Trittleiter für den Aufstieg Die Wahrheit über die Karrierelegende Golf

Wer sich auf den Golfplätzen der Republik tummelt, trifft auf die Wirtschaftsbosse der Deutschland AG. Doch dient der Rasen als Sprungbrett für den Aufstieg? Was am „Karrierefaktor Golf“ wirklich dran ist.
17 Kommentare
Gespräch auf dem Golfplatz: Selten geht es ums Geschäft.

Gespräch auf dem Golfplatz: Selten geht es ums Geschäft.

DüsseldorfErfolgreiche Menschen spielen Golf. Wer es beruflich zu etwas bringen will, sollte also auch an seinem Handicap arbeiten. Schließlich werden auf dem Golfplatz die großen Deals abgeschlossen. Klischees wie diese gibt es viele. Aufstrebende Jung-Manager investieren Tausende in ihre Golfkarriere, nur um beruflich voranzukommen. Doch was ist dran am Karrierefaktor Golf?

Martin Kohlhausen findet deutliche Worte: "Wer in den Golfclub eintritt, um seine Karriere voranzutreiben, der wird auf dem Platz nicht viel Freude haben", sagt der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank. "Golf ist für mich eine wundervolle Freizeitbeschäftigung, bei der man viele interessante Leute trifft, mehr aber auch nicht."

Das zerschmettert die Überzeugung, dieses Hobby gehöre in einen guten Lebenslauf. Langjährige Golfer rücken das Klischee zurecht. Thomas Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank Essen, stellt klar: "Den Karrierefaktor Golf gibt es nicht, allerdings gewinnt Golf zunehmend gesellschaftliche Bedeutung."

Eine Investition in diese Sportart, ausschließlich um im Job vorwärts zu kommen, lohnt sich also offenbar nicht. Doch auch wenn die Beförderung nicht programmiert ist, bietet Golf immerhin eine ideale Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. Denn auf dem Golfplatz lernt man unweigerlich neue Menschen kennen.

Golf ist zwar längst nicht mehr so elitär und teuer wie noch vor einigen Jahren. Was den Sport mit Blick auf die Karriere aber interessant macht, ist wohl das Klientel, das sich auf den Rasen der Republik tummelt.

"Natürlich begegnen mir auf dem Golfplatz tendenziell besser verdienende Menschen in guten Positionen", sagt ein Investmentbanker. Die Chance, einen Firmeneigentümer, Vorstand oder Aufsichtsrat als Spielpartner zu haben, ist je nach Golfclub gar nicht so gering. Schließlich werden bei Turnieren die Flights – also die Dreier- oder Vierergruppen, die zusammenspielen – wild zusammengewürfelt.

Golf dient als Kontaktbörse, hilft aber nicht bei der Jobsuche. Das bestätigt der Investmentbanker, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er ist ein begnadeter Golfer mit einem Handicap von 0,6. Damit ist er ein gern gesehener Turnierpartner. Als der 38-Jährige vor einigen Jahren einen neuen Job suchte, hat ihm sein Golfnetzwerk kaum helfen können. Obwohl er auf dem Platz schon viele Menschen in hohen Positionen kennengelernt hat, hat das die Jobsuche kaum vereinfacht.

"Die Hürden sind natürlich geringer, Bewerbungen werden gelesen, man wird eingeladen, wenn man jemanden kennt", erzählt er. "Das heißt aber noch lange nicht, dass man den Job auch bekommt." Ab einer bestimmten Karrierestufe müsse eben alles passen: Lebenslauf, Erfahrung, Qualifikationen, Leistungsfähigkeit.

Auf dem Golfrasen zum Praktikumsplatz
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Trittleiter für den Aufstieg - Die Wahrheit über die Karrierelegende Golf

17 Kommentare zu "Trittleiter für den Aufstieg: Die Wahrheit über die Karrierelegende Golf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man hätte uns immerhin einmal zitieren können:
    http://www.im.uni-jena.de/wiwimmedia/Dokumente/Lehre/Seminar_Golf/Seminar_1_Einf%C3%BChrung_Golf.pdf
    Die Dokumente stammen vom April 2012.
    Herzliche Grüsse
    Prof. Dr. Katja Rost

  • Habe 20 Jahre in Arizona gelebt und ein Großteil der Bevölkerung spielt auch. Habe meine Clubs mit nach Dtl genommen, mal sehen wenn ich mal wieder spielen kann. Bin kein Banker!"

  • Werter aruba: es steht tatsächlich zu befürchten, dass alles viel schlimmer ist: alle sammeln Briefmarken oder Bankenpapiere. Halten sich an den Gepäckkästen irgendwelcher Überseeflieger fest: so ganz im hier und jetzt.

  • Guten Tag,... Ich habe einen Vorstandsvorsitzenden gekannt der spielte Golf;..... prompt spielten alle auch Golf.... dann kam einer der spielte Tennis;..... zack kauften alle Tennisklamotten.... aber jetzt.... Es kam einer der segelte;... jetzt wurde es schon enger, denn segeln ist teuer. Gute Nacht.

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Hier in Kalifornien spielt jeder Brieftraeger Golf.

  • Ich würde lieber mal wissen warum mein Spitfire ein Rad verlor. War das ein "MÖrder-Marder"?

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • Also wenn man den Artikel so liest, könnte man zusammenfassen: der gebildete Banker spielt Golf!

    Und was war doch noch gleich der Auslöser der EU Krise? Die Banken?

    Stellt sich wohl eher die Frage ob zu viel Golf nicht einer sorgfältigen, seriösen Berufsausübung im Wege steht - und ob mehr Büro nicht sinnvoller wäre, damit Steuerzahler nicht ständig Bankenrettungspakete bezahlen muss.

  • Golf, das ist was für Luftschnapper.
    Dumm werden die auch ohne Golf bleiben.

  • In den USofA gibt es jetzt so viele Golfplätze ,dass manche Clubs die Pleite anmelden müssen.
    Vielleicht ist Golf in Deutschland noch ein Elitesport ,aber hier bei uns schon lange nicht mehr.
    Geschäfte werden im Büro gemacht und nicht auf dem Platz.
    Manche Hausfrauen meinen sie gehôren dazu ,wenn sie mit den Ladies auf dem Platz sind.
    Ich glaube ,mit $ 3000 Jahresbeitrag und dem obligaten Einstandsgeld kann ich etwas Besseres machen als hinter einem kleinen weissen Ball herrennen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%