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Ulrike Garanin „Arbeit ist die Basis für Menschenwürde“

Was bringt eine erfolgreiche Beraterin dazu, die Rolle zu wechseln und als Social Entrepreneur zu arbeiten? Ulrike Garanin kümmert sich mit ihrer Initiative „Joblinge“ um eine oft vergessene Gruppe unserer Gesellschaft.
2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese jungen Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative  „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden. Quelle: PR BCG
Ulrike Garanin

2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese jungen Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden.

(Foto: PR BCG)

Berlin2015 gab es 500.000 Jugendliche, die den Übergang von der Schule in das Berufsleben nicht geschafft haben. Sie sind eine oft vergessene Gruppe in der Gesellschaft. Für diese Frauen und Männer engagiert sich Ulrike Garanin mit der Initiative „Joblinge“. Als Mitinitiatorin und geschäftsführender Vorstand gibt sie jungen Menschen eine neue Perspektive und hilft ihnen, die kleinen und großen Hürden des Berufseinstiegs zu überwinden. Eine Analyse des Arbeitgeberverbands Hessen Chemie hat ergeben, dass die volkswirtschaftlichen Einsparungen nach zehn Jahren bei knapp 140.000 Euro für jeden nachhaltig vermittelten Jobling liegen. Die dreifache Mutter ist eine der Gewinnerinnen des Preises „25 Frauen, die unsere Welt besser machen“, mit dem die Online-Plattform Edition F zusammen mit dem Handelsblatt und anderen Medienpartnern bereits zum dritten Mal herausragenden Frauen eine Bühne gibt.

Frau Garanin, sprechen wir über Ihr Projekt Joblinge. Was ist die Idee dahinter und wie kam es dazu?
Wir haben 2007 bei der Boston Consulting Group zunächst darüber nachgedacht, wie man unternehmerische Verantwortung in Deutschland greifbar machen kann und waren uns schnell einig, dass wir etwas tun und keinen runden Tisch gründen wollen. Letztlich wurden wir auch im Sog der Finanzkrise mit dem Thema Jugendarbeitslosigkeit konfrontiert und als wir begriffen haben, wie weit die Ausgangssituation jugendlicher Arbeitsloser von Chancengleichheit entfernt ist und die Lücke zwischen Herkunft und Zukunft unüberwindbar scheint, war die Idee da, mit Joblinge etwas dagegen zu setzen.

Warum ist Ihnen die Förderung dieser Gruppe so wichtig?
Ich glaube, dass der Schritt in Arbeit für jeden einzelnen Teilnehmer einer der Wesentlichsten ist, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Arbeit ist die Basis für Menschenwürde. Für jeden einzelnen Jugendlichen, der den Weg schafft, lohnt sich das Engagement. Auch volkswirtschaftlich betrachtet ist es eine riesige Chance, Menschen, die vermeintlich nicht für den Arbeitsmarkt geeignet sind, so zu qualifizieren, dass sie als zukünftige Fachkräfte eine Lücke schließen können, die sich bei uns auftun wird.

Nun weiten Sie das Projekt auch auf Flüchtlinge aus. Können alle ein Jobling werden?
Wie beim traditionellen Joblinge-Programm, wo wir gezielt Jugendliche mit geringer Qualifikation ansprechen, sind wir auch beim Thema Flüchtlinge auf diejenigen fokussiert, die faktenmäßig die größte Gruppe darstellen. Unter-25-Jährige, die nicht hochqualifiziert sind, die keinerlei Deutschkenntnisse, meistens auch keine Schulzeugnisse haben und von denen man genauso sagen kann, dass die Lücke bis zur Ausbildung und Qualifikation eine gigantisch große ist, die sich nicht von selbst schließt.

Wie Dax-Konzerne Flüchtlingen helfen – oder auch nicht
Große Sprüche
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Als die Flüchtlingszahlen stiegen, brüstete sich die deutsche Wirtschaft mit großen Versprechungen: Daimler-Chef Dieter Zetsche orakelte von einem neuen Wirtschaftswunder, BDI-Chef Ulrich Grillo versprach, die Industrie werde „ganz vorne“ mitmachen bei der Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt.

Arbeit, Sprache, Bildung
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Viele Initiativen gründeten sich, viele prominente Stimmen meldeten sich zu Wort, ein Credo: Arbeit, Sprache, Bildung sind die Basis gelungener Integration, und überhaupt: Deutschland brauche diese Leute.

Ein Streifzug durch Dax-Firmen
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Was ist nun aus den großen Versprechungen geworden? Ein Streifzug durch die deutsche Arbeitswelt zeigt: Manche tun nicht viel, außer sich mit der Mitgliedschaft in einer der werbeintensiven Hilfsinitiativen zu brüsten, andere spenden siebenstellige Beträge oder schaffen Hunderte Praktikums- und Ausbildungsplätze. Neben dem Erwartbaren findet sich in der Palette der Hilfsangebote aber auch manche Überraschung.

Adidas: Schuhe für die Stadtläufer
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Der Sportkonzern hat auch 30 Praktikumsplätze in den Bereichen Handel, Logistik und diversen Abteilungen am Headquarter geschaffen. Aber es gibt auch Sport-, Spiel- und Bastelnachmittage mit den Flüchtlingen hier in Herzogenaurach, und engagierte Mitarbeiter können finanzielle Unterstützung für „ihre“ Flüchtlingsprojekte anfragen. Dann gibt es aus dem Adidas-Fördertopf zum Beispiel Trikots für Fußball-Teams oder Schuhe für die Läufer, die am Stadtlauf teilnehmen.

Continental: Arbeit und Sprache
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Der Reifenhersteller konzentriert sich auf das Wesentliche: Arbeit und Sprache. Deutschlandweit hat der Konzern in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit 50 Plätze für eine sogenannte Einstiegsqualifizierung geschaffen. Das Programm dauert sechs bis zwölf Monate und soll die Leute fit machen für den Arbeitsmarkt. Ziel ist zum Beispiel die Übernahme in eine Ausbildung bei Conti – zehn Flüchtlinge haben bereits einen Vertrag für die Qualifizierung unterschrieben.

Deutsche Post DHL Gruppe: Platz für die Notunterkunft
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Die Deutsche Post hat bereits mehr als 150 Flüchtlinge auf Praktika im Konzern vermittelt, mehr als 50 Menschen unter anderem aus Ruanda, Eritrea, Togo und Syrien sind außerdem auf konkrete Arbeitsplätze angestellt worden. Besonders stolz ist der Konzern auf seine Mitarbeiter: Mehr als 13.000 Beschäftigte engagieren sich in mehr als 650 Projekten. Auch nett: Etwa 26.000 Quadratmeter Liegenschaften hat der Konzern den Kommunen überlassen, um zum Beispiel Notunterkünfte oder Kleiderkammern einzurichten.

RWE: W-LAN für die Flüchtlingsunterkunft
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Der Stromkonzern ist Gründungsmitglied der bundesweiten Initiative „Wir zusammen“, die vor allem Plattform zum Austausch über Projekte sein will. RWE ist aber auch Krise, weshalb man derzeit „keine Möglichkeit“ sehe, Flüchtlinge fest anzustellen. Immerhin gibt es zusätzliche 46 Praktikumsplätze und zwei Ausbildungsplätze. Außerdem geben Mitarbeiter Flüchtlingen Sprachkurse, dolmetschen oder lassen sich zu sogenannten Integrationslotsen ausbilden. Eine Aktion, die für einen Stromkonzern vielleicht wie Peanuts anmutet, für die Flüchtlinge sicherlich von großer Bedeutung: In Zusammenarbeit mit der Telekom hat RWE in einem Erstaufnahmelager kostenfreies WLAN-Netz organisiert.

Was erleben die Menschen als erstes in Ihrem Programm?
Schon in den Sammelunterkünften informieren wir die Flüchtlinge über Joblinge und die Arbeitgeber, die über unser Netzwerk dahinter stehen. Was in dem Moment übrigens immer besonders erklärungsbedürftig ist, ist die Tatsache, dass es uns nicht darum geht, ihnen möglichst schnell nur einen Job zu vermitteln, sondern dass wir sie qualifizieren und in eine Ausbildung bringen wollen.

Wie kommt das?
Das Konzept der dualen Ausbildung ist in keinem der Herkunftsländer ein etablierter Begriff und wir müssen aufklären und klarmachen, wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ohne eine Ausbildung oder Qualifizierung sind und wie signifikant sich gerade auch die Einkommenschancen verbessern, wenn man eine hat. Davon ganz abgesehen hat eine Ausbildung ja auch positive Auswirkungen auf die Bleibeperspektive.

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„Die Flüchtlinge sind alle wahnsinnig motiviert“
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