Zum The Shift! Special von Handelsblatt Online

Auslaufmodell Bewerbung Was Bewerber wirklich über das Anschreiben denken

Jeder zweite Jobsuchende wird laut einer Umfrage bei der Bewerbung vom Anschreiben abgeschreckt. Wo es am unbeliebtesten ist, wie viele es faken und welche Rolle Smartphones spielen, wenn Sie Fachkräfte gewinnen wollen.
3 Kommentare
Trotz abnehmender Relevanz: Ein präzise formuliertes und mit Referenzen unterfüttertes Anschreiben verbessert bei vielen Personalern noch immer die Wahrscheinlichkeit auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Quelle: Fotolia
Jobsuche

Trotz abnehmender Relevanz: Ein präzise formuliertes und mit Referenzen unterfüttertes Anschreiben verbessert bei vielen Personalern noch immer die Wahrscheinlichkeit auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

(Foto: Fotolia)

BonnWie eine Schulprüfung oder ein Besuch beim Zahnarzt, so empfinden Deutschlands Bewerber das klassische Anschreiben. Das klingt nicht gerade besonders angenehm. Doch Rettung ist nah, denn laut Experten des Jobportals „Meinestadt.de“ ist die klassische Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugniskopien im Zeitalter der Digitalisierung sowieso ein Auslaufmodell.

Eine aktuelle Umfrage des Portals zeigt, was Bewerber über das Anschreiben tatsächlich denken: Über die Hälfte der 1034 befragten Fachkräfte mit Berufsausbildung empfindet das Anschreiben als eine große Hürde. Insbesondere Unternehmen, die um besonders gefragte Fachkräfte werben, sollten solche Hürden senken, um mehr relevante Bewerbungen zu erhalten.

Mit 55 Prozent nimmt eine eindeutige Mehrheit der befragten Fachkräfte das Anschreiben als „eine große Hürde bei Bewerbungen“ wahr. Der am häufigsten genannte Grund dafür war, dass die Jobsuchenden nach eigenen Angaben nicht wissen, was sie schreiben sollen. Rund jeder Fünfte gibt an, das Anschreiben koste zu viel Zeit. 15 Prozent gaben mangelnde Routine beim Verfassen von Texten als Hürde an. Viele Fachkräfte mit Berufsausbildung sind es nicht gewohnt, längere Texte zu schreiben.

Diejenigen, die das Anschreiben nicht als Hürde empfinden, geben dafür diese Gründe an: Jeder Vierte greift auf eine Vorlage zurück, die nur minimal für die jeweilige Bewerbung angepasst wird. Weitere sechs Prozent berufen sich auf die gute Verfügbarkeit von Vorlagen im Internet und ein Prozent gibt sogar zu, dass ein Anschreiben kein Problem sei, weil sie es von jemand anderem erstellen lassen. „Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Aussagekraft Anschreiben letztlich überhaupt für die Bewerberauswahl haben“, kommentiert Georg Konjovic, Geschäftsführer von meinestadt.de, die Ergebnisse.

Womit vergleichen Fachkräfte das Verfassen eines Anschreibens? Sie verbinden es am häufigsten mit einer „Schulprüfung“. Auf Platz zwei landet die Assoziation „Zeitverschwendung“. Auffällig viele Teilnehmer vergleichen das Erstellen eines Anschreibens sogar mit einem „Besuch beim Zahnarzt“.

Innerhalb der verschiedenen Branchen gibt es leichte Unterschiede, was die Akzeptanz des Anschreibens betrifft. Am unbeliebtesten ist es mit über 60 Prozent bei Fachkräften im Gastgewerbe und Tourismus, gefolgt von jeweils über 57 Prozent im Handwerk, in der Produktion, im Rechts- und Personalwesen. Bei Unternehmen aus diesen Branchen besteht besonders großer Handlungsbedarf, was die Optimierung von Prozessen angeht, damit potenzielle Mitarbeiter nicht schon im Vorfeld abspringen.

Doch nicht nur der Zeitfaktor und der Inhalt, sondern auch der technologische Wandel spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Effizienz des Anschreibens als notwendigen Bewerbungsbaustein grundlegend zu überdenken. Denn die mobile Jobsuche ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern für die meisten Recruiter und Jobsuchenden Alltag. Der Grund ist einleuchtend: Alle haben Smartphones, alle nutzen sie. Das gilt auch für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, wie die Mobile Recruiting Studie 2017 von „Meinestadt.de“ belegt (Mehr dazu hier: „Bewerben wir uns bald nur noch per App?“).

Otto, Henkel & Co. zeigen wie es geht
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Auslaufmodell Bewerbung - Was Bewerber wirklich über das Anschreiben denken

3 Kommentare zu "Auslaufmodell Bewerbung: Was Bewerber wirklich über das Anschreiben denken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier die m.E. wichtigste Passage aus dem Artikel:

    „Der Lebenslauf genügt (…), um die fachliche Eignung eines Bewerbers zu prüfen. Einen Eindruck von der Persönlichkeit und dem Potenzial – beides genauso wichtig wie die Fachkompetenz – verschaffe man sich dann im Vorstellungsgespräch.
    >>> „Das mag auf den ersten Blick als zu aufwändig erscheinen und die ohnehin schon langwierige Personalsuche unnötig zu verlängern“, (…). „Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Ein persönliches Bewerbungsgespräch ist deutlich effizienter <<<
    – sowohl im Hinblick auf eine schnelle Besetzung der Stelle als auch auf die Auswahl des idealen Bewerbers.
    >>> Dem Fachkräftemangel und Produktivitätsverlusten können Unternehmen so ebenfalls besser entgegenwirken. <<<“

    Das sollte sich jeder Arbeitgeber, der auf der Suche nach Mitarbeitern ist, gut merken. Persönliche Ansprache bringt immer noch am meisten. Kann ich übrigens auch aus eigener Erfahrung bestätigen:

    Da meinen Unterlagen eine Hörbehinderung zu entnehmen ist (und mir deshalb schon klar war, dass ich die Erfolgsaussichten meiner Bewerbung sonst vergessen könnte), bin ich den Arbeitgebern lieber gleich die Bude eingerannt. Hat meistens geklappt.

  • Wenn Personaler Prosa wollen sollen sie einen Geisteswissenschaftler einstellen. Es soll durchaus Berufe geben in denen der Arbeitsinhalt nicht überwiegend in dem Verfassen von Texten besteht und Selbstpreisung nicht zum Arbeitsauftrag.

    Solange es Personaler hinkriegen den Lebenslauf vor dem Vorstellungsgespräch nicht oder nur teilweise zu lesen und man im Bewerbungsgespräch nicht mitgeteilt bekommt wie der zukünftige Verdienst aussieht weil die Person die das Gespräch führt das nicht weiß (habe ich mehr als 1 mal erlebt) solange braucht man auch keine seitenlangen Anschreiben verfassen.

    @ Frau Kah ich weiß nicht woraus sich Ihre arrogante Grundhaltung speist, Erfahrungen als Bewerber gehören sicherlich nicht dazu.

  • Ich wundere mich zutiefst. Dass es viele Analphabeten gibt, die nicht einmal ihren Namen schreiben können, hatte ich zwar gewußt. Aber dass sehr viele Mitbürger nicht mit ein paar Zeilen ihr Interesse an einem Job zum Ausdruck bringen können, ist schon höchst seltsam. Was sind das für Leute? Darf man erwarten, dass die bei der Ausübung ihres Berufes für eine Notiz oder für einen Brief ein paar Zeilen zu Papier bringen können? Oder ist das zu viel verlangt? Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%