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Vertrag, Vergütung, Haftung Vorsicht, Vorstandsfalle – Diese rechtlichen Risiken birgt ein neues Amt

Eine Ernennung zum Geschäftsführer, Vorstand oder Aufsichtsrat bietet Grund zur Freude – und zur Vorsicht. Was Sie in rechtlicher Hinsicht beachten sollten.
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Blindes Vertrauen in den Arbeitgeber kann fatale Folgen haben. Quelle: mauritius images / Ikon Images
Nächstes Ziel: Neues Amt

Blindes Vertrauen in den Arbeitgeber kann fatale Folgen haben.

(Foto: mauritius images / Ikon Images)

Düsseldorf Als Jürgen Koller (Name von der Redaktion geändert), Bereichsleiter eines deutschen Versicherungskonzerns, ein Geschäftsführer-Posten in Singapur angeboten wird, ist er begeistert von dieser Karriere-Chance. Mit seiner Familie zieht er nach Südostasien, um die dortige Tochtergesellschaft zu leiten.

Kurz nach seinem Amtsantritt dann die böse Überraschung: Die US-Börsenaufsicht SEC lädt ihn vor. Schwarze Kassen und Beamtenbestechung, um an Regierungsaufträge zu kommen, lautet der erhobene Vorwurf. Der deutsche Manager soll für die Verfehlungen seines Vorgängers und den der Versicherung entstandenen Schaden geradestehen.

Fälle wie diese sind für Anwalt Christoph Abeln nicht selten. Im konkreten Fall gelang es dem Fachanwalt für Arbeitsrecht zwar, den deutschen Manager rauszupauken. Der Berliner Jurist warnt dennoch mit Nachdruck davor: „Oft übernehmen sogar erfahrene Manager neue Geschäftsführer- oder Vorstandsämter allzu blauäugig“.

Wer zum neuen Geschäftsführer oder Vorstand, Partner oder Aufsichtsrat für eine Konzerngesellschaft ernannt wird – dem sind die möglichen Risiken häufig unklar. Denn wer sich jahrelang im Unternehmen hochdient, vertraue zu sehr dem Arbeitgeber, hinterfrage zu selten die Bedingungen seiner neuen Position, weiß Abeln – eine fatale Sorglosigkeit.

Mit der Bestellung zum Geschäftsführer oder Vorstand kann der bisherige Arbeitsvertrag einer Führungskraft außer Kraft treten und damit sämtliche gesetzlichen Regelungen zur Vergütung, Arbeitszeit, zum Urlaubsanspruch und Kündigungsschutz. Haftungs- und Reputationsrisiken steigen dagegen.

Sich selbstverständlich sorgfältig mit den neu übernommenen Risiken vertraut machen, sollten auch alle Mitarbeiter internationaler Beratungsunternehmen oder Wirtschaftskanzleien, denen der Partner-Status angetragen wird. „Meine Hausaufgaben muss ich als Geschäftsführer- oder Vorstandskandidat schon machen und den Vertrag sorgfältig prüfen“, fordert Helmuth Uder von der Organisations- und Personalberatung Korn Ferry.

Ganz ähnlich sieht es für die Aufsichtsräte in spe aus. Viele vergessen in der ersten Euphorie, sich gründlich schlau zu machen „Mit den Risiken sowie den hohen zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen beschäftigen sich viele erst im Nachhinein“, sagt Peter Ruhwedel. Der Wirtschaftsprofessor ist Experte in Sachen Aufsichtsratstätigkeit und weist darauf hin, dass Aufseher für Fehlentscheidungen auch persönlich haften – etwa, wenn sie im Kontrollgremium einer zu hohen Vorstandsvergütung zugestimmt haben

Lohnend ist es zudem, sich mit dem Thema Vergütung zu beschäftigen. „Wer sich auf solche exponierten Stellungen begibt, sollte sein Vergütungspaket neu verhandeln“, rät Uder. Das belegen etwa Analysen von Dax-Unternehmen mit selbstständigen Tochtergesellschaften: Ein Vergütungsplus von 20 bis 30 Prozent können Geschäftsführer und Vorstände dort erzielen.

Der Vertrag auf Zeit plus ein erhöhtes Erfolgsrisiko werden durch verstärkte variable Vergütungsanteile versüßt. Das ist attraktiv. Die zugrunde liegenden Anreizsysteme aus kurzfristigen Boni und langfristigen Incentives wie Aktienoptionen sollten allerdings genauestens verstanden werden.

Vergütung und Haftung sind wichtige zu regelnde Elemente vor Amtsantritt. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Details zu beachten. „Zum Beispiel festzuschreiben, dass über eine Vertragsverlängerung drei, besser sechs Monate vor Vertragsende mit dem Aufsichtsrat gesprochen wird“, sagt Uder. Nur so kann der Betreffende seine berufliche Zukunft planen und verhindert eine Vertragsverlängerung auf den letzten Drücker.

Jüngstes Fallbeispiel ist der glücklose BMW-Chef Harald Krüger. Der 53-jährige Diplom-Ingenieur ging zuletzt selbst auf BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer zu, als er merkte, dass ihm nach zwei Prognosesenkungen der Rückhalt der Mehrheitsaktionäre fehlte. Statt einer zweiten Amtszeit kam es zur vorzeitigen Vertragsauflösung. Gut, wer dann eine Exit-Vereinbarung bereits in der Tasche hat.

Was Newcomer vor ihrem Amtsantritt zudem unbedingt wissen müssen, verraten Arbeitsrechtler Christoph Abeln, Managerhaftungsspezialist Michael Hendricks und Vergütungsprofi Helmuth Uder im Folgenden:

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