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Arbeitszeitmodelle Auszeit als Anreiz

Mitarbeiter gehen lassen, um sie zu binden – das ist nur auf den ersten Blick ein Paradoxon. Mit Sabbaticals erhöhen Unternehmen die Attraktivität für Fachkräfte. Gute Planung hält den Aufwand für Betriebe in Grenzen.
  • Christine Haas
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Freistellung für mehrere Monate ist möglich. Quelle: picture-alliance / Patrick Seege
Produktion bei Hansgrohe

Freistellung für mehrere Monate ist möglich.

(Foto: picture-alliance / Patrick Seege)

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Mit dem Rucksack durch Asien reisen oder mehr Zeit mit der Familie verbringen – welches Projekt die Mitarbeiter auch anstreben, Thomas Egenter will ihnen dafür Zeit freischaufeln. Seit zehn Jahren sorgt der Personalleiter des Armaturenherstellers Hansgrohe dafür, dass seine Leute mehrere Monate von der Arbeit freigestellt werden können, um sich auf private Interessen zu konzentrieren. „Das ist nicht einfach, aber wir bemühen uns sehr, für jeden eine Lösung zu finden“, sagt Egenter.

Die Finanzierung sei meist kein Problem: Auf einem Zeitkonto könnten die Mitarbeiter Überstunden und Prämien ansammeln und diese dann in bezahlte Freizeit umwandeln. Die größte Herausforderung stellt sich dem Personalleiter im laufenden Betrieb: Wie ersetzt man die fehlende Kraft? „Da muss ich auch mal akzeptieren, wenn Arbeit liegen bleibt“, erläutert Egenter. Über allem steht ein Gedanke: „Ich möchte meine guten Mitarbeiter halten. Diejenigen, denen ich so eine Auszeit ermögliche, die kommen zufrieden und hochmotiviert zurück.“

Mitarbeiter gehen lassen, um sie zu binden – nur auf den ersten Blick ein Paradoxon. Für Konzerne und Mittelständler sind mehrmonatige Auszeiten vom Job, auch Sabbaticals genannt, mittlerweile ein wichtiges Instrument der Personalführung. Im steigenden Wettbewerb um Fachkräfte nehmen Unternehmen die zusätzlichen Kosten auf sich, denn sie wissen: Wollen sie qualifiziertes Personal anlocken oder halten, müssen sie auf Wünsche eingehen. Sabbaticals stehen dabei weit oben auf der Liste.

Fast jeder dritte Berufstätige beschäftigt sich aktiv mit dem Thema Sabbatical, ergab eine Studie des Karrierenetzwerks Xing im Januar. Zehn Prozent der Deutschen haben bereits eine Auszeit genommen, weitere 21 Prozent liebäugeln mit einer beruflichen Verschnaufpause, so die repräsentative Studie, für die knapp 1.500 Arbeitnehmer in Deutschland befragt wurden.

Halb Deutschland will eine Auszeit vom Job
Auszeit vom Job
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Stress im Job, lange Arbeitszeiten und zu kurze Wochenenden: Aus diesen Gründen wollen viele Arbeitnehmer eine Pause vom Job nehmen. Diese Auszeit, auch Sabbatical genannt, ist in Deutschland so stark gefragt wie noch nie – und für einige kann die ruhig länger dauern: 43 Prozent der Befragten wollen zwischen drei und sechs Monaten pausieren. Fast ein Drittel möchte eine Auszeit bis zu einem ganzen Jahr („Sabbatjahr“) und elf Prozent können sich eine Zeitspanne von bis zu zwei Jahren vorstellen. Das sind die Ergebnisse der größten deutschen Sabbatical-Studie des Meinungsforschungsinstituts Fittkau & Maaß im Auftrag von wimdu.de, dem Onlineportal für Ferienappartements. An der Umfrage nahmen 2100 deutsche Internetnutzer teil.

Quelle: wimdu.de

Viele zieht es in die Ferne
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Die Gründe für eine berufliche Auszeit sind vielfältig: 57 Prozent der Befragten geben an, Reisen und mehr Zeit für sich haben zu wollen. Frankreich, Thailand, Japan, die USA und Australien sind besonders beliebte Reiseziele. 25 Prozent wollen dabei ungestört sein. 75 Prozent ziehen es dagegen vor, mit dem Partner, mit der Familie oder mit Freunden Urlaub zu machen.

Frauen und Sabbatical
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Frauen haben öfter den Drang, ein Sabbatical in Anspruch zu nehmen, weil sie einen „Neustart“ suchen (68 Prozent). Außerdem wollen sie den Alltag bei Beziehungs- (62 Prozent) oder Jobproblemen (58 Prozent) hinter sich lassen. 60 Prozent wollen auf einer Weltreise viele Länder und Kulturen kennenlernen.

Männer und Sabbatical
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Bei den Männern hingegen wollen nur 32 Prozent ihr Leben drastisch verändern. 42 Prozent der befragten Männer wollen eine längere Auszeit, wenn es im Job schwieriger wird. Bei Problemen im Privatleben sind es 38 Prozent. 61 Prozent wollen das Sabbatical in Nordamerika oder Kanada genießen.

Verschnaufspause vom Leben
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54 Prozent der Studienteilnehmer wollen während eines Sabbaticals zu sich selbst finden. Die Hälfte der Befragten will mit der Auszeit ein Burnout überwinden oder einem vorbeugen.

Neue Sprachen
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Häufig geben die Befragten an, dass sie Sprachen lernen (30 Prozent), das Leben grundlegend verändern (21 Prozent) wollen. Schlanke zwölf Prozent wollen diese Zeit für die berufliche Weiterbildung nutzen.

Finanzierung des Sabbaticals
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Über die Finanzierung der Sabbatmonate gibt es unterschiedliche Vorstellungen. 72 Prozent der Befragten, die eine Auszeit im Auge haben, rechnen damit, auf Ersparnisse oder Rücklagen zurückgreifen zu müssen. Rund ein Fünftel (19 Prozent) hofft auf finanzielle Unterstützung vom Partner oder von der Familie.

Die Berlinerin Andrea Oder hilft als Sabbatical-Coach den Unternehmen und ihren Beschäftigten dabei, die Sabbatzeiten umzusetzen. „Gerade für junge Absolventen ist der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit sehr wichtig. Die Lebensarbeitszeit steigt, deshalb nimmt auch das Bedürfnis nach zwischenzeitlichen Pausen zu“, sagt Oder. „Wer das anbietet, steigert seine Attraktivität als Arbeitgeber deutlich. Und der Aufwand ist wesentlich geringer, als viele befürchten.“ Ein Rechtsanspruch bestehe hingegen nicht.

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