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Frauen-Karrieren Allein unter Männern

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Ihr Arbeitsgerät kostet 90 Millionen Euro
Ihr Job kann bedeuten, zu töten oder getötet zu werden.
Eurofighter-Pilotin Nicole Baumann

Ihr Job kann bedeuten, zu töten oder getötet zu werden.

Nicola Baumann: Maßgeschneiderte Karriere

Beim Einstellungstest wurde Nicola Baumann bewusst, auf was sie sich eingelassen hat. Da wurde sie doch tatsächlich gefragt, ob sie als Frau denn auch rückwärts einparken könne? Sonst wäre sie hier nämlich falsch. Baumann nahm es mit Humor: Die gebürtige Oberbayerin bestand den Pilotentest bei der Bundeswehr mit Bravour. Heute ist sie eine der wenigen Eurofighter-Pilotinnen in Deutschland. Schon seit vielen Jahren fliegt die zierliche Frau Kampfflugzeuge, auch Tornados. Sie war Fluglehrerin in Texas, inzwischen ist sie in Nörvenich, westlich von Köln, stationiert. Drei- bis viermal pro Woche übt sie, bleibt mit ihrem 90 Millionen Euro teuren Fluggerät für ein bis zwei Stunden in der Luft. Es sind abgesperrte Lufträume, in denen die Bundeswehr trainiert, zum Beispiel über Ramstein in Rheinland-Pfalz. „Wer hier seine Leistung bringt, der wird akzeptiert und respektiert“, sagt die 31-Jährige. Baumanns 30 Kollegen sind alle männlich, mittlerweile habe sich der Alltag eingependelt, berichtet sie.

Vor ein paar Jahren noch sei sie bei Flugshows häufig von älteren Herren schräg angeschaut worden, wenn ihnen klar wurde, dass eine Frau fliegen wird. Heute nicht mehr. Dass sie eine „Quotenfrau“ sein könnte, davon will Baumann nichts wissen. Sie sei hier, weil sie ihren Job beherrsche, sagt sie. Wie sie überhaupt zur Bundeswehr gekommen ist? Als Kind sei sie schon immer gerne in den Urlaub geflogen, für die Pilotenausbildung bei der Lufthansa war Baumann, 1,60 Meter kurz und 55 Kilo leicht, schlicht zu klein. Für die Bundeswehr nicht. Ihre Uniform allerdings ist eine Spezialanfertigung, vor allem auf neue Schuhe muss sie immer lange warten. Doch sie nimmt es gelassen. Baumann weiß: Bislang gibt es so wenige Frauen in ihrer Position, dass es kaum sinnvoll wäre, kleine Größen massenhaft produzieren zu lassen.

In diesen Branchen verdienen Absolventen am besten
Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen
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Die Jobbörse Stepstone hat die Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen analysiert und dabei rausragende Branchen entdeckt. Denn unter Absolventen gibt es teilweise große Gehaltsunterschiede: Branche, Universität, Region und Abschluss beeinflussen die Höhe des Gehalts. Ein Überblick.

Quelle: Stepstone Gehaltsreport 2016

Platz 20: Freizeit, Touristik, Kultur und Sport
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Wenn sich Absolventen für einen Beruf im Freizeitbereich entscheiden, verdienen sie durchschnittlich 31.265 Euro im Jahr. Damit zählt diese Berufsgruppe zu den schlechtbezahltesten Branchen von Hochschulabsolventen.

Platz 19: Agentur, Werbung, Marketing und PR
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Ein Beruf, in dem Kreativität und Kommunikation gefragt ist: Berufseinsteiger können nach der Universität mit einem Gehalt von 33.394 Euro rechnen.

Platz 18: Bildung und Training
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Bildung und Training ist wichtig, dennoch gehört diese Branche nicht zu den bestbezahltesten: Uniabsolventen erhalten beim Einstieg in diesem Bereich im Jahr durchschnittlich 34.202 Euro.

Platz 17: Medien
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Der Gehaltsreport zeigt, dass journalistische Berufe in Film, Funk, TV und Verlagen mit 36.076 Euro jährlich honoriert werden.

Platz 16: Gesundheit und soziale Dienste
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Absolventen, die ihren Berufseinstieg im Gesundheits- und Sozialbereich planen, können mit einem jährlichen Gehalt von 38.457 Euro im Schnitt rechnen.

Platz 15: Groß- und Einzelhandel
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Sie nehmen Herstellern von Gütern die Aufgabe ab, die Waren an den Endverbraucher zu verkaufen: Groß- und Einzelhändler. Nach der Uni verdienen sie damit 39.398 Euro im Jahr.

Der Job ist körperlich sehr anstrengend, beim Fliegen des Eurofighters wird Baumann in den Sitz gepresst, Wirbelsäule und Nacken werden dabei stark beansprucht, „man muss sich das vorstellen wie bei einer Achterbahnfahrt“, erklärt die Expertin. Es besteht zumindest theoretisch die Gefahr, dass das „Blut im Gehirn absackt“. Daher arbeitet sie am Boden mit Fitnesstrainern zusammen und mit Physiotherapeuten.

Nach und nach hat sich die Bundeswehr auch in diesen Dingen auf weibliche Mitarbeiter eingestellt. Die Ausstattung der Kasernen, vor allem was die Toiletten und die Duschen betrifft, habe sich sehr verbessert, sagt die Pilotin. Ihr ist bewusst, dass ihr Job auch beinhalten kann, zu töten und getötet zu werden. „Im Ernstfall erfülle ich selbstverständlich meine Aufgabe“, sagt sie. Baumann kann sich gut vorstellen, in Zukunft eine Familie zu gründen, auch deshalb achtet sie sehr auf ihre Gesundheit. „Ich will lange fliegen - und lange leben“, sagt sie.

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