Andreas Haffner, Personalvorstand bei Porsche „Das Auto wird immer mehr zum rollenden Smartphone“

Die Automobilindustrie wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern, sagt Porschevorstand Haffner. Neben der Digitalisierung sind Elektromobilität und autonomes Fahren die Zukunftstrends.
  • Katja Stricker
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Porsche-Personalvorstand Andreas Haffner zur Zukunft des Autos Quelle: Jürgen Altmann für Handelsblatt
Andreas Haffner

Der Personalvorstand bei Porsche, besuchte einen Vormittag lang Schülerinnen der 11. und 12. Klasse des Gymnasiums St. Gertrudis in Ellwangen.

(Foto: Jürgen Altmann für Handelsblatt)

Wo merken Sie die Auswirkungen der digitalen Transformation bei Porsche?

Eigentlich überall. Die Automobilindustrie wird sich in den kommenden fünf Jahren stärker und grundlegender verändern, als in den vergangenen 50 Jahren. Dabei wird das Auto immer mehr zum rollenden Smartphone.

Unsere Kunden in China – und nicht nur dort – legen heute schon viel Wert darauf, dass ihr Smartphone auch mit dem Auto verbunden ist – und sie dort am Bildschirm alles verwalten können. Wir als Automobilhersteller müssen dabei unter anderem gewährleisten, dass die Daten auch unterwegs sicher sind. Aber das ist nur ein Aspekt.

Was sind weitere Zukunftsthemen?

Auf jeden Fall die Elektromobilität. Unsere Energiereserven sind begrenzt. Daher arbeiten alle Automobilhersteller – und natürlich auch wir – an reinen Elektroautos. Ich schätze, dass ab dem Jahr 2025 mehr Autos mit Elektroantrieb als mit Verbrennungsmotor auf deutschen Straßen zugelassen werden. Wir bringen unseren Taycan, einen reinen Elektro-Porsche, Ende 2019 auf den Markt. Er wird komplett vernetzt sein, das heißt, wir können dort permanent neue Software wie z.B. neue Karten beim Navigationssystem aktualisieren, ohne dass unser Kunde in die Werkstatt muss.

Diese Funktionalität kann künftig auch genutzt werden, um die Verkehrsströme gerade in Städten und Ballungsräumen zu optimieren. Beispielsweise um Ampelschaltungen der aktuellen Verkehrssituation anzupassen oder freie Parkplätze im Navigationssystem automatisch anzuzeigen. Solche Zukunftsprojekte funktionieren natürlich nur, wenn alle Fahrzeuge vernetzt sind.

Wann kommt der selbstfahrende Porsche?

Autonomes Fahren ist sicherlich auch für uns ein wichtiges Zukunftsthema, aber ich bin derzeit überzeugt: Ein Porsche wird immer ein Lenkrad haben. Unsere Kunden legen großen Wert darauf, ihr Fahrzeug selbst zu fahren und zu steuern. Aber wer schon mal im Stau gestanden hat oder sich jeden Morgen als Berufspendler durch die Stadt oder dichten Verkehr quält, weiß, wie attraktiv es wäre, in solchen Situationen einfach den Autopiloten anzuschalten, um Hände und Augen frei zu haben. So lässt sich die Zeit sinnvoll nutzen, um beispielsweise Zeitung zu lesen, zu telefonieren oder seine Mails zu bearbeiten. Deshalb wird es auch bei Porsche in einigen Jahren solche Möglichkeiten geben.

Wie verändert sich durch die Digitalisierung die Arbeitswelt bei Porsche?

Früher standen die Mitarbeiter in der Automobilindustrie am Fließband und haben da mit Schraubenziehern und Co. ihre Arbeitsschritte gemacht. Bei der Produktion unseres neuen Taycan beispielsweise wird es kein rein klassisches Band mehr geben. Fahrerlose Roboter werden diese Aufgabe teilweise übernehmen. Unsere Mitarbeiter werden mit computergesteuerten Werkzeugen arbeiten, die übers Netz verbunden sind und anzeigen, an welche Schraube das Werkzeug gehalten werden muss. Und künftig werden sicher auch unsere Mitarbeiter gemeinsam mit Robotern in der Produktion arbeiten, die ihnen beispielsweise körperlich schwere Arbeiten abnehmen.

Haben Sie eine interne Frauenquote?

Ja, die haben wir. Derzeit sind konzernweit rund 15 Prozent unserer Mitarbeiter Frauen – und da wollen wir noch deutlich besser werden und mittelfristig auf rund 30 Prozent kommen. Außerdem ist es uns wichtig, mehr Frauen ins Management zu holen. In der ersten Führungsebene ist unser Ziel beispielsweise bis 2021 bei 15 Prozent zu landen, auf der 2. Führungsebene bei rund 20 Prozent.

Was tun Sie, um diese Ziele zu erreichen?

Wir achten beispielsweise darauf, dass mindestens 30 Prozent unserer Auszubildenden weiblich sind. Bei den dual Studierenden haben wir sogar einen Frauenanteil von fast 50 Prozent. Außerdem bieten wir für Schülerinnen einen so genannten „Girls Month“ an, wo sie einen Monat lang bei uns in verschiedene Bereiche reinschnuppern können. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen, gibt es an allen Porsche-Standorten Kooperation mit Kitas oder Belegkitaplätze für unsere Mitarbeiter. Wir haben sehr flexible Arbeitszeiten und bieten auch Home-Office an. Große Akzeptanz findet auch unser Job-Sharing-Modell für Führungskräfte. Hier teilen sich zwei Frauen oder auch ein Mann und eine Frau jeweils in Teilzeit eine Führungsfunktion. In der Regel arbeitet jeder drei Tage die Woche – entweder Montag bis Mittwoch oder Mittwoch bis Freitag. Damit lassen sich Beruf und Familie hervorragend miteinander vereinbaren.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

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