanzimage eine Pseudo-Hochschule stecken könnte.

Es ist mittlerweile üblich, MBA-Programme auch als Online-Studiengänge anzubieten. Nur sollten diese eindeutig als solche erkennbar sein. Findet sich der Hinweis, dass der Großteil der Wissensvermittlung über Lernvideos erfolgt, nur im Kleingedruckten, ist Skepsis geboten.

5. Lehrpersonal

Die Qualifikation der Dozenten sagt viel über die Qualität des MBA-Programms. Handelt es sich um Professoren mit anerkannter akademischer Reputation? Oder um Teilzeitdozenten, die hauptberuflich als Wirtschaftsprüfer oder Finanzberater arbeiten? Seriöse Anbieter stellen Tätigkeitsnachweise, Publikationslisten und den wissenschaftlichen Werdegang ihrer Seminarleiter ins Netz.

Business-Schools, die über kein eigenes Lehrpersonal verfügen oder nur über Dozenten zweifelhafter Qualifikation, sollten Studenten kritisch hinterfragen. Auch sollte klar sein, wer abseits der Vorlesungen für die Fragen der Programmteilnehmer zuständig ist. Wer viel Geld für den Abschluss an einer Privathochschule zahlt, hat auch Anspruch auf eine anständige Betreuung.

Darüber hinaus bietet es sich an, sich bei aktuellen Studenten oder Absolventen der Business-School über ihre Erfahrungen zu informieren. Auch internationale Rankings, etwa von der „Financial Times“, sind gute Entscheidungshilfen. Zudem lohnt es sich, einen Blick auf mögliche akademische Partner der Hochschule zu werfen: Werden internationale Kurse von Elite-Unis wie Harvard oder St. Gallen angeboten – oder von einem regionalen College in Australien oder Arkansas?

Ein hoher Preis jedenfalls ist kein Qualitätskriterium für ein MBA-Programm. Manche Titelmühlen verlangen ebenso viel für ihr wertloses Studium wie internationale Topuniversitäten für ihren Spitzenabschluss. Zudem gibt es zahlreiche Bildungsanbieter, die gute Qualität für vergleichsweise wenig Geld liefern.

So bietet beispielsweise die TH Nürnberg einen MBA schon für 15.000 Euro an – mit bewährten Professoren als Dozenten. Bei der Hochschule Reutlingen kostet ein anerkanntes Studium, das in englischer Sprache absolviert wird, nur 6.900 Euro. Bei der privaten Hochschule FOM ist das MBA-Programm für 11.800 Euro zu haben.

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen und abzuwägen. Bevor es am Ende heißt: You’re trumped.

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