Zum Special von Handelsblatt Online

Frauen in Führungspositionen Was zur Gleichberechtigung noch fehlt

Es gibt wahrlich keinen Mangel an Büchern zum Thema gläserne Decke. Doch Anne-Marie Slaughter denkt das Thema größer – und trifft damit den Kern des Problems auch aus Sicht der Männer.
4 Kommentare
Die Autorin Anne-Marie Slaughter präsentiert eine neue Vision, was Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wirklich bedeuten würde und wie dies zu erreichen wäre. Quelle: Getty Images

Die Autorin Anne-Marie Slaughter präsentiert eine neue Vision, was Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wirklich bedeuten würde und wie dies zu erreichen wäre.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfEs geht nicht um das Frauenbild. Oder um Zeit. Die Frage, warum es immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt, beantwortet Anne-Marie Slaughter subtiler: Weil wir eine völlig schräge Bewertung von Arbeit und Betreuung haben. Wer den Haushalt schmeißt und Kinder großzieht, tut in den Augen der meisten Menschen weniger für die Gesellschaft als der Workaholic.

Anne-Marie Slaughter weiß genau, wovon sie spricht. Sie ist als Professorin genauso gefordert wie ihr Mann. Die Politikwissenschaftlerin leitete den politischen Planungsstab im US-Außenministerium, war also zwei Jahre lang einer der wichtigsten Mitarbeiterinnen von Hillary Clinton. Im Februar 2011 kehrte sie nach Princeton zurück und nahm dort ihre Professur wieder auf. Sie ist zudem Präsidentin des renommierten Thinktanks “New America”.

Für sie war es schlimm, den Job bei Hillary Clinton aufzugeben. Aber die Entfernung zu ihrer Familie war nicht mehr auszuhalten: „Tief im Inneren wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war, nach Hause zurückzukehren, wenngleich ich die Frau, die diese Entscheidung traf, eigentlich nicht wiedererkannte”, schreibt Slaughter in ihrem Buch „Was noch zu tun ist”, das kürzlich im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Der Untertitel „Damit Frauen und Männer gleichberechtigt leben, arbeiten und Kinder erziehen können“ verrät, dass es sich um einen Ratgeber handelt – und nicht um eine Anklageschrift an das männliche Geschlecht. Es ist ein durchaus persönliches Buch, aber durch den Kenntnisreichtum der Autorin gleichermaßen relevant und nutzbringend – übrigens unabhängig davon, welchen Geschlechts der oder die Leserin ist.

Welche Wirtschaftsbücher sich lohnen
Leben im Zeitalter der Überforderung
1 von 33

In seinem neuen Buch “Weltbeben” (Knaus Verlag) beweist Gabor Steingart, dass er “ein Außerirdischer vom Stern der klaren Worte” ist (O-Ton des Philosophen Peter Sloterdijk). Der Herausgeber des Handelsblatts braucht gerade einmal 233 Seiten, um den Zustand der Welt in kristallklaren Sätzen auf den Punkt zu bringen. Denn “nur wer seine Überforderung begreift, kann sie überwinden”.

Wer die Welt wirklich regiert
2 von 33

In der Tagesschau sieht man sie praktisch nie, aber dennoch haben sie mehr Macht als die Angela Merkels dieser Welt: Ihre Namen lauten unscheinbar wie Larry Fink oder Stephen Schwarzman. Hans-Jürgen Jakobs, Senior Editor des Handelsblatts, hat sich mit über 30 Korrespondenten zusammengetan, um die 200 wichtigsten Strippenzieher des Kapitalismus zu portraitieren. "Wem gehört die Welt?" (Knaus Verlag) ist entsprechend eine Fleißarbeit, die in keinem Bücherschrank eines Wirtschaftsinteressierten fehlen sollte.

Was auf uns zukommt
3 von 33

Alec Ross kennt Hinz und Kunz – und lässt sein Buch „Die Wirtschaftswelt der Zukunft” (Plassen Verlag) aus der Masse an Glaskugel-Geschreibsel herausragen. Ross war vier Jahre lang Chef-Berater für Innovationen der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton. Und er führt Quellen an, auf die normalsterbliche Autoren in dieser Zahl in der Regel nicht zurückgreifen können. Auch für den deutschen Leser lohnt sich die Lektüre – wegen der US-Sichtweise allerdings deutlich weniger als für einen Amerikaner. Da böte sich als Ergänzung ein anderes Buch an...

Können deutsche Firmen mithalten?
4 von 33

Durch sein halbjähriges Sabbatical kennt Christoph Keese das Silicon Valley bestens. Sein gleichnamiges Buch wurde 2013 ein Bestseller. Jetzt hat der Springer-Manager bewiesen, dass er auch die deutsche Unternehmenswelt exzellent kennt. Sei neues Buch „Silicon Germany” (Knaus Verlag) ist so scharfsinnig wie brillant, legt es doch den Finger in die Wunde, ohne mutlos zu machen. Keese ist extrem kritisch und gibt sich nicht mit Halbwahrheiten zufrieden. Gewann völlig zurecht den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2016.

Unsere Antwort auf das Silicon Valley
5 von 33

Dasselbe Thema, andere Meinung: Die digitale Revolution geht vom Silicon Valley (Foto, im Zentrum der Apple Campus) aus – aber auch Deutschland wird von ihr massiv profitieren. Das glauben die Journalisten Marc Beise und Ulrich Schäfer. In ihrem Buch „Deutschland digital” (Campus Verlag) vertreiben sie die pessimistischen Ansichten rund um die Zukunftstauglichkeit der deutschen Unternehmen. Zurecht nennen sie eine ganze Reihe von Positiv-Beispielen, sind im Grundton aber zu unkritisch.

El-Erian über den Fall der Zentralbanken
6 von 33

Mohammed El-Erian gehört zu den beliebtesten Interviewpartnern und Gastautoren der Wirtschaftspresse - und das aus gutem Grund: Er ist einer der scharfsinnigsten Analysten unser Zeit. In seinem neuen Buch “Aufstieg und Fall der Zentralbanken” (Finanzbuch Verlag) erklärt er nicht nur die Lage der Geldhüter, sondern weist auch den Weg in eine bessere Zukunft.. Keine leichte Bettlektüre, aber absolut lesenswert.

Was man von den besten Ted-Talk-Rednern lernen kann
7 von 33

Über 500 Ted-Talks (wie die von Bill Gates, siehe Foto) hat sich Carmine Gallo analysiert und das Ergebnis ist fürwahr hilfreich: Wer regelmäßig präsentiert, sollte “Talk like Ted” (Redline Verlag) nicht links liegen lassen. Für die bekannteste Vortragsreihe der Welt standen zig Berühmheiten, aber auch bis dato eher unbekannte Denker auf der Bühne. Und sie fesseln nicht nur mit Ideen, sondern auch mit brutal gutem Handwerk. Die Tricks kann jeder lernen.

Slaughter ist kurz gesagt das Gegenteil von Alice Schwarzer, also bei weitem keine Frauenrechtlerin, die sich auf jeder Seite dem Rasuch des Weiblichkeitswahns hingibt. Sie ist kühle Analytikerin und schafft den Spagat zwischen wissenschaftlicher Herangehensweise, lesbar-verständlichem Schreibstil und einem hohen Maß an realitätsnahem Pragmatismus. Und sie macht sich und ihren Lesern keine Illusionen: Beruf und Familie zu vereinen heiße, „am Rand der Dauerkrise zu leben”. Außerdem sei es eine Illusion, „die Vereinbarkeit von Familie und Karriere würde von eigenen Entscheidungen abhängen”. Man habe vieles nicht in der Hand.

Die Unterbewertung von Betreuungsarbeit
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Frauen in Führungspositionen - Was zur Gleichberechtigung noch fehlt

4 Kommentare zu "Frauen in Führungspositionen: Was zur Gleichberechtigung noch fehlt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Frauenführung wie bei Yahoo??

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Toller Artikel und ein guter Kommentag, Herr Keizer

  • Es ist schon sehr merkwürdig in unserer Gesellschaft, dass Betreuung fremder Kinder geschätzter ist, als die Betreuung der eigenen Kinder. Eine Frau mit Kindern leistet enorm viel für die Gesellschaft. Wenn selbstverständlich auch Männer diese Funktion des Betreuens übernehmen können, es wird Hauptaufgabe der Frauen bleiben. Ein großes Problem ist es, dass den Frauen von interessierter Seite, Unternehmen - Politikern, eingeredet wird, dass die fremdbestimmte Arbeit besser ist. Auch die sog. Emanzipation geht in die falsche Richtung. Danach sollen sich die Frauen den Männern anpassen. Dabei sind Frauen auf vielen Gebieten ganz anders gestrickt und sollten ihre Weiblichkeit viel stärker vertreten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%