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Ancelottis Ende bei den Bayern Wie man Menschen für sich gewinnt – und damit verliert

Carlo Ancelotti ist als Trainer von Bayern München nicht nur gescheitert, weil er Spiele verloren hat. Seine Art, Menschen zu führen, funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Manager können viel davon lernen.
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Bayern Münchens Trainer am Tag seiner Entlassung. Quelle: dpa
Carlo Ancelotti - Vertrauen verloren

Bayern Münchens Trainer am Tag seiner Entlassung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs gibt kaum einen anderen Fußball-Trainer auf der Welt, über den aktive und ehemalige Spieler so positiv sprechen wie über Carlo Ancelotti. Der Italiener gilt in diesem brutal harten Business als Vaterfigur, als Zuhörer und Versteher. Das sagen viele Spieler. Aber das schreiben selbst die Größten des Gewerbes in Ancelottis Buch „Quiet Leadership“ (Knaus Verlag).

Dieses Werk brachte Ancelotti - unterstützt von zwei Ghostwritern - im März 2016 heraus. Also kurz bevor er seinen Trainerjob bei Bayern München antrat. Entsprechend galt es vielen als Lektüre und Vorbereitung auf das, was den Kickern beim deutschen Rekordmeister erwarten würde. Der Untertitel des Buches lautet: „Wie man Menschen und Spiele gewinnt.“ Das sagt einiges.

Ancelotti schwört auf eine „ruhige und zurückhaltende“ Führung und besteht darauf, dass dies nicht mit „Nachgiebigkeit oder gar Schwäche“ zu verwechseln sei. Es sei wirkungsvoller, „Macht und Einfluss indirekt auszuüben“. Die zentrale Aussage gilt wie eine Binse: „Es sollte sonnenklar sein, wer das Sagen hat – aber diese Einsicht muss das Ergebnis von Respekt und Vertrauen sein und nicht von Angst.“

„Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste“
Finito Carlo Ancelotti!
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Nur 17 Stunden nach der 0:3-Klatsche von Paris hat ein gedemütigter FC Bayern seinen Trainer Carlo Ancelotti vor die Tür gesetzt. In einer Krisensitzung wurde das Ende des Italieners beim Rekordmeister am Donnerstag besiegelt. „Das Spiel in Paris hat deutlich gezeigt, dass wir Konsequenzen ziehen mussten“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einer Mitteilung klar. Er bedauere das, „aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen“.

(Foto: dpa)
Entlassen
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Trainer Carlo Ancelotti hat sich nach seinem Rauswurf beim FC Bayern mit einem knappen Statement verabschiedet. „Es war eine Ehre, Teil der Geschichte der Bayern zu sein. Danke an den Klub, die Spieler und die grandiosen Fans. Ciao“, schrieb der Italiener am Donnerstagabend bei Twitter und Facebook auf Deutsch und Englisch.

(Foto: dpa)
Bayern-Boss
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„Die Leistungen unserer Mannschaft seit Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen, die wir an sie stellen“, machte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge deutlich und forderte: „Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen.“ Der Gruppensieg in der Champions League ist nach dem 0:3 allerdings schon in weite Ferne gerückt.

(Foto: dpa)
Paris St. Germain - Bayern München
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Der Rauswurf von Ancelotti hatte sich bereits bei der Bankettrede angedeutet, als Rummenigge (Mitte) davon sprach, „auch in Klartextform Konsequenzen ziehen“ zu müssen. Uli Hoeneß (rechts), der Präsident, der auch am Tisch saß und mit zusammengepressten Lippen zugehört hatte, nippte am Weißwein und klatschte wie die Mehrzahl der Zuhörer am Ende der Ansprache des Vorstandschefs in die Hände.

(Foto: dpa)
Uli Hoeneß in Paris
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Später sagte Hoeneß: „Die Tatsache, dass der Trainer aus meiner Sicht in den letzten Tagen fünf wichtige Spieler auf einen Schlag gegen sich gebracht hat, das hätte er niemals durchgehalten“

(Foto: Reuters)
Kein Team mehr
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Am Tag des Rauswurfs bedankte sich Rummenigge für die Zusammenarbeit und äußerte Bedauern über „die Entwicklung, die sie genommen hat“. „Carlo ist mein Freund und wird es bleiben, aber wir mussten hier eine professionelle Entscheidung im Sinne des FC Bayern treffen“, wurde Rummenigge zitiert.

(Foto: dpa)
Oktoberfest - FC Bayern auf der Wiesn
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Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat die Trennung von Trainer Carlo Ancelotti nach den Entwicklungen in Paris als alternativlos bezeichnet. Am Rande eines Termins in Siegen sagte er dem Radiosender FFH. „Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben“, erklärte Hoeneß: „Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln.“

(Foto: dpa)

Wer sich die Karriere von Carlo Ancelotti anschaut, entdeckt recht schnell, dass so ein Führungsstil ein hohes Maß an Vertrauen von der jeweiligen Vereinsführung erfordert. Beim AC Mailand genoss der Trainer dieses Vertrauen nahezu unbegrenzt und konnte hier über Jahre hinweg Erfolge feiern - von 2001 bis 2009.

Doch bei den meisten anderen Stationen durfte Ancelotti trotz so manchem Titel nicht sehr lange bleiben: Beim AC Reggiana, AC Parma, Juventus Turin, FC Chelsea, Paris Saint-Germain, Real Madrid und nun beim FC Bayern ließen ihn die Club-Chefs nie mehr als maximal zwei Jahre gewähren. Nur selten hörte man danach ein schlechtes Wort von ehemaligen Spielern. Im Gegenteil: Selbst große Diven wie Zlatan Ibrahimovic, David Beckham oder Christiano Ronaldo sprechen extrem positiv von ihrem ehemaligen Trainer.

Quelle: AP
Ancelotti hatte nicht mehr den Draht zu seinen Spielern.
(Foto: AP)

In Deutschland wird Carlo Ancelotti bald Fußballgeschichte sein. Was bleibt ist sein Ansatz des unbedingten Vertrauens. Jeder Kicker muss dem Führungsspieler vertrauen, dem wiederrum der Trainer. Aber auch der Coach braucht das unbedingte Vertrauen der Führung eines Vereins. Bei den Bayern war es nach der 0:3-Pleite in Paris am Mittwoch endgültig futsch. Bei so manchem anderen Coach hätte es klappen können, zumindest über eine gewisse Zeit so noch eine gute Saison zu spielen – aber nicht bei Ancelotti. Es war insofern die absolut richtige Entscheidung, sich zu trennen.

Ancelottis Art passt ideal in die neue Arbeitswelt

Für viele Führungskräfte wird Ancelottis Stil nicht 1:1 übertragbar sein. Aber man kann viel von ihm lernen: Der Italiener ist ein Großmeister darin, loslassen zu können. Er ist nicht eitel und schaut nicht im Gram auf Vergangenes zurück. Er hakt Niederlagen ab und steht wieder auf. Es wäre keine Überraschung, dass er auch jetzt schnell wieder einen neuen Job finden würde. Vermutlich sogar üppig dotiert in China.

Grundsätzlich passt Ancelottis Ansatz des maximalen Vertrauens sehr gut in die neue Arbeitswelt: Wo Hierarchien abgebaut werden und Mitarbeiter auf Selbstbestimmung drängen, braucht es Führungskräfte, die nicht auf Kontrolle aus sind. Doch gerade hier zeigt sich, dass die Kultur der gesamten Firma – und auch der FC Bayern München ist ein Unternehmen – dazu passen muss. In der heutigen Fußballbranche scheint Ancelottis Stil nicht mehr zu passen: Alles wird gemessen, bewertet und verglichen. Zeit für Experimente gibt es kaum noch. Selbst eine Niederlage in einem Gruppenspiel, die objektiv betrachtet praktisch keine Auswirkung hat, kann im schnelllebigem Mediengetöse zu einem Image-Gau führen und muss eilig korrigiert werden.

Den Spielern des FC Bayern wird anhaften, dass sie mit Ancelottis Vertrauen nicht gut umgehen konnten. Dass sie seine „nette“ Art vielleicht sogar ausgenutzt haben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie nun unter strengerer Beobachtung wieder besser kicken werden.


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