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Tanja Wielgoß, Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR) „Es wird sicher selbstfahrende Müllautos geben“

Die Chefin der Berliner Stadtreinigung Wielgoß über die Mammutaufgabe, Geschäftsfelder massiv auszubauen, um mittelfristig 3.500 Jobs im Unternehmen umgestalten zu können.
  • Katja Stricker
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BSR-Chefin Tanja Wielgoß zur Stadtreinigung der Zukunft
Tanja Wielgoß

Die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR), diskutierte mit dem Wirtschaftskurs der 11. Klasse am Luther-Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg.

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeit der Berliner Stadtreinigung?

Sie macht sich bei uns in nahezu allen Bereichen bemerkbar. Wir haben beispielsweise einen komplett digitalen Rechnungsaustausch mit unseren großen Kunden. Marketing und Kommunikation der BSR sind in den sozialen Medien und Kanälen aktiv.

Und auch in der Logistik und Tourenplanung hat die Digitalisierung Einzug gehalten, wobei ich mir da noch sehr viel mehr vorstellen kann. Und natürlich läuft in unserem Müllheizkraftwerk, in der Biogas- und der Papiersortieranlage sehr viel digital und vernetzt.

Wie sieht die Straßenreinigung und Müllabfuhr der Zukunft aus?

Das haben wir kürzlich in einem Workshop mit dem Fraunhofer-Institut unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis: Es wird sicher selbstfahrende Müllautos geben. Auch sich selbst bewegende Mülltonnen – im Sinne von Platooning – sind durchaus denkbar, genauso wie Kehr-Roboter.

Unser Geschäft wird sich also massiv ändern. Das heißt für uns: Mittelfristig müssen wir die 3.500 Jobs in Orange umgestalten. Das ist eine Mammutaufgabe, auf die wir Antworten finden müssen. Dazu gehört auch, unsere Geschäftsfelder so auszubauen und zu erweitern, dass wir auch künftig Perspektiven für diese Kolleginnen und Kollegen bieten.

Wie verändern sich die Jobs bei Ihnen?

Heute erleben wir im Unternehmen eine kulturelle Transformation – vor allem in Bezug auf das Thema Führung: Alle unsere Führungskräfte, auch die Gruppenleiterinnen, die in der Müllabfuhr oder Straßenreinigung mit ihren Teams auf den Berliner Straßen unterwegs sind, können und die meisten wollen auch mehr mitgestalten. Das heißt gleichzeitig, dass Sie auch die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Wir fördern diese Haltung sehr gezielt seit drei Jahren: Da gibt es viele bei uns, die in ihrer neuen Rolle aufgeblüht sind und noch mehr für ihre Aufgabe brennen als vorher.

Fahren Sie selbst auch mal mit den Müllautos raus?

Ja klar. Das ist mir wichtig und macht mir auch großen Spaß. Ich bin regelmäßig in Orange auf Berlins Straßen unterwegs, fahre mit den Müllwerkern eine Tour oder mache ein Schicht mit den Teams von der Straßenreinigung. Diese Tage tun mir sehr gut, weil ich mitkriege, an welchen Stellen es bei den Beschäftigten hakt. Zum Glück haben wir so wunderbar selbstbewusste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – da gibt es auch von deren Seite kaum Berührungsängste.

Wie läuft bei Ihnen die Work-Life-Balance?

Ich sage lieber Life-Balance. Denn Arbeiten und Leben sind für mich keine Gegensätze. Und hier geht es wahrscheinlich vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Mein Mann und ich teilen uns die Betreuung unserer beiden Kinder. Lange Zeit haben wir beide 80-Prozent-Stellen gehabt. Das war großartig für uns beide und hat prima geklappt – übrigens bei mir nicht zu Lasten der Karriere. Denn Präsenz und Leistung sind aus meiner Sicht zwei verschiedene Themen. Mittlerweile sind unsere Kinder mit sieben und neun Jahren sehr selbstständig. Darauf sind mein Mann und ich stolz.

Bei der BSR arbeite ich jetzt übrigens Vollzeit. Aber generell bin ich überzeugt, dass sich so ziemlich jeder Job auch auf 80 Prozent reduzieren lässt und faktisch fast jeder Vorstand de facto Teilzeit arbeitet. Denn interessanterweise werden die Nebentätigkeiten in Aufsichtsräten, Kuratorien oder Stiftungen nie vom Vollzeitpensum abgezogen. Und: ein großes Beispiel hier ist für mich Carsten Spohr. Er bekleidete schon sehr hohe Führungspositionen und flog immer noch für die Lufthansa als Pilot. In der Zeit konnte er noch nicht einmal telefonieren.

Wie viele Frauen arbeiten bei der Berliner Stadtreinigung?

In den Führungspositionen sind es fast 40 Prozent. Ich bin ein großer Fan von gemischten Teams, ich finde wir sollten uns in Richtung Geschlechterquote bewegen. In der Müllabfuhr arbeitet bisher noch keine Frau, was sich allerdings ändern wird. Und in der Straßenreinigung besetzen wir seit fast zehn Jahren die Hälfte der Stellen mit Frauen. Mittlerweile haben wir da einen Frauenanteil von rund 20 Prozent.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

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