Nicola Leibinger-Kammueller Die Licht-Gestalt

Nicola Leibinger-Kammüller kam vor zehn Jahren als Überraschungscoup an die Spitze des Laserspezialisten Trumpf. Seitdem hat sie den Umsatz verdoppelt, eine eigene Bank und nun eine Softwaresparte gegründet.
Die Unternehmerin liebt Literatur, studierte Germanistik und Anglistik. Lieblingsschriftsteller: Thomas Mann. Über das Spätwerk von Erich Kästner promovierte sie. Quelle: dpa
Nicola Leibinger-Kammüller

Die Unternehmerin liebt Literatur, studierte Germanistik und Anglistik. Lieblingsschriftsteller: Thomas Mann. Über das Spätwerk von Erich Kästner promovierte sie.

(Foto: dpa)

DitzingenNicola Leibinger Kammüller ist streng protestantisch erzogen. Die Mutter von vier Kindern mag die Besinnlichkeit der Weihnachtstage. „Aber dann ist es auch genug. Dann kann ich nichts Grünes und Rotes mehr im Haus sehen.“ Dann packt sie die Weihnachtssachen wieder in die Kiste und geht rasch an die Arbeit.

So sieht am Jahresanfang die Schnittstelle von Familie und Firma bei der inzwischen einflussreichsten deutschen Familienunternehmerin aus. „Meine Kindheit war eine Schule der Disziplin. Die Firma geht vor – immer, immer, immer“, sagt die Chefin des Maschinenbauers Trumpf. Wichtige Dinge wiederholt sie gerne, mit zunehmender Intensität der Stimme – und des Blicks.

Ja, sie hat als Vater einen charismatischen Ingenieur und Unternehmer. Ja, sie wäre kaum als promovierte Literaturwissenschaftlerin Chefin eines anderen großen Maschinenbauers geworden. Ja, Berthold Leibinger wählte sie zur Nachfolgerin, vor allem um die Interessen der Familienmitglieder in der Geschäftsführung zu moderieren.

Damals 45 Jahre alt, galt ihre Berufung als Überraschung. Erwartet worden war an der Firmenspitze eher ihr Bruder Peter, ein leidenschaftlicher Ingenieur, aber mit einem eher zurückhaltenden Wesen. Seine große Schwester hatte zuvor weder Technik noch Wirtschaft studiert, sondern Germanistik, Anglistik und Japanologie. Im Unternehmen war sie dann als Kommunikationschefin, Arbeitsdirektorin und in der Berthold-Leibinger-Stiftung eher in den klassischen Frauenpositionen tätig. „Das Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge schafft ein Geisteswissenschaftler auch“, sagt sie heute.

In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich von Jahr zu Jahr freier geschwommen. Es ist vor allem die Performance an der Trumpf-Spitze, die sie in die Hall of Fame des Handelsblatts getragen hat. Der Weltmarktführer in der Lasertechnologie verändert sich unter ihrer Führung stärker als je zuvor. Sie ist das Gesicht nicht nur von Trumpf, sondern inzwischen das des gesamten deutschen Mittelstands.

Die Tochter führt im Team, nicht als Patriarch
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